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Düsseldorf: Wohnungswirtschaft akzeptiert Vorgaben

Düsseldorf : Wohnungswirtschaft akzeptiert Vorgaben

Der Oberbürgermeister forderte bei der Immobilienmesse Expo Real mehr sozialen Wohnungsbau.

Es war ein merkwürdiges Bild, das OB Thomas Geisel bei der Immobilienmesse Expo Real von Düsseldorf zeichnete. Er lobte bei seiner mit Spannung erwarteten Präsentation zwar die Vorteile der Landeshauptstadt, als zentrales Handlungsfeld thematisierte er im Anschluss aber allein die Schaffung preiswerten Wohnraums. Am liebsten hätte Geisel bei jedem neuen größeren Wohnbauprojekt einen Anteil von 30 Prozent geförderten Wohnraums, die Vorgaben des weiter bestehenden Handlungskonzepts Wohnen (20 Prozent Sozialwohnungen, 20 Prozent preisgedämpft mit 8,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter) favorisierte er nicht.

Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Es wird gegrummelt, aber da Investoren bauen wollen, versuchen sie, sich zu arrangieren. "Wir müssen als Branche akzeptieren, dass diese Vorgaben politisch mehrheitsfähig sind und nicht vom Tisch kommen", sagt Ulrich Tappe, der das Grafental entwickelt und bei Brack Capital Properties Chefentwickler ist. Wer ein Grundstück unter anderen Voraussetzungen gekauft habe und die neuen Regeln nun umsetzen müsse, könne dies nur finanzieren, indem er andere Angebote verteure. Die Stadt müsse letztlich so viele Projekte auf den Markt bringen, dass die Grundstückspreise sinken. So sieht es auch Michael Darmann, Manager bei GermanInvest. "Eigentlich kann man in Düsseldorf nicht unter 8,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter bauen. Selbst dieser Preis ist fragwürdig, zehn Euro sind angesichts der heutigen Vorschriften realistisch." Das hatten im RP-Interview auch Entwickler und Genossenschaftsmanager ausgeführt, Geisel will städtische Grundstücke deswegen günstiger abgeben.

Catella-Chef Klaus Franken ist positiv gestimmt, er sieht in Geisels Ausführungen "eine Einladung an und ein klares Versprechen für Investoren". Die angekündigte bessere personelle Ausstattung in den Ämtern und klar definierte Rahmenbedingungen förderten die Investitionsbereitschaft. "Wir sehen dies mit unseren internationalen Gesellschaftern im Vergleich zu anderen Metropolen." Düsseldorf könne sich damit gut positionieren. "Unsere Investitionsbereitschaft in Düsseldorf wird damit bestätigt und wir werden diese ausweiten." Ulrich Tappe, der lange Manager bei der Landesentwicklungsgesellschaft war, bringt aus einem anderen Grund Fragezeichen am Geisel-Modell an. "Wir haben mehrfach Vorhaben entwickelt, die genau den Vorstellungen Geisels entsprachen. Das Problem war, dass damit beide Seiten oftmals nicht zufrieden waren." Wenn die Spanne zwischen Gering- oder Normalverdienern und besser Situierten zu groß werde, schade das dem Klima. Das heiße im Grafental: "Wenn wir Sozialwohnungen errichten, wird man dies den Gebäuden nicht ansehen." So geht auch Frankonia-Chef Uwe Schmitz bei den Heine-Gärten in Heerdt vor. Dass geförderter Wohnungsbau nicht "wie die Arbeiterschließfächer der Neuen Heimat" aussehen müsse, findet auch Geisel. Er erwägt eine Ausstellung mit Projekten, die beweisen, "dass gute Architektur nicht immer teuer sein muss".

(RP)