Wem gehört Düsseldorf? Mieter der Bunsenstraße 12 fürchten Spekulanten

Wohnungsmarkt in Düsseldorf : Was wird aus den Mietern der Bunsenstraße 12?

In einem Altbau in Friedrichstadt wohnen manche Düsseldorfer schon seit Jahrzehnten. Nun machen sie sich Sorgen: Ihr Haus wurde an einen Investor verkauft. Folgt jetzt das übliche Spiel als Modernisierungen und Mieterhöhungen?

Als Dieter Kirchholte in der Bunsenstraße 12 einzog, war er sechs Jahre alt. Es waren die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs. Bomben vertrieben ihn und seine Familie. Nach ein paar Jahren kehrten sie zurück und bezogen eine kleine Wohnung unten im Haus. Seitdem wohnt der heute 82-Jährige in dem Altbau in Friedrichstadt, inzwischen zusammen mit seiner Frau Marlies. Doch nun machen sich die beiden Sorgen, ob sie auf ihre alten Tage nicht vielleicht doch ausziehen müssen. „Ich wüsste gar nicht, wohin mit unseren Möbeln“, sagt Marlies Kirchholte. Noch mal eine 84-Quadratmeter-Wohnung wie ihre finden? Schwierig. Zumal die Kirchholtes nur 629 Euro kalt zahlen – für Düsseldorf unschlagbar

Am frühen Dienstagnachmittag sitzt das Ehepaar bei Oliver Ongaro auf dem Sofa. Das Wohnzimmer im ersten Stock des Hauses ist voll. Neun Bewohner und einige Journalisten sind da. Eingeladen zum Pressegespräch hat das „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“. Ongaro ist Mitinitiator. Man kennt ihn bereits als Antifa-Aktivisten und Fiftyfifty-Streetworker. Dass er selbst auch Mieter in der Bunsenstraße 12 ist, wird erst beim Pressegespräch klar.

Bis vor kurzem habe das Haus noch einem Privateigentümer gehört, berichten die Mieter. „Die Mieten waren niedrig“, sagt einer von ihnen. „Dafür wurde hier eben auch nichts gemacht.“ Das Treppenhaus, der Hof, der Speicher, die veralteten Rohre, die Außenfassade – all da sei sanierungsbedürftig, finden die Bewohner. Ihre Wohnungen renovierten sie selbst, wo es nötig war.

Vor vier Jahren gab es eine Mieterhöhung, vergangenen Sommer dann noch eine – jeweils um 15 Prozent.Dann wurde das Haus verkauft an eine Firma namens Lodde Immobilien. Vor wenigen Wochen erhielten die Mieter die Ankündigung der nächsten Mieterhöhung. Dagegen wehrten sie sich mit Hilfe des Mietervereins erfolgreich. Kurz vor dem Pressegespräch habe man Briefe erhalten, dass die Erhöhung zurückgenommen werde, berichtet Ongaro. „Ich gehe davon aus, dass das mit Anrufen der Presse bei Lodde Immobilien zu tun hat.“

Lodde Immobilien ist bis auf donnerstags nur vormittags telefonisch erreichbar, die angegebene Notfallhandynummer funktioniert nicht. Auf eine schriftliche Anfrage per E-Mail ruft ein Mann namens Jonas R. an, der zunächst angibt, er arbeite für die Rhein/Ruhr-Entwicklungsgesellschaft. Das bezeichnet er später im Gespräch als Irrtum, will aber nicht sagen, in welcher Beziehung er zu Lodde Immobilien steht. Er bestätigt, dass die Mieterhöhungsschreiben der Hausverwaltung „nicht durchsetzbar, nicht korrekt“ gewesen seien. Weiter will er nichts sagen.

Dabei haben die Mieter der Bunsenstraße viele Fragen: Sind Sanierungsmaßnahmen geplant? Oder wird der Eigentümer in Modernisierungsmaßnahmen investieren, die am Ende Mieterhöhungen rechtfertigen? Das wäre ein Weg, doch noch mehr Ertrag zu erwirtschaften: Erhöhungen, um sich der ortsüblichen Vergleichsmiete anzunähern, sind nur alle drei Jahre um 15 Prozent erlaubt; wenn aber Modernisierungsmaßnahmen wie eine neue Heizanlage oder eine Wärmedämmung der Außenfassade durchgeführt werden, die der Gesetzgeber sinnvoll findet, kann der Vermieter die Kosten bis zu einem gewissen Grad auf die Mieter umlegen.

„Das wäre auch in der Bunsenstraße möglich“, sagt Uwe Warnecke vom Mieterverein. „Allerdings könnten einige der Mieter dann auf die Härtefallregelung pochen.“ Wer belegen kann, dass er mit der Mieterhöhung 30 Prozent und mehr seines Einkommens für seine Wohnung ausgeben müsste, muss die Modernisierungsmaßnahmen nicht bezahlen.

Bei Renate Röder (81) wäre das bereits jetzt der Fall. Sie wohnt seit über 60 Jahren in der Bunsenstraße 12. Am Anfang kostete die Miete 60 Mark. Inzwischen zahlt sie 500 Euro. „Das ist die Hälfte meiner Rente“, sagt sie. „Ich bin damit finanziell an meinem Limit.“

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