Zamek in Düsseldorf: 600 Mitarbeiter bangen um Jobs

Zamek in Düsseldorf: 600 Mitarbeiter bangen um Jobs

Vor dem Werkstor an der Kappeler Straße in Reisholz und beim benachbarten Werksverkauf sprechen die Mitarbeiter über die drohende Insolvenz. Offiziell geredet hat noch keiner mit ihnen.

Die Wut ist groß und die Angst auch. Kurz nach dem Schichtwechsel vor dem Zamek-Werk an der Kappeler Straße in Reisholz. Die Pförtner in der Loge gucken misstrauisch auf jene, die das Werk verlassen und draußen noch miteinander reden. Der große Andrang ist längst vorbei, nur vereinzelt verlassen Frauen und Männer das Werk. Die meisten schütteln stumm den Kopf, wenn sie nach ihrer Einschätzung gefragt werden, ein paar lassen ihren Gefühlen freien Lauf.

Zorn ist da zu spüren und Enttäuschung, gepaart mit Zukunftsangst. Mehrmals hört man "Ich bin jetzt schon so lange hier!" Und dann kommen Jahreszahlen, die bei 14, 15 anfangen und bis fast 40 Jahre reichen. Das ist, sagt einer bitter, mein ganzes Leben. "Was soll ich jetzt machen, wenn die hier wirklich schließen? Ich bin Mitte 50, ich find? doch nichts mehr!" Die Menschen haben die Entwicklung bei Zamek offenbar sorgfältig verfolgt und schon vor geraumer Zeit geahnt, dass etwas schief läuft.

Als 2012 die Mittelstands-Anleihe auf den Markt kam und Zamek 45 Millionen Euro an frischem Geld einsammelte, hat das keinesfalls Euphorie ausgelöst. "Wo ist das ganze Geld?", fragt einer, der nicht mit Namen genannt werden will. Auch der Wechsel in der Geschäftsführung vor wenigen Tagen machte nochmals misstrauisch: Dass Mehrheitsgesellschafter und Ex-Chef Ben Zamek seine Frau Petra - bis Anfang Februar Geschäftsführerin - aus der Schusslinie nahm, hatten viele bereits als Vorzeichen einer verschärften Krise wahrgenommen. Auch die Nachricht, dass mehr als 600 von knapp 1000 Produkten von heute auf morgen aus dem Sortiment flogen, war ein deutliches Zeichen: Hier steckt ein Unternehmen in der Krise!

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Wirklich überrascht sind die Mitarbeiter des Suppen-Herstellers also nicht an diesem Tag, an dem sie erfahren, dass jetzt ein Insolvenzantrag gestellt werden soll. Offiziell von der Werksleitung wurde ihnen das nicht mitgeteilt, sie haben es meist auf Online-Portalen gelesen, viele bei RP Online. Und der Betriebsrat hat auch sofort informiert, als er die Neuigkeit hörte. Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) ist über die Informationspolitik erzürnt. "Nach dem heftigen Arbeitskampf im Sommer 2012 hatte Zamek gelobt, die Mitarbeiter besser zu informieren", sagt NGG-Geschäftsführer Dieter Schormann. Das sei ein bloßes Lippenbekenntnis gewesen.

Für Insider kam der Insolvenzantrag wenig überraschend. Noch vor wenigen Wochen hatte die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat über eine Neuordnung des Logistikbereichs verhandelt. Doch dann sagte Zamek die Gespräche ab, ein neuer Termin wurde erst gar nicht vereinbart. In den nächsten Tagen will sich der neue Geschäftsführer Reiner Wenz positionieren, zurzeit sei er auf einer Geschäftsreise im Ausland, sagte er gestern am Telefon. Auch der Betriebsratschef wollte sich gestern noch nicht äußern. Zamek wird nicht nur von den Mitarbeitern, sondern auch von vielen Anwohnern und Kunden als echtes Stück Düsseldorf empfunden.

Ben Zamek senior entwickelte Anfang der 1930er Jahre in der Stadt den Brühwürfel. "Mit Zamek fängt die Mahlzeit an, danach sind die Haie dran", singen die Fans des Eishockeyclubs DEG, dessen Hauptsponsor Zamek viele Jahre war. Auch im Tennissport gab sich die Eigentümerfamilie als großzügiger Unterstützer. Zamek ist seit mehr als 80 Jahren ein Düsseldorfer Familienunternehmen. Offiziell will das Unternehmen seine Mitarbeiter erst morgen Mittag auf einer Betriebsversammlung in Kenntnis setzen. Wirklich neu wird das, was man da zu hören bekommt, für die Frauen und Männer nicht sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Zamek meldet Insolvenz an - das sagen Mitarbeiter in Düsseldorf

(br/ho)
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