Zahlen aus dem Düsseldorfer Tierheim

Tierheim : Hund und Katze sind keine Geschenke

Rund um Weihnachten ist im Düsseldorfer Tierheim viel los. Denn vor den Feiertagen werden besonders viele Tiere ausgesetzt – und manch ein Mensch sucht noch schnell ein lebendiges Geschenk. Das Tierwohl steht dabei nicht immer an erster Stelle.

Die Geschichte von Hund Milky, der am ersten Weihnachtstag im Südpark gefunden wurde, hat viele Menschen bewegt. Leider war Milky nur eines von vielen Tieren, die rund um die Feiertage ausgesetzt oder im Clara-Vahrenholz-Tierheim in Rath abgegeben wurden. „In der letzten Woche vor Weihnachten haben wir rund hundert Tiere aufgenommen. Und seit dem neuen Jahr bis jetzt sind wir bei vierzig“, berichtet Timo Franzen, Leiter des Tierheims. Einige Menschen wollen kurz vor den Feiertagen Platz für Neues schaffen, vermutet der 38-Jährige. Da werden die Meerschweinchen, um die sich die Kinder nicht mehr kümmern, eben aussortiert, meint er lakonisch. Leicht ist das für die Mitarbeiter oft nicht. „Weihnachten wurden zwei unterernährte Kaninchen abgegeben. Ihre Zähne waren so lang, dass sie vor dem vollen Napf saßen, aber nichts essen konnten“, erzählt Franzen. Eines der Tiere ist mittlerweile verstorben.

Gleichzeitig gab es vor den Feiertagen viele Adoptionsanfragen, die aber gerade zu Weihnachten besonders gründlich geprüft werden. Denn einige Menschen halten Tiere für ein ideales Geschenk, das man mal eben besorgen kann. „Sogar zu Heiligabend hatten wir Anrufe, weil jemand noch schnell was für die Mutti besorgen wollte“, erzählt Franzen. Solchen spontanen Wünschen kommen die Mitarbeiter des Tierheims allerdings nicht nach. Einen allgemeinen Vermittlungsstopp rund um die Feiertage gibt es aber nicht. Einige Menschen wollen die freie Zeit nutzen, um sich über eine Adoption zu informieren, sich ein Tier auszusuchen oder es für ein Schnupperwochenende mit nach Hause zu nehmen, erklärt Monika Piasetzky, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins, der das Tierheim betreibt.

Ein Tier zu verschenken, sei im Allgemeinen keine gute Idee, finden die Mitarbeiter des Tierheims. Besser sei ein Gutschein für die Schutzgebühr. Dann kann der Beschenkte sich selber einen neuen Begleiter aussuchen, der zu ihm und seinen Lebensumständen passt. Wobei auch da Wünsche und Realität oft auseinanderklaffen, wie die Erfahrung der Mitarbeiter zeigt. „Im Extremfall lehnen wir dann auch Adoptionen ab“, sagt Piasetzky. „Wir hatten auch schon einen älteren Mann, der einen kräftigen Hund wollte. Da stellte sich die Frage, wer am Ende mit wem spazieren gehen würde“, so die Geschäftsführerin. „Wir sind kein Shop, der alle Wünsche erfüllt“, stellt sie klar. „Unser Anspruch ist es, dass es den Tieren bessergeht. Dazu gehört es, das Mensch und Tier zusammenpassen.“ Das sehen die meisten Menschen glücklicherweise auch ein, versichert Piasetzky.

Der Tierschutzverein betreibt aber nicht nur das Tierheim, er hat auch zahlreiche Projekte ins Leben gerufen. Besonders erfolgreich sind die, die sich an Kinder und Jugendliche richten und das ist Piasetzky auch wichtig, denn Tierschutz sollte möglichst früh beginnen. Kinder im Alter von sieben bis vierzehn Jahren können im Tierheim einen Hundeführerschein machen. Diese teilnehmerbegrenzten Kurse sind mittlerweile so beliebt, dass es schwer ist, alle Interessenten unterzubringen. Gerne beteiligen sich die Kinder auch an den „Katzenlesungen“. Dort können Kinder unbeschwert ihre Lesefähigkeiten üben, indem sie den Tieren vorlesen. Gleichzeitig schenken sie den Katzen menschliche Nähe.

Auch für dieses Jahr ist etwas Neues geplant: „In Garath bauen wir gerade einen großen Tierschutzhof. Das wird ein richtiges Tierparadies werden“, freut sich Piasetzky. Dort sollen hauptsächlich Nutztiere wie Hühner, Schafe oder Ziegen ein zu Hause finden. Der Hof wird für das Jugendschutzprojekt genutzt werden, bei dem Schulklassen auf Partnerhöfen mit ausgebildeten Tierschutzlehrern praktische Erfahrungen mit Tieren sammeln können. „Die Kinder sind immer total begeistert. Sie lernen hier einen respektvollen Umgang mit den Tieren. Lehrer nutzen dieses Projekt sogar zur Gewaltprävention“, berichtet die Geschäftsführerin.

Wer ehrenamtlich im Tierheim helfen will, z.B. als Gassigeher oder Katzenstreichler darf gerne in Rath reinschnuppern. Für einen dauerhaften Einsatz müssen Tierfreunde, schon aus versicherungstechnischen Gründen, für 36 Euro im Jahr, Mitglied im Tierschutzverein werden. Informationen zur Mitgliedschaft können die Tierheimmitarbeiter geben.

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