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Düsseldorf: Zahl der Sozialwohnungen sinkt rapide

Düsseldorf : Zahl der Sozialwohnungen sinkt rapide

Im Gebiet der Landeshauptstadt laufen mehr und mehr geförderte Wohnungen aus der Mietpreisbindung. Die Stadt erhöht zwar die Zahl neuer Sozialbauten. Aufgefangen werden kann der Rückgang dadurch aber keineswegs.

Die Zahl von öffentlich geförderten Wohnungen in Düsseldorf ist stark rückläufig. Wir zeigen die Hintergründe auf.

Wie entwickelt sich die Anzahl der Fördererwohnungen konkret?

Nach Zahlen der Stadtverwaltung gab es im Jahr 2004 in Düsseldorf noch 33 428 so genannte Mietpreis- und belegungsgebundene Mietwohnungen, sprich Sozialwohnungen. Seither sank die Zahl kontinuierlich im Schnitt um gut 1400 Einheiten pro Jahr. 2012 wurde erstmals die Marke von 20 000 Wohnungen nach unten durchschritten. Zu Beginn dieses Jahres wurden noch circa 19 000 Sozialwohnungen in Düsseldorf gezählt (siehe Grafik)

Was ist der Grund dafür, dass die Zahl so stark sinkt?

Die Art der Förderung hat sich im Verlauf der Jahre geändert. "Bis in die 1970er Jahre wurde die Förderung von bezahlbarem Wohnraum so gestaltet, dass die Mietpreisbindung meist über 40 Jahre festgeschrieben wurde", erklärt Düsseldorfs Sozialdezernent Burkhard Hintzsche. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wollte der Staat dadurch schnell viele bezahlbare Wohnungen für die rasch wachsende Bevölkerung schaffen. "Später ist man zu kürzeren Förderzeiträumen übergegangen. Bei neuen Sozialwohnungen wird meist ein Förderzeitraum von zehn oder 15 Jahren festgelegt", sagt Hintzsche.

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Wie viele neue Sozialwohnungen wurden in Düsseldorf bewilligt?

Ein weiterer Grund für das Abschmelzen der Zahl an geförderten Wohnungen ist, dass in den vergangenen zehn Jahren wesentlich weniger Sozialwohnungen gebaut wurden, als gleichzeitig Wohnungen aus der Bindung kamen. So wurden etwa 2006, 2007 und 2010 jeweils weniger als 50 Sozialwohnungen bewilligt. Tiefpunkt war das Jahr 2012 mit nur 27 neuen Einheiten. Eine der Ursachen ist, dass die Fördermechanismen des Landes nicht mehr griffen. Durch die historisch niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt waren die öffentlichen Förderkredite wenig attraktiv. Bauträger liehen sich das Geld für Neubauten lieber bei privaten Geldgebern und Banken , die keine Auflagen für Nutzung und Miethöhe dieser Wohneinheiten machten.

Wie viele Sozialbauten entstehen künftig?

Laut Dezernent Hintzsche wurde die Zahl der bewilligten Sozialwohnungen auf 120 im laufenden Jahr gesteigert. "Wenn es gut läuft, schaffen wir sogar die 180", sagt Hintzsche.

Was sagen Mieterverbände?

Nach Ansicht von Hans-Jochem Witzke reicht die Zahl der neuen Sozialwohnungen bei weitem nicht aus, um den Bedarf der Wohnungssuchenden zu decken. "Wir fordern 2500 neue Sozialwohnungen pro Jahr", sagt Witzke.

Ist das realisierbar?

Laut Dezernent Hintzsche nicht. "Förderungen für mehr als 200 neue Sozialwohnungen pro Jahr können wir nicht bewilligen", sagt der städtische Dezernent.

Ist der Anstieg der Zahl neuer Sozialwohnungen Folge des Handlungskonzeptes Wohnen?

Nein. Das Handlungskonzept Wohnen schreibt zwar eine Quote von 20 Prozent geförderten Wohnungen und 20 Prozent preisgedämpftem Wohnraum bei Neuvorhaben mit mehr als 100 Wohneinheiten vor. Doch diese Regelung greift erst bei neuen Projekten, nicht bei denen, die bereits heute geplant sind oder sich in Umsetzung befinden.

Gibt es neue Fördermöglichkeiten?

Ja, die neuen Fördermittel des Landes sehen statt niedriger Zinsen einige tilgungsfreie Jahre für Bauherren vor. Das entspricht einem direkten Zuschuss und hat die Förderung für Investoren wieder attraktiver gemacht. Außerdem gibt die Stadt im Einzelfall Zuschüsse beim Erwerb von Grundstücken.

(RP)