Dieter Schormann im Interview "Zamek-Investor muss Jobs garantieren"

Düsseldorf · Der Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG kritisiert die neuen Chefs des insolventen Suppenherstellers Zamek.

 Dieter Schormann, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG, zu den Ursachen der Insolvenz des Düsseldorfer Suppenherstellers: "Zamek hat die veränderten Konsumgewohnheiten der Verbraucher verschlafen."

Dieter Schormann, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG, zu den Ursachen der Insolvenz des Düsseldorfer Suppenherstellers: "Zamek hat die veränderten Konsumgewohnheiten der Verbraucher verschlafen."

Foto: Andreas Bretz

Der insolvente Fertigsuppenhersteller Zamek hat 124 Mitarbeiter entlassen, obwohl die Produktion weiterläuft. Was ist geschehen?

Schormann Zamek hat angegeben, nicht genug Liquidität zu haben, um die Gehälter dieser Mitarbeiter zu bezahlen. Entlassen wurden sie noch nicht, lediglich freigestellt. Wir waren über das Vorgehen entsetzt. Nur auf unser Drängen wurden die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung informiert. Andernfalls hätten sie es wohl aus der Post oder der Zeitung erfahren.

Gibt es einen Sozialplan?

Schormann Den gibt es nicht. Und das kritisieren wir scharf. Die neue Geschäftsleitung von Zamek hat trotz Aufforderung keine Liste mit Namen und Daten für eine Sozialauswahl vorgelegt, obwohl dafür genug Zeit gewesen wäre. Stattdessen wurden die Mitarbeiter strikt nach der Summe der zu zahlenden Gehälter gewählt. Mit fatalen Folgen.

Welche Folgen meinen Sie?

Schormann Bereits in den ersten Tagen mussten einige der Freistellungen rückgängig gemacht werden. Bei Zamek stellte man fest, dass manche Arbeitsabläufe ohne bestimmte Mitarbeiter in Schlüsselpositionen nicht funktionieren.

Was passiert mit den Mitarbeitern?

Schormann Sie erhalten nun Geld von der Agentur für Arbeit - ab dem Tag der Freistellung.

Bei der Freistellung hat es eine peinliche Panne gegeben. Im Brieftext steht, die Freistellung sei "widerruflich". Eigentlich müsste dort "unwiderruflich" stehen. Welche Folgen hat das?

Schormann Grundsätzlich könnte diese Formulierung bedeuten, dass die Arbeitnehmer kein Geld von der Agentur erhalten. Doch bei Zamek hat man erkannt, dass es sich wohl um einen peinlichen Schreibfehler handelt. Zamek und die Arbeitsagenturen haben erklärt, die Anträge trotz des Fehlers zu prüfen und im Zuge der Gleichwohlgewährung Leistungen in Höhe des normalen Arbeitslosengeldes zu bezahlen.

Halten Sie die Argumentation mit der Liquidität für stichhaltig?

Schormann Meines Erachtens soll Zamek auf Biegen und Brechen für einen möglichen Investor attraktiv gemacht werden. Die Interessenlage der Geschäftsführung ist die, das Unternehmen jetzt schnell höchstbietend zu verkaufen.

Aber ein Investor könnte doch auch aus Mitarbeitersicht eine Rettung der Arbeitsplätze bedeuten . . .

Schormann Ja, aber nicht zu jeder beliebigen Bedingung. Wir fordern von einem potenziellen Käufer eine Beschäftigungsgarantie.

Aber wie wollen Sie diese durchsetzen, welche Druckmittel haben Sie?

Schormann Die Mitarbeiter sind das Potenzial für künftigen Gewinn. Wir sprechen auf Augenhöhe.

Wie wird es bei Zamek aus Sicht der Gewerkschaft weitergehen?

Schormann Trotz der Insolvenz in Eigenregie würde ich die Lage als hochgradig gefährlich einschätzen. Ich fühle mich wie ein Rettungssanitäter, der seinen Patienten permanent wiederbelebt. Trotzdem halte ich das Unternehmen für rettungsfähig. Allerdings muss es ein neuer Investor schaffen, dass Zamek nachhaltig am Markt aktiv ist. Auch wenn Zamek hauptsächlich für Aldi und andere Discounter produziert, muss in Qualität investiert werden. Ein reiner Preiswettbewerb ist sinnlos. Zamek hat die veränderten Konsumgewohnheiten der Verbraucher verschlafen.

Tragen die hohen Personalkosten eine Mitschuld an der Insolvenz?

Schormann Keineswegs. Vergleichen wir die Höhe der Personalkosten im Verhältnis zum Umsatz mit anderen Unternehmen, dann sind sie auf vergleichbarem Niveau.

Hat der harte Arbeitskampf 2012 der Firma geschadet?

Schormann Auch das nicht. Bei rund 250 Arbeitstagen im Jahr haben wir an 16 Tagen gestreikt. Das kann unmöglich einen Verlust von elf Millionen Euro herbeiführen. Schuld waren Lieferprobleme.

Was ist bei Zamek falsch gelaufen?

Schormann Die Mitarbeiter hätten in die Geschäftspolitik eingebunden werden müssen. Es wurde viel gestrichen, beispielsweise Dosenprodukte, ohne Ersatz zu schaffen. Auch die Anleihe ohne Finanzierung und Beratung durch eine Bank war ein großer Fehler.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort