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Wir erklären das besondere Bühnenbild der „Götterdämmerung“ in der Oper Düsseldorf

Opern-Premiere : Auf großer Fahrt

Heute hat die „Götterdämmerung“ Premiere in der Oper. Wir erklären vorab das besondere Bühnenbild.

Wenn an diesem Samstag um 17 Uhr das Licht ausgeht im Zuschauersaal der Oper und sich die Aufmerksamkeit der Wagner-Fans auf die ersten Klänge der „Götterdämmerung“ richtet, haben die Mitarbeiter der ersten Schicht bereits Feierabend. Für sie beginnt der Arbeitstag bereits morgens um 7 Uhr, denn wo gestern Abend noch eine Vorstellung von Giacomo Puccinis „Tosca“ zu sehen war, musste nun aus rund 1000 Einzelteilen das aufwendige Bühnenbild für das große Finale des „Ring des Nibelungen“ aufgebaut werden.

In dessen Zentrum hat Bühnenbildner Dieter Richter, der Bühnen- und Kostümbild am Mozarteum in Salzburg studiert hat, einen Schubleichter gestellt – also ein Schiff ohne eigenen Antrieb. Wie ein fahruntüchtiges Wrack aus rostigem Stahl sieht das aus, gebaut haben die Werkstätten der Oper es allerdings aus Holz und ihm dann mit einem aufwendigen Anstrich seine abgenutzte Optik verpasst. Jenes Schiff in seinem üblen Zustand funktioniert aus Richters Sicht als Sinnbild für seine Sicht (und die des Regisseurs Dietrich Hilsdorf) auf das Stück. Es ist hier eine Art Totenfloß, immerhin sehe man den Untergang einer Dynastie, die ihrem Schicksal entgegenfährt. „Alle sitzen in einem Boot, es ist wenig Platz, und man kann sich hier nicht aus dem Weg gehen.“ Ein Kammerspiel auf einer Fluss-Kreuzfahrt.

Der Chor passt übrigens trotzdem drauf aufs Deck, eine Bühne auf der Bühne, für 60 Sängerinnen und Sänger ist die Fläche zugelassen. Insgesamt hat Richter für die Akteure fünf Ebenen entworfen, auf denen sie agieren können, vorausgesetzt, sie bewältigen die engen Wege über schmale Leitern. Da ist zunächst die abgesenkte Wasseroberfläche, die man nur vom Rang aus komplett sehen kann. „Ich mag es, auch für die Leute auf den eigentlich günstigeren Plätzen etwas Besonderes zu machen.“ Dann sind da das fünf mal zwei Meter messende Ufer (mit der Sitzgruppe in Camping-Optik für die Nornen), der Anlegesteg auf der rechten Bühnenseite und natürlich das Oberdeck auf dem Führerhäuschen.

Die neun Meter hohen Wände wirken nur unscheinbar, so lange die Technik nicht auf die richtigen Knöpfe drückt. Denn sie sind Projektionsflächen für eine mit drei Kameras eigens aufgenommene Fahrt über den Rhein, beginnend am Mittelrhein bei Worms, wo Friedrich Hebbel die Nibelungen angesiedelt hat. Für das Düsseldorfer Publikum gibt’s im zweiten Akt aber auch Bilder aus der Heimat mit vertrauter Ufer-Silhouette zu sehen.

Um diese Zeit herum, verspricht Richter, wird auch der auffällige Lichterbogen zu Ehren kommen, den die Besucher der bisherigen „Ring“-Abende schon kennen. „Sehr aufwendig gestaltet, mit viel Licht und Elektrik“, sagt er, und das ist ziemlich offensichtlich angesichts der fünf Reihen farbiger Lämpchen, die diesmal besonders intensiv eingesetzt werden sollen.

Richter hat auch diesmal wieder auf ein Einheits-Bühnenbild gesetzt, er mag Räume, die sich über den Abend leicht verändern, sagt er. Den Schubleichter auf dem Rhein wird das Publikum auf der Bühne nach vorn und hinten fahren und von rechts nach links schwanken sehen, zwei Achsen machen es möglich. Nicht auszudenken, wie ein Quietschen der tonnenschweren Konstruktion bei dieser Akustik ankäme, und Richter legt, als sich das Schiff in Bewegung setzt, lächelnd die Hand ans Ohr. Man hört nichts.