Flingern: Wo Nachbarn sich beschenken

Flingern: Wo Nachbarn sich beschenken

In die Givebox am Hermannplatz in Flingern stellen Anwohner Dinge ein, die sie nicht mehr brauchen. Seit dem Start floriert das gegenseitige Schenken. Morgen wird eine zweite Box in Gerresheim eröffnet, weitere sollen folgen.

Ein Blick in die Regale ist für Silke Roggermann jedes Mal eine Überraschung. Drei Hexenfiguren sind der neueste Zugang in dem telefonzellengroßen Verschlag. Sie hängen neben vielen Büchern und Kinderkleidern in der ersten Düsseldorfer Givebox. Anwohner können darin Dinge zum Verschenken hinterlegen und sich an anderen bedienen — und davon machen die Flingeraner regen Gebrauch. Die 39-Jährige ist eine von zwölf Personen aus der Nachbarschaft, die die Sammelstelle initiierten und vor drei Wochen am Hermannplatz aufbauten.

"Jeden Tag finden sich hier neue Dinge", sagt Roggermann. Am häufigsten würden Bücher, Kleidung und Spielsachen abgegeben. In dem Regal warten auch DVDs und CDs auf neue Besitzer. Auf einer Pinnwand können Zettel für weitaus größere Geschenke wie Waschmaschinen oder Sofas aufgehängt werden. Ein Gästebuch dient der Kommunikation zwischen Beschenkten und Vorbesitzern. "Danke für die Kassette ,Der kleine Prinz'", lautet ein Eintrag in Kinderschrift.

Spendensuche übers Internet

Nur ein paar Wochen ist es her, dass die Idee zur ersten Givebox der Stadt entstand. Durch einen Bericht wurde Silke Roggermann auf die "Urbox" in Berlin aufmerksam. Kurz darauf erstellte sie im sozialen Netzwerk Facebook eine Seite, um Unterstützer für eine Givebox in Düsseldorf zu finden. Innerhalb von drei Tagen hatte die Seite 500 Fans. Ein erstes Treffen folgte. Über die Spendenseite betterplace.org sammelte das gebildete Team die nötigen 200 Euro Materialkosten. Auf einen Sponsor verzichteten die Initiatoren bewusst. "So sind wir komplett unabhängig", sagt Roggermann. An dem Projekt verdiene niemand, stattdessen stehe der soziale Gedanke im Vordergrund "Das Konzept fördert Nachhaltigkeit, schont Ressourcen, stärkt die Nachbarschaft, hilft anderen Menschen, befreit von Krempel", heißt es auf der Facebook-Seite.

Seit dem Start vor drei Wochen gebe es ständige Fluktuation in der Box. Roggermann und andere Anwohner schauen in unregelmäßigen Abständen nach dem rechten, sortieren die Dinge aus, die niemand haben möchte und ordnen die Neueingänge. Von möglichem Vandalismus an der zu jeder Tages- und Nachtzeit offenstehenden Box haben sich die Macher nicht abschrecken lassen. "Wenn etwas passiert, dann haben wir leider Pech gehabt", sagt Roggermann. Durch den Erfolg in Flingern gibt es bereits stadtweit Nachahmer. Morgen eröffnet die zweite Givebox in Gerresheim (siehe Infokasten). Auch in Oberkassel, Eller und Bilk würden bereits Teams neue Boxen planen. "Wir hoffen natürlich darauf, dass es bald in jedem Stadtteil eine Givebox gibt", sagt Roggermann.

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