Zamek: Düsseldorfer Suppenhersteller ist gerettet

Düsseldorf: Der Suppenhersteller Zamek ist gerettet

Neun Monate nach der Insolvenz wurde ein Käufer für den traditionsreichen Fertigsuppenhersteller Zamek gefunden. Die Firma Dricon übernimmt alle drei operativen Gesellschaften. 60 der 180 Mitarbeiter werden ihren Job verlieren.

Der traditionsreiche Düsseldorfer Suppenhersteller Zamek hat nach einer monatelangen Zitterpartie eine Zukunft. Das Frankfurter Investment-Unternehmen Dricon Capital wird alle drei operativen Gesellschaften der insolventen Zamek übernehmen. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Preis im unteren zweistelligen Millionenbereich gelegen haben. "Durch die Übernahme werden sowohl der Standort in Leipzig als auch das Stammhaus in Düsseldorf erhalten", sagte Johannes Book, Vorstandsmitglied von Dricon und bald Geschäftsführer von Zamek im Interview mit der Rheinischen Post.

Dricon soll Verhandlungskreisen zufolge der einzige Bieter gewesen sein, der auch das Werk in Düsseldorf erhalten will. Lange galt das Schweizer Lebensmittelunternehmen Hügli als Favorit bei einer möglichen Übernahme. Doch die Schweizer hatten offenbar wenig Interesse an einem Erhalt der Düsseldorfer Produktion. Für sie stand die Herstellung von Würze in Dresden im Fokus.

Dricon will nun auch an der traditionsreichen Marke Zamek festhalten. "Zamek hat im Kern eine gesunde Substanz. Wir wollen etwa 20 bis 30 Prozent der abgesetzten Produkte unter dem Namen Zamek verkaufen, weil das eine starke und bekannte Marke ist", sagt Book.

Nicht für alle 180 Beschäftigten in Düsseldorf ist die Übernahme eine gute Nachricht. "Etwa ein Drittel der Mitarbeiter werden in eine Beschäftigungsgesellschaft ausgegliedert und dort für zunächst sieben Monate weiterqualifiziert", so Book. 60 der 180 Zamek-Arbeiter werden also ihren jetzigen Job verlieren. "Wir haben aber berechtigte Hoffnung, Umsätze, die verlorengegangen sind, im kommenden halben Jahr zurückzugewinnen. Dann können wir eventuell Mitarbeiter aus der Beschäftigungsgesellschaft zurück zu Zamek holen", sagte Book. Zurzeit reichten die Aufträge dazu aber nicht aus.

Die neuen Investoren wollen sich auf die Kernprodukte konzentrieren. In den vergangenen Jahren hatte Zamek unter anderem mit Sportlernahrung experimentiert. Künftig soll sich die Firma vor allem auf die Produktion von Klassikern wie Brühwürfeln, gekörnter Brühe oder Salatfix beschränken. Zielkunden sollen wieder Supermärkte und die großen Discounter werden.

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Die Übernahme bedeutet in Teilen eine Stärkung des Standorts am Rhein. Maschinen, die vor der Insolvenz nach Dresden verlagert worden waren, sollen bald wieder in Düsseldorf sein. Die Pläne, ein Werk in Polen zu errichten, wollen die neuen Eigentümer nicht wieder aufleben lassen.

Unterstützt werden die Investoren durch die Firma Ruf. Das Unternehmen soll über große Erfahrung in der Herstellung von Lebensmitteln verfügen und die Sanierung von Zamek erleichtern.

Die Leitung der Geschäfte der drei Teilfirmen liegt bis zum Vollzug des Verkaufs bei dem bisherigen Geschäftsführer und Insolvenzverwalter Wolf von der Fecht, Partner der Düsseldorfer Sozietät Metzeler von der Fecht. Er soll über den Übergabe-Stichtag hinaus in das Mandat eingebunden bleiben. "Mit dem geplanten Einstieg der Dricon Capital sind wir bei der angestrebten Sanierungslösung für die operativen Tochtergesellschaften der Zamek-Gruppe einen entscheidenden Schritt vorangekommen", sagte von der Fecht.

Unklar ist, ob die Gläubiger der Zamek-Mittelstandsanleihe ihr Geld wiedersehen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte berichtet, es bestehe eine Chance auf eine Quote von 20 Prozent. Die Betriebsimmobilie, die bislang Eigentum der Zamek-Holding war, ist diese Woche an die Betriebsgesellschaften zurückübertragen worden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Zamek meldet Insolvenz an - das sagen Mitarbeiter in Düsseldorf

(RP)
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