Düsseldorf Zamek muss kleiner werden

Düsseldorf · Beim insolventen Düsseldorfer Suppenhersteller Zamek bangen die Beschäftigten um ihre Jobs. 124 müssen sofort gehen. Die Anleihegläubiger haben schlechte Karten. Doch wenn Zamek sich radikal und schmerzhaft gesundschrumpft, ist eine Rettung möglich. Eine Analyse.

 Am 1. Mai eröffnete das Amtsgericht Düsseldorf das Insolvenzverfahren über den Reisholzer Fertiggerichte-Hersteller Zamek.

Am 1. Mai eröffnete das Amtsgericht Düsseldorf das Insolvenzverfahren über den Reisholzer Fertiggerichte-Hersteller Zamek.

Foto: Andreas Endermann

Außerhalb der Landeshauptstadt ist Zamek vielleicht nur eine kleine Konsumgütermarke. Doch in Düsseldorf ist Zamek eine Größe. Hunderte Mitarbeiter waren bis zur Insolvenz über Jahrzehnte am Firmensitz in Reisholz beschäftigt. Die Marke ein Teil der Düsseldorfer Geschichte. Zamek sponsorte die Fortuna, groß prangte das rote Logo auf den Trikots zu Erstliga-Zeiten. Auch der Eishockeyclub DEG profitierte von dem Familienunternehmen, genauso der Tennissport. Jetzt steht Zamek vor dem Aus. Am 1. Mai wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Vergangene Woche mussten 124 Mitarbeiter von heute auf morgen gehen. In der Insolvenz gilt die verkürzte Kündigungsfrist von drei Monaten. Diese Ex-Mitarbeiter beziehen heute Geld von der Agentur für Arbeit. Am Standort in Dresden waren hatte es schon vorher Entlassungen gegeben.

Sind das die Vorboten vom Ende der Traditionsmarke, die Ben Zamek senior zwischen den Weltkriegen aus kleinsten Verhältnissen aufbaute? Zugegeben, es sieht nicht rosig aus für den Fertigsuppenhersteller. Zurzeit reichen die liquiden Mittel nicht aus, um alle Gehälter zu zahlen. Es ist paradox. Eigentlich könnte Zamek sogar mehr liefern, als zurzeit hergestellt wird. Doch es gibt nicht genug finanzielle Mittel, um die Rohstoffe dafür zu bezahlen. Ein Teufelskreis.

In der Belegschaft hoffen viele auf einen weißen Ritter, einen potenten Investor, der Geld in die Firma pumpt, was den Kauf von Rohstoffen ermöglicht und so dem Unternehmen wieder leben einhaucht. Gerüchte darüber gibt es. So soll es sowohl Wettbewerber mit Interesse an Zamek geben als auch Finanzinvestoren.

Doch weder Szenarien mit Finanzinvestoren noch der Glaube an einen wohlwollenden und reichen Retter treffen den Nagel auf den Kopf. Wenn Zamek gerettet werden soll - aus eigener Kraft oder durch Dritte - muss das Unternehmen deutlich schrumpfen. Was Gewerkschafter und Betriebsräte ungern hören: Zamek hat eine Überkapazität an Personal. Das ist nicht die Schuld der Mitarbeiter, sondern Folge einer verfehlten Unternehmenspolitik. Bei Zamek dachte man lange, je größer das Sortiment, umso besser für den Kunden. Das ist im Grundsatz richtig. Doch führt ein großes Sortiment dazu, dass Maschinen ständig umgerüstet werden müssen. Das verursacht hohe Personalkosten, und liefert nur mäßige Umsätze. Unterm Strich geht das nicht auf. Im Oktober entschied noch die alte Geschäftsleitung, dass Sortiment von 1000 auf 500 Produkte zu verkleinern. Zur Abwendung der Insolvenz war das wohl deutlich zu spät, und vielleicht auch nicht radikal genug.

Jetzt sei es an der Zeit, bei den Kunden von Zamek Zeichen zu setzen, heißt es von Gewerkschaftern. "Die Geschäftsleitung muss alles dafür tun, das Vertrauen bei den Kunden wieder herzustellen", sagt der Chef der Gewerkschaft NGG, Dieter Schormann.

Derzeit verhandeln Betriebsrat, Gewerkschaften und neue Geschäftsführung über einen Sozialplan. Ein Stellenabbau ist schmerzlich, aber er ist wohl unumgänglich. Anders kann man die aus dem Ruder gelaufenen Kosten wohl nicht in den Griff bekommen. Oft schon waren die Fronten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den vergangenen Jahren verhärtet, etwa bei dem mehrwöchigen Arbeitskampf 2012. Doch diesmal scheint die Harmonie größer. "Keiner lässt die Flügel hängen", heißt es lobend aus dem Umfeld der Geschäftsführung über die leidgeprüften Mitarbeiter. Sie stünden zu Zamek. Wenn nun die Mitarbeiter Kompromisse eingehen, die Personaldecke und die Produktpalette verschlankt wird, und vor allem Großkunden wie Aldi Nord, Tengelmann, Rewe und Aldi Süd Zamek die Treue halten, ist eine Rettung realistisch.

Manchen dürfte auch eine Rettung nicht viel helfen. Die Inhaber der Zamek-Anleihe sind die Verlierer. Sie haben der Zamek-Holding ihr Geld geliehen. Der gehören zwar seit kurzem durch ein Tauschgeschäft die Betriebsimmobilien. Im Gegenzug gaben sie den operativen Gesellschaften ein Darlehen. Dieses Geschäft dürfte aber wieder rückabgewickelt werden. Dann könnten die Gläubiger im Zweifel leer ausgehen. Und was wird aus der Eigentümerfamilie Zamek? Gesellschafter spielen bei Insolvenzverfahren in der Regel nur eine Nebenrolle.

(RP)
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