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Zentralbibliothek Düsseldorf: Schüler werden bei ihren Abi-Vorbereitungen unterstützt

Zentralbibliothek Düsseldorf : Massagen gegen den Abistress

Die Gymnasiasten sind im Abi-Stress. Sie müssen viel lernen, sich zwischendurch aber auch entspannen. So unterstützt die Zentralbibliothek Düsseldorf die Schüler bei ihren Prüfungsvorbereitungen.

Eigentlich schließt die Zentralbibliothek am Bertha-von-Suttner-Platz 1 pünktlich um 20 Uhr ihre Tore, doch kurz vor den Abiturprüfungen ist alles ein bisschen anders: „Heute ist Power Learning angesagt!“ tönt es aus den Lautsprechern in der Bibliothek um an das spezielle Programm zu erinnern, das Schülern bis Freitag zur Verfügung steht.

Erstmals können sie die insgesamt 280 Gruppen- und Einzelarbeitsplätze bis 22 Uhr nutzen, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten. „Je näher das Abitur rückt, desto voller wird es jedes Jahr in der Bibliothek. Wir haben deswegen beschlossen, den Lernenden etwas Besonderes zu bieten“, erzählt Frauke Erus, Bibliothekarin und Lektorin in der Zentralbibliothek.

Auf dem Tisch neben ihr stehen kostenlose Getränke und Snacks für die Schüler bereit. „Wer hier lernt und arbeitet, der soll sich auch wohlfühlen und entspannen können“, berichtet sie.

Für das richtige Maß an Entspannung ist auch Heike Ruiter vor Ort. Auf dem Stuhl der staatlich geprüften Masseurin können sich die Prüflinge von dem angestauten Stress befreien lassen.

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Die Massage ist dabei mehr als ein reines Wellnessangebot, sondern kann nach Ruiter eine echte Lernhilfe sein: „Sobald man ein bestimmtes Stresslevel erreicht hat, schaltet das Gehirn auf Flucht oder Angriff um, und es bleibt kein Platz mehr, um sich vernünftig mit Mathe, Deutsch oder Englisch zu beschäftigen“, erklärt die 49-Jährige. „Das Phänomen reicht weit in unsere Vergangenheit zurück. Wer vor einem Säbelzahntiger flüchten musste, brauchte weniger die Denkleistung des Gehirns, sondern vor allem seine Beine.“

Die ersten Interessenten stehen bereits vor Ruiters mobilem Massagestudio und warten auf ihren Termin. Schülerin Melani bereitet sich seit knapp zwei Monaten auf ihre Abiturprüfungen vor und kann die kurze Pause gut gebrauchen. „Heute lerne ich für meine Mathe-LK-Prüfung in drei Wochen.

Mittlerweile wird es eng, denn es gibt eine ganze Reihe von Sachen, die ich immer noch nicht verstehe“, berichtet die 19-Jährige und verdreht genervt die Augen. Sie freut sich über die verlängerten Öffnungszeiten der Zentralbibliothek. „Ich komme oft erst um 18 Uhr dazu, wirklich zu lernen, deswegen ist es sehr gut, dass ich diese Woche etwas mehr Zeit habe, um mich in Ruhe mit dem Stoff zu beschäftigen“, sagt sie.

Wer wie Melani Probleme bei seiner Prüfungsvorbereitung hat, kann sich an zwei Nachhilfelehrer wenden, die von Tisch zu Tisch gehen und den Schülern erklären, was bis jetzt noch nicht so ganz verstanden worden ist. Kadir Konak ist bis zum Ende des Abends im Einsatz und Ansprechpartner für die Fächer Mathe und Chemie.

Er steht neben zwei etwas verzweifelt aussehenden Schülerinnen und erläutert die Grundregeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung. „Auch wenn meine Aufgabe als fliegender Lehrer heute natürlich etwas ungewöhnlich ist, haben die Schüler eigentlich immer sehr ähnliche Fragen“, erzählt der 22-jährige Chemiestudent. Er hat seine ganz eigene Herangehensweise, um die Lerninhalte verständlich zu vermitteln. „Manchmal ist es sehr hilfreich, den Schulstoff auf eine etwas andere Weise als im Unterricht zu erklären, damit die Jugendlichen ihn begreifen und umsetzen können“, sagt er.

Die Vorbereitung außerhalb der Bibliothek ist für einige Schüler wie Sadija keine wirkliche Option. „Zu Hause zu lernen, funktioniert bei mir gar nicht. Alles andere ist dann immer viel interessanter, und man kommt einfach nicht voran“, berichtet die 17-Jährige, die sich gemeinsam mit ihrer Freundin Ouiam auf den Realschulabschluss vorbereitet.

Es ist ein Phänomen, das Stephan Schwering schon oft beobachtet hat: „Viele Schüler erzählen uns immer wieder, dass sie bei uns einfach disziplinierter lernen können“, sagt der Leiter der Zentralbibliothek. „Sie schätzen die ruhige Atmosphäre in der Bibliothek und treffen hier gerne ihre Freunde, um sich gemeinsam auf anstehende Prüfungen vorzubereiten.“

Für den 50-Jährigen steht das Power Learning für mehr als nur das Lernen ohne Zeitdruck. „Wir wollen den Einsatz der Schüler wertschätzen und ihnen mit dem Angebot ein bisschen etwas zurückgeben“, berichtet er. „Sollte die Aktion gut ankommen, werden wir die langen Lernnächte im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder anbieten.“