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Wohnen im Hotel: Zehn Jahre in Zimmer 602

Wohnen im Hotel : Zehn Jahre in Zimmer 602

Günter Stahlhacke lebt von montags bis freitags im Hotel - immer in demselben Zimmer im 6.Stock. Der 59-Jährige ist der "Stubenälteste" im Lindner Hotel Rhein Residence. Mittlerweile hilft er selbst schon mal dem Personal.

Er muss nie putzen, nie kochen, nie Müll runter bringen, nie Betten machen oder Staub saugen. Und das Frühstück bekommt er jeden Morgen auch noch mit einem Lächeln der Kellnerin serviert. Günter Stahlhacke hat es einfach gut - und das seit zehn Jahren. So lange wohnt der freie IT-Berater schon wochentags im Lindner Hotel Rhein Residence.

Angefangen hatte alles mit einem Job für die Deutsche Post. ",Gehen Sie für drei Monate nach Düsseldorf‘, lautete damals mein Auftrag", erzählt Stahlhacke. Daraus wurden bis jetzt 120 Monate. Jeden Montagvormittag fliegt der Unterfranke aus Nürnberg ein, arbeitet jeden Tag zwölf Stunden und ist am Freitagmittag wieder zum Rückflug nach Bayern bereit.

Sein Zimmer mit Balkon, immer die Nummer 602 im sechsten Stock, ist bis heute eher unpersönlich geblieben. Kaum ein privater Gegenstand erinnert an den Dauerbesucher. Doch er reist nicht jedes Mal mit dem gesamten Sack und Pack an und ab. So lässt er eine Kulturtasche samt Zahnbürste und Rasierer und seine Sportkleidung im Hotel zurück. Dort wird es in einer Kammer verschlossen.

Ich wollte ein schnuckeliges, gutes Hotel", erzählt er. 79 Euro kostet ihn das Zimmer pro Nacht - inklusive Frühstück - und inklusive besonderem Service. "Wenn ich morgens in den Frühstücksraum komme, kriege ich den Espresso und das Glas Wasser immer schon serviert", sagt Stahlhacke lachend.

Der Weinexperte und Koch lebt am Wochenende mit seiner Partnerin in Ebern bei Bamberg. Dort kocht der Chef selbst in seinem Restaurant, dass er freitags, samstags und sonntags geöffnet hat. Das ist das zweite Leben des Günter Stahlhacke. Sitzt er am Freitag im Flieger in Richtung Osten, taucht er immer wieder in eine neue Welt ein - und kommt drei Tage später wieder in die andere zurück. "Die ersten Stunden müssen sich meine Partnerin und ich immer wieder neu aneinander gewöhnen", gibt er zu. Doch dieses Vagabundenleben habe seinen Reiz.

Zeit für langweilige Gewohnheiten und Rituale bleibt da kaum. Nur in seiner zweiten Heimat an der Kaiserwerther Straße. Kommt er abends von der Arbeit in seinem Büro zurück, setzt er sich auf die Terrasse, trinkt einen Espresso, ein Wasser und genießt eine gute Zigarre. "Das kennen die Angestellten hier schon", sagt er.

Er selbst kennt das Haus aus dem Effeff. Mittlerweile ist er der "Stubenälteste" im Hotel. Alle Mitarbeiter haben erst nach seinem ersten Besuch angefangen. Vom Zimmermädchen bis zur Hoteldirektorin: Stahlhacke hat sie alle kommen sehen. Und manchmal auch geholfen, wenn sie mit Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen hatten. "Wenn ich abends an der Bar sitze, dann sag ich schon mal: ,Den Whiskey finden Sie da unten im Fach neben den Gläsern."

(RP)