Düsseldorf Wut über nächtliche Jagd mit dem Auto

Düsseldorf · Die Himmelgeisterin Sonja Krüger-Hopmann will das erhöhte Jagdaufkommen im Rheinbogen zur Tages- und Nachtzeit nicht hinnehmen. Sie hat sogar Anzeige erstattet und will eine Unterschriftenaktion starten.

Sonja Krüger-Hopmann wohnt seit fast zehn Jahren in Itter. Was da am Abend des Zweiten Weihnachtstages passiert ist, macht sie immer noch fassungslos - und sauer. Aus dem Auto heraus wurde im Himmelgeister Rheinbogen geschossen. "Gegen 21.45 Uhr befuhr ein Auto mit starken Scheinwerfern die Feldwege im Landschaftsschutzgebiet. Der Wagen bog - vom Deich kommend - auf den Kölner Weg und verließ diesen auf der Höhe der alten Kastanie wieder Richtung Feld", kann sie sich noch genau an die Situation erinnern. "Auf dem Feld blieb der Wagen plötzlich stehen und es fielen sofort zwei Gewehr-Schüsse hintereinander", sagt sie. Das Fahrzeug habe noch einige Zeit dort gestanden und sei dann Richtung Forsthaus "Auf der Jücht" gefahren.

Schon am nächsten Tag, am 27. Dezember, hat Sonja Krüger-Hopmann Anzeige erstattet. Ihres Erachtens ist dieser Vorgang eindeutig ein Verstoß gegen das Bundesjagdgesetz, weil nicht aus dem Auto, geschweige denn mit hell erleuchteten Scheinwerfen geschossen werden dürfe. Dies bestätigt das städtische Ordnungsamt. "Verboten ist, Wild aus Luft- und Kraftfahrzeugen sowie aus maschinenbetriebenen Wasserfahrzeugen zu jagen", zitiert das Ordnungsamt das Bundesjagdgesetz.

Es macht aber auf eine Ausnahme aufmerksam: Körperbehinderte dürfen aus Autos schießen - mit Erlaubnis der zuständigen Behörde. Zum konkreten Fall wollte sich das Ordnungsamt nicht äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Seit der Jagdpächter im vergangenen Jahr gewechselt habe, sei die Schießerei wieder schlimmer geworden, sagt Krüger-Hopmann. Das Problem verstärkter Jagdtätigkeit gab es im Rheinbogen bereits vor vier Jahren. Da fühlten sich zahlreiche Spaziergänger von den Jägern gestört. Damals schlichtete der Hegering Benrath.

Der Vorgang am Zweiten Weihnachtstag hat für Sonja Krüger-Hopmann das Fass zum Überlaufen gebracht. Die ständige Schießerei ist ihr ein Dorn im Auge. Inzwischen hat sie einen Kalender angelegt, auf dem sie einträgt, wann viele Schüsse fallen. "Und es werden immer mehr", sagt sie.

Es gibt weitere Vorfälle, die Sonja Krüger-Hopmann nicht hinnehmen will. Anfang Juni seien im Himmelgeister Rheinbogen ab 23.45 Uhr mehrere Schüsse gefallen. "Diese stellten nicht nur eine erhebliche Lärmbelästigung mitten in der Woche dar, sondern sie wurden zum Teil auch sehr nahe an der Wohnbebauung abgefeuert", sagt sie. Das sei vier Nächte hintereinander gewesen, mit zwei Autos und eingeschaltetem Fernlicht über einen Zeitraum von zwei Stunden, schildert sie die Situation. Kreuz und quer über die Feldwege seien die Insassen gefahren und hätten jede Nacht Schüsse abgefeuert.

"Bei mir wird nachts nicht gejagt", sagt Förster von Dörnberg. Außerdem sei es verboten, nachts zu jagen, mit Ausnahme von Schwarzwild zu bestimmten Jahreszeiten. "Und Schwarzwild gibt es in Himmelgeist nicht", erklärt er.

Jeden Samstag schössen zwei Jäger zwei Stunden auf Krähen, und das morgens von 7 bis 9 Uhr, sagt sie. Das sieht der Fachmann gelassener: "Man kann froh sein, dass es noch Jäger gibt, die die Krähen abschießen", sagt von Dörnberg, Forstverwalter am Garather Schloss. Die Krähen hätten sich in den vergangenen Jahren sehr stark vermehrt, weil sie keine natürlichen Feinde mehr haben. "Ich finde das nicht verwerflich", sagt er. Außerdem müssten die Vögel früh bejagt werden, denn ab 9 Uhr seien bereits die Hundebesitzer unterwegs. Dann seien die Krähen weg.

Sonja Krüger-Hopmann will die zahlreichen Schüsse im Himmelgeister Rheinbogen nicht mehr hinnehmen und plant eine Unterschriftenaktion. "Vielleicht hilft uns aber auch die Überarbeitung des Jagdgesetzes", sagt sie. Am Montag findet dazu eine öffentliche Anhörung im Landtag statt.

(RP)
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