Festnahme in Österreich: Zentis-Erpresser erneut gefasst

Festnahme in Österreich : Zentis-Erpresser erneut gefasst

Im Juli wurde ein Düsseldorfer wegen Erpressung verurteilt. Nun drohte er in Österreich anderen Firmen, darunter dem Süßwarenproduzenten Manner, Waren zu vergiften. Nach einer Verfolgungsjagd wurde er festgenommen.

Ein Düsseldorfer, der erst im Juli zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt worden war, weil er den Marmeladen-Hersteller Zentis erpresst hatte, ist jetzt wegen einer identischen Tat in Österreich erneut festgenommen.

Der Mann soll seit Anfang September zwei Lebensmittelherstellern gedroht haben, deren Produkte zu vergiften. Tatsächlich waren in mehreren österreichischen Supermärkten manipulierte Waren des Süßwarenproduzenten Manner sowie des Feinkostunternehmens Wojnar aufgetaucht. Zuletzt hatte die Polizei mit rund 100 Beamten nach dem 27-Jährigen gefahndet, der erst nach einer Verfolgungsjagd auf der Inntal-Autobahn rund 40 Kilometer westlich von Innsbruck gestellt werden konnte.

Bis zu zehn Jahre Haft drohen

"Ihn erwartet eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren", sagte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Wien gestern im Gespräch mit der Rheinischen Post. Zu diesem Zeitpunkt saß der Düsseldorfer bereits in einem Gefängnis in der österreichischen Hauptstadt, nachdem er zuvor eingehend zu den Anschuldigungen vernommen worden war.

So viel steht inzwischen wohl fest: Der 27-Jährige erpresste die beiden Firmen, die sich zum Schein auf das "Geschäft" einließen, als erste vergiftete Lebensmittel gefunden wurden. Die Unternehmen ließen dem jungen Deutschen dabei eine Kreditkarte für ein Konto zukommen, das entsprechend mit Geld bestückt wurde. Und tatsächlich hob der Mann danach seit Anfang Oktober immer wieder an Geldautomaten in Österreich und Deutschland größere Summen ab. "Er ging durchaus raffiniert vor", erklärte der Polizeisprecher. So schützte er mit technischen Tricks zum Beispiel sein Handy vor einer Ortung, nachdem er schon Drohmails ausschließlich von ausländischen Servern versendet hatte.

"Die Familie steht unter Schock", sagte der Anwalt des jungen Mannes, Rainer Dietz. Er will seinen Mandanten in den nächsten Tagen im Gefängnis besuchen. Eine Erklärung für die neuen Taten hat auch er nicht. "Das Urteil nach der Zentis-Erpressung war eine Chance", sagte der Verteidiger, dem vor allem die Mutter des 27-Jährigen Leid tut. "Während des ersten Prozesses war der Vater gestorben. Und mein Mandant hatte sich gerade erst mit seiner Mutter versöhnt", berichtete Dietz.

Er will nun versuchen, dass der neue Prozess in Deutschland stattfindet. Denn nur so könnte eine etwas niedrigere Strafe herauskommen. Im schlimmsten Fall müsste der Mann zuerst seine Strafe in Österreich absitzen und danach noch die fünf Jahre Haft für die Zentis-Erpressung antreten.

(RP)
Mehr von RP ONLINE