Dramatische Erinnerungen von Rudi Goguel: Zeitzeugnis eines Moorsoldaten

Dramatische Erinnerungen von Rudi Goguel: Zeitzeugnis eines Moorsoldaten

Rudi Goguel wagte den aktiven Widerstand gegen die Nazis. Nur 13 Monate und drei Wochen lebte er während der NS-Herrschaft außerhalb von Lagern und Haftanstalten. Nach genau 60 Jahren ist sein Erfahrungsbericht nun zum zweiten Mal herausgebracht worden.

Es ist der 27. September 1934. In Derendorf wird der junge Kommunist Rudi Goguel von der Gestapo verhaftet. Nach fünf Tagen Verhören und Misshandlungen stürzt sich der 26-Jährige in den Luftschacht des Polizeipräsidiums am damaligen Kavellerieplatz - doch der doppelte Schädelbasisbruch ist nur der Auftakt zu einer elf Jahre währenden Odyssee durch die Haftanstalten Nazi-Deutschlands.

"Es war ein langer Weg. Ein Bericht" ist die Neuauflage von Goguels Buch aus dem Jahr 1947, die nun mit Unterstützung des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte herausgegeben wurde. Untersuchungshaft in der Ulmer Höh', zehn Jahre Zuchthaus wegen vermeintlicher Vorbereitung zum Hochverrat, davon drei in Einzelhaft, nach Ablauf der Strafe Schutzhaft in mehreren Konzentrationslagern - und schließlich der Untergang der "Cap Arcona" in der Ostsee, den Goguel als einer von wenigen überlebte.

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"Das Buch ist die Schilderung eines Existenzkampfes", sagt Thomas Goguel, der Sohn des Komponisten des berühmten "Moorsoldatenliedes". "Es beschreibt keinen Heldenmythos." Mit harter Sprache habe sein Vater, der während der Nazi-Herrschaft insgesamt nicht einmal 14 Monate in Freiheit verbrachte und auch von seinen eigenen Leuten verfolgt wurde, die Enttäuschungen und Widersprüche der Zeit aufgezeigt. Enttäuschungen, die auch nach dem Zusammenbruch des Regimes nicht aufhörten - unter Adenauer wurde wieder gegen den Ex-Kommunisten ermittelt, Goguel landete im Sanatorium. Sein Sohn ist froh über die Neuauflage: "Ich las das Buch als Jugendlicher, dann ging unser letztes Familienexemplar irgendwann verloren."

Als ein "ungewöhnliches Zeugnis des politischen Widerstands" bezeichnet auch Angela Genger, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte und Bearbeiterin der Neuauflage, das Buch, das mit einer Auflage von 600 Exemplaren erschienen ist: "Es zeigt den Versuch eines Menschen, sich nicht brechen zu lassen." Sein Vater beschreibe das Verhalten der Menschen in der Nazi-Zeit, sagt Thomas Goguel: "Im Zuge der Oettinger-Filbinger-Kontroverse ja wieder ein hochbrisantes Thema."

(RP)
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