1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Hammer Dorfstraße: Wo Kappes und Bonsai wachsen

Hammer Dorfstraße : Wo Kappes und Bonsai wachsen

Die Hammer Dorfstraße ist typisch für Düsseldorfs dörflichsten Stadtteil: In Hamm kennt jeder jeden. Und der Hafen lockt junge Menschen und Medienunternehmen.

Die Hammer Dorfstraße ist auf den ersten Blick vor allem eins: dörflich. Bauernhöfe stehen zwischen zwei-oder dreistöckigen Wohnhäusern, Gewächshäuser erstrecken sich am Straßenrand, hinter den Häuserzeilen breiten sich Kohl-, Sonnenblumen- und Stiefmütterchenfelder aus. Doch wenn der Blick zum Himmel geht, bemerkt der Spaziergänger auf der Hauptstraße des Stadtteils Hamm, wie nah die City ist: Der Rheinturm ist immer im Blick. Nur wenige Meter sind Medienhafen, Rheinpromenade und Altstadt entfernt.

Der Blick sollte aber nicht zu lang am Turm hängen bleiben, denn die Hammer Dorfstraße wird regelmäßig von Traktoren benutzt, beladen mit dem Gemüse, das dem Stadtteil seinen Spitznamen beschert hat: Kohl, auf rheinisch: Kappes. "Kappes-Hamm" nennen Düsseldorfer und Hammer den kleinen Stadtteil am Rhein.

Kohl verkauft auch Dionysios Trevlas. Beim "Griechen", wie der kleine Tante-Emma-Laden genannt wird, gibt es alles, was man zum Leben braucht. In dem Lebensmittelgeschäft ist zwar nicht viel Platz, dafür aber viel Herz: "Meine Kunden kennen mich, und ich kenne die Kunden", sagt Trevlas.

Auch nebenan, in Theos Uhrenklinik, begrüßt der Chef jeden mit Namen, der ein Schmuckstück oder eine Uhr abholt. "Hamm ist ein Ortsteil mit eigenem Charakter", sagt der Inhaber, Theo Röckrath. Er selbst ist ein "richtiger Hammer": dort geboren, aufgewachsen und im Schützenverein "Liederkranz Schützenkompanie". Den Stadtteil schätzt er vor allem wegen der Nähe zum Rhein: "Die Leute wohnen hier gern."

Am meisten Betrieb ist auf der Hammer Dorfstraße am zentralen Platz "Am Blääk". Dort betreibt Regina Waerder eine Apotheke und erklärt die Bedeutung des ungewöhnlichen Namens: "Blääk heißt Bleiche. Früher stand hier wohl ein Brunnen, an dem sich die Waschfrauen zum Bleichen ihrer Wäsche trafen."

Immer mehr wurde die Hammer Dorfstraße in den vergangenen Jahren auch zum Wohnort für junge Menschen und Familien. Durch den Ausbau des Medienhafens wurden die Wohnungen in Hamm begehrt. Und ein wenig strahlt die Medienmeile sogar auf das Dorf in der Stadt aus. Die Mitarbeiter der Firma "Cittadino", einer Multimedia-Agentur, fühlen sich in Hamm sehr wohl.

"Wir haben den Anschluss an den Hafen, aber nicht die Nachteile: Parkplatzprobleme und hohe Mieten", erklärt Geschäftsführer Franz-Josef Medam. Auch er ist in Hamm aufgewachsen und froh, dass er dort arbeiten kann. "Der Stadtteil wird immer schöner. Kürzlich wurde am Rhein wieder ein neuer Biergarten eröffnet. Die Lebensqualität steigt." Auch dass der Stadtteil mit einer S-Bahn und einer Straßenbahn gut an die Stadt angebunden ist, findet Medam gut.

Viele junge Menschen kommen wegen solcher Vorzüge auch wieder zurück. So wie Claudia Andree. Die 29-Jährige wuchs in Hamm auf, lebte einige Jahre in Köln und zog wieder zurück. "Wo kann man sich sonst eine Wohnung am Rhein leisten und gleichzeitig zentral wohnen?", fragt Andree. In die Stadt fährt sie mit dem Rad. Das schließt sie zu Hause in Hamm übrigens nicht einmal ab.