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Brand in Düsseldorfer Messehalle: Zeuge erkennt Angeklagten wieder

Brand in Düsseldorfer Messehalle : Zeuge erkennt Angeklagten wieder

Im Prozess um den Großbrand in einer zur Flüchtlingsunterkunft umgewidmeten Messehalle hat am Donnerstag ein 40-jähriger Iraner als Hauptbelastungszeuge ausgesagt und den Angeklagten als Brandstifter bezeichnet.

Er habe den 27-Jährigen an jenem 7. Juni 2016 im hinteren Teil der Halle mit einer Flasche Wodka gesehen, kurz bevor das Feuer in der von 280 Menschen genutzten Unterkunft ausbrach, die Halle komplett einäscherte und einen Millionenschaden verursachte. Der angeklagte Algerier, der sich über die Essenausgabe trotz des Fastenmonats Ramadan geärgert haben soll, hatte die Brandstiftung am vorigen Prozesstag bestritten.

Für den Zeugen gab es keine Zweifel, wer das Feuer damals gelegt hat. Auf Fotos der Polizei habe er den Angeklagten mehrfach zweifelsfrei erkannt. Immerhin hatte der Zeuge bis zum Großbrand ebenfalls in dieser Unterkunft gelebt.

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Doch was er dann in mehreren Aussagen geschildert haben soll, entsprach in vielen Details nicht seiner Version von Donnerstag. Dazu sagte der Zeuge, das liege "wahrscheinlich an Übersetzungsfehlern". So habe er bei der Polizei nacheinander mit zwei Dolmetschern zu tun gehabt, doch nur der zweite habe jedes Wort übersetzt, der andere nur sinngemäß. So war zunächst protokolliert worden, der Angeklagte habe sich "mit zwei Freunden" an jenem Vormittag am späteren Brandherd zu schaffen gemacht. "Von drei Männern habe ich nie gesprochen", widersprach der Zeuge. Auch wurde damals notiert, der Zeuge habe nach dem Brand große Angst gehabt vorm Angeklagten und dessen Freunden. Er halte diese Gruppe "für gefährlich, wer weiß, was da noch passiert". Im Prozess sagte er aber: "Ich habe keine Angst, ich war ja beim iranischen Militär." Und: "Der Angeklagte war immer allein."

Weiter berichtete der Zeuge von Ärger bei den Bewohnern der Unterkunft über das Essen ("Es war wenig, wir hatten meistens Hunger") und schlechte sanitäre Verhältnisse ("Die Toiletten waren dreckig, die Duschen kaputt"). Als dann der Ramadan kam (bei dem er als Moslem nicht gefastet hat, weil er krank war) sollen der Angeklagte und dessen Freunde die "Lagerleitung gewarnt" haben: "Man solle auf keinen Fall mittags noch einmal Essen bringen, sonst machen sie alles kaputt und stecken die Halle in Brand." Wie das Landgericht die Widersprüche in den Aussagen des Zeugen wertet, ist offen. Der Prozess geht am Freitag weiter.

(wuk)