Serie Meine Einkaufsstraße: Wo Günstig auf Luxus trifft

Serie Meine Einkaufsstraße: Wo Günstig auf Luxus trifft

In unserer Serie werfen Journalistenschüler der Rheinischen Post einen Blick auf Düsseldorfs Einkaufsstraßen. Diesmal waren wir an der Benderstraße in Gerresheim.

Es ist schwer, ihr eine bestimmte Klientel zuzuordnen. Hier kauft jeder ein. Jung, Alt, mit Kind, mit Rollator, mit Louis Vuitton oder Jutebeutel. Sie zieht jeden an, weil hier auf 1200 Metern auch jeder etwas findet. Die Rede ist von der Benderstraße in Gerresheim.

Im Geschäft mit der Hausnummer 13 wartet ein Stepp-Mantel für 19,99 Euro darauf, von der Stange genommen zu werden. Direkt nebenan bietet Giovanas Modedesign ein optisch ähnliches Modell für 479 Euro. Der Duft von rohem Schinken weht aus dem neuen Feinkostladen, auf der anderen Straßenseite klebt noch etwas Erde an den Kartoffeln von Gemüsehändler Kleynen. Mode-Discounter direkt neben Nobel-Boutique, Delikatessen gegenüber von rohem Gemüse  – das kommt in Düsseldorf nicht häufig vor.

„Unsere Einkaufsstraße punktet mit Vielfalt“, sagt Torsten Behr. „Zwischen Läden, die auch gut auf die Kö passen würden, haben sich in den vergangenen Jahren einige Billig-Shops angesiedelt.“ Gemeinsam mit seiner Schwester Kirsten betreibt der 52-Jährige „Hillesheim und Behr“, ein Geschäft mit einer außergewöhnlichen Mischung: Drogerie und Fotoladen in einem, dazu Regale mit allerlei Kunterbuntem. Es ist eins der Urgesteine auf der Benderstraße. Schließlich sind Torsten und Kirsten Behr die dritte Generation. Ihre Großeltern eröffneten den Laden 1928, also genau vor 90 Jahren.

Die Geschwister kennen die Einkaufsstraße von klein auf, sind quasi hier aufgewachsen. „Farben Frank war früher einer der größten Läden“, erinnert sich Kirsten Behr. Was sich für die 55-Jährige gegenüber damals deutlich gebessert hat: die Breite der Bürgersteige. „Nun kann man bei uns auch flanieren, besonders schön ist es im Sommer, wenn die Cafés ihre Stühle nach draußen stellen.“

2014 beschloss der Stadtrat den Umbau der Benderstraße, 2016 bekam die neue Stadtbahnlinie U73 zwei eigenen Spuren. Damit verschwand das Zweitereihe-Parken. Ein Plätzchen für das Auto, um mal schnell beim Bäcker Schmalz „reinzuhüpfen“, finden Kunden trotzdem noch. Wenn auch nicht immer direkt vor der Tür. Für eine Stunde darf mit Parkscheibe das Fahrzeug kostenlos abgestellt werden.

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Die einfachste und stressfreieste Variante ist die U-Bahn. Mit gleich drei Haltestellen muss niemand weite Wege laufen, zusätzlich setzt die Straßenbahnlinie 709 Fahrgäste an der Haltestelle „Auf der Hardt/LVR-Klinikum ab“.

So bequem fährt auch Friederike Grüner mit ihrem zweijährigen Sohn Clemens zum Einkaufen. Seit 2015 wohnt sie in Gerresheim. „Auf der Benderstraße finde ich 90 Prozent von dem, was ich brauche“, sagt die 33-Jährige. „Am besten finde ich, dass es gleich drei Metzger gibt – und das, obwohl sie mit mehreren Supermärkten konkurrieren.“

Es gibt fast nichts, was es auf der Benderstraße nicht gibt. Klar, große Modeketten haben sich nicht nach Gerresheim verirrt. Aber die Flaniermeile bietet eindeutig mehr als nur die Dinge für den täglichen Einkaufs-Bedarf. Vier Banken, ebenso viele Apotheken, drei Schneidereien, fünf Friseure, zwei Buchhandlungen, eine Parfümerie und ein Reformhaus – und das ist nur ein kleiner Querschnitt der über 60 Geschäfte.

Bei so viel Auswahl gilt es als Händler herauszustechen. Wie eine Aufpasserin steht die menschengroße Playmobil-Prinzessin vor „Happy + Spiel Müller“. Traut man sich an ihr vorbei, betritt man ein Paradies für Kinder. Bis unter die Decke sind die Regale mit Puppen, Brettspielen und anderen Spielsachen vollgestellt. Besitzerin Rosi Offermanns verkauft im Haus mit der Nummer 111 seit 2006. Vorher war ihr Geschäft genau in der Mitte der Benderstraße. „Manche haben gefragt, ob ich nicht Angst hätte aus dem Sog an den Rand zu ziehen“, sagt Offermanns. „Aber zum einen habe ich sehr treue Kunden, zum anderen brauchte ich einfach mehr Platz.“

So gut wie dem Spielwarenladen erging es nicht jedem Händler. „Dieblumenbinder“ steht in verblasstem Grün auf der Markise, im Inneren – wie ausgestorben. Doch das Problem mit dem Leerstand haben die Gerresheimer gut im Griff. Sieben leere Schaufenster zählt man derzeit, aber sie stören nicht das lebendige Bild der Benderstraße.

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