Düsseldorfer Kitas: "Zaunkönige" sprechen Englisch

Düsseldorfer Kitas: "Zaunkönige" sprechen Englisch

Die Elterninitiative mit Sitz in Pempelfort ist extrem beliebt: Fast 200 Anfragen kommen auf einen Kita-Platz in dem großen, verwinkelten Familienzentrum. Fest ins Programm gehören vor allem Spiele und Lieder auf Englisch.

"Old Mc'Donald had a farm. . ." heißt es auf einem selbst gemalten Plakat an einer bunt gestrichenen Wand. Daneben hängt "A story about China". Kein Wunder: In der Elterninitiative "Die Zaunkönige" wird nicht nur Deutsch gesprochen und gelernt, sondern auch Englisch. Dabei gibt es nicht etwa Unterricht, wie Kita-Leiterin Vera Portz betont. Stattdessen sprechen und singen drei Mitarbeiter, die selbst aus dem englischen Sprachraum kommen, mit den Kindern — durchaus auch mit den Kleinen.

"Für uns wäre es wichtig zu wissen, ob wir weiterhin so wie bisher mit native Speakern arbeiten können", erklärt Sabine Krüger vom Vorstand der Elterinitiative. Das Problem: Abschlüsse aus dem Ausland werden nicht mehr anerkannt. Wer in einer Kita arbeitet, soll einen deutschen Erzieher-Abschluss vorweisen können. "Davon gibt es aber nur wenige", so Krüger, die dringend auf einen schriftlichen Bescheid vom Jugendamt dazu wartet. "Man ist offenbar bereit, Ausnahmeregelungen geltend zu machen." Für die Zaunkönige, die inzwischen zertifiziertes Familienzentrum sind, gehört die Bilingualität und das Zusammenleben vieler Nationen zum Profil der Kita. "Unser Ort hier, Pempelfort, ist multikulturell — wir sind es auch", sagt Portz, die seit der Gründung der Kita vor sechs Jahren dort arbeitet.

Seit zwei Jahren leitet sie die Zaunkönige und legt Wert auf einen geregelten Alltag. So gibt es festgelegte Waldtage für die drei Gruppen, und an zwei Tagen in der Woche können die kleinen und die größeren Zaunkönige die Turnhalle an der Franklinstraße nutzen. Auch die einzelnen Tage sind strukturiert vom Frühstück bis zum frühen Abend, denn die Tage an der Bagelstraße können lang sein. Bis 19.30 Uhr ist die Kita geöffnet — drei Stunden länger als in anderen Einrichtungen üblich. Krüger: "Das heißt aber nicht, dass alle Kinder jeden Tag so lange bleiben. Eltern können ihre Kinder nach Bedarf bringen und abholen, feste Abholzeiten haben wir nicht." Überhaupt spielen die Eltern eine wichtige Rolle.

Sie sollen sich einbringen in die Gemeinschaft und müssen sich verpflichten, zehn Stunden im Monat mitzuarbeiten. Portz: "Manche lesen vor, andere begleiten unsere Ausflüge oder kommen zum Basteln." Offenbar schreckt die Mitarbeit kaum jemanden ab: Bis zu 200 Anfragen haben die Zaunkönige pro Platz, den sie anbieten können. Krüger. "Wir sind im Laufe der Zeit von einer Gruppe auf drei Düsseldorfer Familiengruppen gewachsen. Noch größer können und wollen wir nicht werden."

Eine Düsseldorfer Familiengruppe besteht aus acht Kindern unter drei Jahren sowie neun Kindern zwischen drei und sechs Jahren. Der jüngste Zaunkönig ist derzeit neun Monate alt, die ältesten gehen im Sommer in die Schule. Zuvor fallen die Kinder und mit ihnen die Kitas in ein Betreuungsloch: Zwischen Ende der Kitazeit und Beginn der Schule liegen fünf Wochen, in denen die Kinder nicht versorgt sind. Portz: "Das Problem müssen wir lösen.

(RP)