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Düsseldorf: Zamek setzt Ehefrau als Chefin ab

Düsseldorf : Zamek setzt Ehefrau als Chefin ab

Nach turbulenten Monaten wird Petra Zamek künftig nicht mehr als Geschäftsführerin des Suppenherstellers arbeiten. Ihr Mann Bernhard Zamek geht zurück in den Beirat. Neuer Geschäftsführer wird Reiner Wenz.

Überraschend scheidet Petra Zamek aus der Geschäftsführung des Düsseldorfer Fertiggerichte-Herstellers Zamek aus, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Nähere Gründe für den Wechsel an der Unternehmensspitze nannte die Firma nicht. Petra Zamek ist Ehefrau von Bernhard Zamek. Der Enkel des Firmengründers — der den gleichen Namen trug — ist heute Beiratsvorsitzender und Mehrheitsgesellschafter der Unternehmensgruppe. Zamek engagierte sich im Tennis, war lange Jahre DEG-Präsident und Golf-Spieler. Einer seiner engen Freunde ist Franz Beckenbauer, dessen Hochzeit Petra Zamek im Jahr 2006 maßgeblich organisierte. Die Familien kannten sich, weil sie beide Ferienanwesen in Kitzbühel besitzen.

Petra Zamek soll weiterhin die Geschäftsleitung beraten und sich um die Information des Kapitalmarktes kümmern. "Für die Kommunikation mit den Investoren unserer Unternehmensanleihe werde ich weiterhin zur Verfügung stehen", sagte Petra Zamek gestern.

Neuer Geschäftsführer wird Reiner Wenz. Der 53-jährige DiplomKaufmann hat für verschiedene Unternehmen in Deutschland und Europa, hauptsächlich in der Lebensmittelproduktion und im Lebensmittel-Handel, in leitender Funktion gearbeitet. Bis Anfang der 2000er Jahre war Bernhard Zamek selbst als Geschäftsführer des Unternehmens tätig. Dann folgte ihm Michael Hoppe als Geschäftsführer, der aber bereits 2006 ausschied. Damals wurde der Diplom-Kaufmann Michael Krüger neuer Geschäftsführer. Gemeinsam mit Petra Zamek als Geschäftsführerin leitete er viele Jahre den Betrieb.

In den vergangenen zwei Jahren erlebte der traditionsreiche Düsseldorfer Suppenhersteller teilweise turbulente Zeiten. Für großes mediales Aufsehen sorgte der Kampf der Belegschaft um einen Haustarifvertrag für den Zamek-Standort Düsseldorf. Im Sommer 2012 konnten die Belegschaft, geführt von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten, und die Geschäftsführung nicht zu einer Einigung kommen. Die Geschäftsführung drohte mit Werksverlegung, die Mitarbeiter streikten viele Tage, demonstrierten sogar vor dem Rathaus. Die SPD wollte sich einschalten. Es gab Vorwürfe wegen Beleidigung der Geschäftsführung durch Streikende. Am Ende einigte man sich, aber die Wunden waren tief. Der Betriebsratschef verließ das Unternehmen. Um sich von der Macht der Banken zu befreien, löste der Mittelständler Zamek unter der Führung von Petra Zamek und Michael Krüger alle Kredite ab und legte 2012 eine Mittelstandsanleihe an der Börse Düsseldorf auf, die in mehreren Schritten auf 45 Millionen Euro aufgestockt wurde.

Im September 2013 musste ohne nähere Angabe von Gründen der langjährige Geschäftsführer Michael Krüger gehen, Petra Zamek blieb als Einzige in der Geschäftsführung zurück. Vize-Beiratschef Herbert Hütter und Beiratschef Bernhard Zamek wurden vorübergehend zu Generalbevollmächtigen berufen. Bis September 2013 bewegte sich die Anleihe über einem Kurs von 90 Prozent, keine Anzeichen für ein Risikopapier. Dann fiel kontinuierlich der Kurs. Bei Zamek war man ratlos, erwog den Rückkauf der Papiere, was den Kurs kurzfristig beflügelte. Weitere Rückschläge gab es nach den Meldungen, der Aufbau einer neuen Produktion in Polen verzögere sich.

Den Tiefststand erreichte die Anleihe zum Jahreswechsel 2014 mit nur noch 26 Prozent. Einen Tag vor Silvester hatte Zamek einen Verlust für 2012/2013 von 10,7 Millionen Euro verkündet. Der Umsatz sank um neun Prozent auf 73,7Millionen Euro. Doch offenbar hatten die Anleger weitaus Schlimmeres erwartet. Der Kurs stieg bis gestern wieder auf mehr als 33,5 Prozent.

(RP)