Julius Reiter im Interview "Zamek-Anleger verlieren viel Geld"

Düsseldorf · Der Düsseldorfer Anwalt und Wirtschaftsrechts-Professor der FOM-Hochschule, Julius Reiter, spricht über die Rechte der Gläubiger beim insolventen Suppenhersteller Zamek und Fehler der Geschäftsführung.

 Julius Reiter, Rechtsanwalt der Kanzlei Baum, Reiter & Collegen: "Zamek wurde über Jahre nach Gutsherrenart geführt."

Julius Reiter, Rechtsanwalt der Kanzlei Baum, Reiter & Collegen: "Zamek wurde über Jahre nach Gutsherrenart geführt."

Foto: Hans-Jürgen Bauer

Zamek hatte sich per Anleihen 45 Millionen Euro besorgt. Unter den Anlegern sind auch viele Private. Wie hoch werden die Verluste sein?

Reiter Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wir gehen derzeit von einem Verlust in Höhe von 30 bis 50 Prozent aus. Zum einen hängt es davon ab, wie gut die Anleihegläubiger ihre Interessen bündeln und den Insolvenzplan aushandeln. Neben der Sicherung von Ansprüchen im Insolvenzverfahren können auch Ansprüche gegen andere Verantwortliche bestehen.

War Zamek überfordert?

Reiter Möglicherweise war von vornherein klar, dass es für Zamek schwierig werden würde, aus der Liquidität heraus die Anleihen zurückzuzahlen. Zamek hat sich das Geld ja wahrscheinlich auf dem Kapitalmarkt besorgt, weil sie es von den Banken zu diesen Konditionen nicht bekommen hätte.

Hat das Management versagt?

Reiter Zamek hat offensichtlich eine falsche Unternehmensstrategie verfolgt. Das zeigt auch, dass erst im Oktober das Sortiment um 600 Produkte reduziert wurde — viel zu spät. Zamek wurde über Jahre nach Gutsherrenart geführt.

Halten Sie das Unternehmen für sanierungsfähig?

REiter Es gibt durchaus gute Chancen auf eine erfolgreiche Sanierung. Zamek ist eine starke Marke.

Wie beurteilen Sie den neuen Geschäftsführer Reiner Wenz?

Reiter Wenz hat zuletzt den insolventen Wursthersteller Höll geleitet. Dort ist gegen ihn noch ein Strafverfahren wegen Insolvenzverschleppung anhängig. Im Fall Zamek ist unklar, warum nicht Wenz, sondern zwei andere Geschäftsführer den Insolvenzantrag stellten, und warum so spät.

Was sollten Anleihegläubiger von Zamek jetzt tun?

Reiter Anleger sollten ihre Interessen bündeln und sich von Fachanwälten vertreten lassen. Außerdem geht es darum, Schadenersatz- und Prospekthaftungsansprüche gegen verschiedene Verantwortliche zu prüfen. Unsere Kanzlei Baum, Reiter & Collegen versucht, eine möglichst große Zahl von Anlegern zusammenzubekommen.

Wie sind die Rechte der Kleinanleger?

reiter Kleinanleger sind das schwächste Glied in der Kette. Wenn sie keine selbstbewusste Interessenvertretung auf die Beine stellen, werden sie nachrangig bedient. So werden erst die Forderungen von Arbeitnehmern, Lieferanten und anderen besicherten Gläubigern bedient. Danach erst kommen die Anleihegläubiger. Im Insolvenz-Fall Pfleiderer etwa sind die meisten Anleger leer ausgegangen. Das sanierte Unternehmen hat dann ohne Beteiligung der Anleger erfolgreich das Geschäft fortgesetzt.

Wann ist eine Insolvenz in Eigenverwaltung für Anleger vorteilhaft?

Reiter Sinn für die Anleger macht die Eigenverwaltung nur, wenn das Unternehmen sanierungsfähig ist und die Anleihegläubiger bessergestellt werden als in einem Regel-Insolvenzverfahren. Es wird also auf den Insolvenzplan ankommen und darauf, dass die Anleger an den zukünftigen Gewinnen beteiligt werden. Wichtig ist, dass die Krisenursachen aufgearbeitet werden und die Anleger die Möglichkeit erhalten, die Ansprüche des Unternehmens mit ihren eigenen Anwälten zu verfolgen. Bestehen etwa Regressansprüche gegenüber Beratern, Banken oder sonstigen Dienstleistern, sollten diese an die Anleihegläubiger abgetreten werden.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)