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Unternehmen : Wirtschaft im Rheinland stabilisiert sich

Unternehmen : Wirtschaft im Rheinland stabilisiert sich

Die Unternehmen sehen ihre Lage verhalten positiv. Die Industrie- und Handelskammer sieht Risiken durch das Coronavirus, rechnet aber nicht mit großen Lieferengpässen. Besonders gut steht gerade das Ernährungsgewerbe da.

Die rheinische Wirtschaft stabilisiert sich: Im aktuellen Konjunkturbarometer Rheinland beurteilten die befragten Unternehmen ihre momentane Geschäftslage insgesamt verhalten positiv. So sind 35 Prozent von ihnen nach eigenen Angaben gut ins neue Jahr gestartet, nur 16 Prozent schlecht. „Der Negativtrend der Vorumfragen hat sich damit nicht fortgesetzt“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf, Gregor Berghausen.

Die Umfrage wurde bis Mitte Januar durchgeführt, so dass die jüngsten Entwicklungen hinsichtlich des Coronavirus noch nicht eingeflossen sind. Berghausen sagte dazu aber, man wolle nicht in kursierende „Horror-Szenarien“ einsteigen. Die aktuelle Lage werde zwar möglicherweise die Risiko-Einschätzung einiger Firmen verändern. Er gehe aber nicht davon aus, dass eine dauerhafte Schwächung der Konjunktur in der Region drohe. „Das wird nicht das beherrschende Thema 2020 sein.“ Risiken gebe es unter anderem durch den Wegfall von Geschäftsreisen, die Absage von Messebesuchen oder durch Lieferprobleme. Aber: „Die Unternehmen sind offenbar in der Lage, ihre Lieferketten schnell umzustellen.“ Das habe sich auch am Beispiel der Firmen gezeigt, für deren Geschäfte China eine größere Bedeutung habe.

Die Angaben der Unternehmen über ihre Geschäftserwartungen zeigen aus Sicht der IHK, dass es auch so bleiben könnte. „Insgesamt sind diese in etwa wieder ausgeglichen, bei 20 Prozent optimistischen versus 22 Prozent skeptischen Betrieben. Im Herbst haben die Skeptiker noch deutlicher überwogen“, so Berghausen. Damit ist der aus Lageurteilen und Erwartungen gebildete IHK-Konjunkturklimaindex leicht um zwei auf 108 Punkte gestiegen. Befragt hatte die IHK-Initiative Rheinland (IHK-Bezirke Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Köln, Mittlerer Niederrhein, Niederrhein und Bergischer) rund 3000 Unternehmen.

Spürbare Unterschiede gibt es laut der IHK-Umfrage zwischen den eher inlands- beziehungsweise konsumorientierten Branchen einerseits und den eher exportorientierten andererseits. Erstere befinden sich weiterhin im Konjunkturhoch, letztere haben deutlich verhaltenere Einschätzungen. Denn die Exportaussichten sind weiter eingetrübt – neben der unklaren Entwicklung hinsichtlich des Coronavirus unter anderem auch angesichts der bestehenden und drohenden Handelsschranken, des nicht ausverhandelten Brexit sowie der schwelenden Konflikte in Nahost und um den Persischen Golf.

Den besten Lageindex innerhalb der Industrie weist das Ernährungsgewerbe auf. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Fortin-Mühlenwerke, Robert Lamers, sagt: „Wir sind zuversichtlich, dass das auch 2020 so bleibt.“ Das Düsseldorfer Unternehmen will umfangreich investieren, in Menschen wie in Maschinen, wie Lamers sagt. Die Entwicklung des Coronavirus hat er dennoch fest im Blick. Andere Bereiche der Industrie haben zu kämpfen, vor allem die Kunststoff- und die Metallindustrie. Mehr als ein Drittel der Betriebe beabsichtige, den Personalbestand zu reduzieren, hieß es. Der Automobilindustrie mache der grundlegende Strukturwandel aufgrund der Verkehrswende und Klimadebatte zu schaffen, so Berghausen.

Der Einzelhandel vermeldet angesichts der anhaltenden Konsumfreude weiterhin eine gute Lage, blickt jedoch etwas skeptischer in die Zukunft. Bei der Logistik fällt die Lagebewertung dagegen so schwach aus wie seit sieben Jahren nicht: „Herausforderungen sind die schwächelnde Infrastruktur, wie die Rheinbrücken und volle Bahngleise“, sagt Berghausen.