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Willi-Fährmann-Schule in Düsseldorf will die Sozialarbeit stärken

Garath : Grundschule hätte gern mehr Sozialarbeiter

Die Willi-Fährmann-Schule will die Sozialarbeit an ihren beiden Standorten stärken. Jetzt ziehen auch die Bezirkspolitiker mit. Eine Entscheidung auf höherer Ebene steht jedoch noch aus.

Sozialarbeit ist inzwischen zu einem festen und wichtigen Bestandteil des Schulalltags geworden. Sozialarbeiter kümmern sich um soziale Probleme in Klasse und Elternhaus, unterstützen Schüler mit Integrationsschwierigkeiten oder besonderen Bedürfnissen, helfen aber auch den Eltern, wo es nötig ist. Neben dem Jugendamt gibt es in Düsseldorf 16 anerkannte Träger der Schulsozialarbeit. Jede Düsseldorfer Schule in staatlicher Trägerschaft profitiert von der Unterstützung der Sozialarbeiter; die Versorgungsquote liegt nach Angaben der Stadt bei 100 Prozent. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Stellenzahl, also die Zeit, in denen ein Sozialarbeiter an der jeweiligen Schule zur Verfügung steht, für die anfallende Arbeit ausreicht.

Dass dem teilweise nicht so ist, finden einige Politiker der Bezirksvertretung 10, zuständig für Garath und Hellerhof. Sie baten in ihrer Dezember-Sitzung die Stadt konkret darum, die Ausstattung mit Schulsozialarbeitern der Garather Willi-Fährmann-Grundschule auf eine Vollzeitstelle zu erhöhen. Bisher ist dort für zwei Standorte nur eine halbe Stelle vorgesehen. Zwei quasi identische Anträge wurden von den Fraktionen der CDU und der SPD dazu gestellt. In diesem Zuge wurde die Stadt außerdem gebeten, allgemein zu prüfen, ob die Versorgung der Schüler im Stadtbezirk 10 mit Sozialarbeit ausreichend ist.

Die Stadt berechnet die Ausstattung einer Schule mit Sozialarbeitern anhand der sogenannten Sozialräumlichen Gliederung, einer umfassenden statistischen Erhebung der verschiedenen Viertel, Siedlungen und Quartiere der Stadt. Die beiden Standorte der Willi-Fährmann-Grundschule liegen im Garather Kämpenviertel und im nördlichen Hellerhof.

Anders als andere Quartiere des Stadtraums sind diese Siedlungen nicht durch einen besonders hohen sozialen Handlungsbedarf gekennzeichnet, dennoch liegt, so die Zahlen der Stadt, vor allem in Garath die Quote der Grundschüler, die den Sprung ans Gymnasium schaffen, merklich unter dem Stadtdurchschnitt, während die Übergangsquote an die Hauptschule deutlich erhöht ist. Außerdem spielen für die Zuteilung der Sozialarbeit Faktoren wie die Sozialleistungsquote und der Wohnflächenstandard im Einzugsgebiet eine wichtige Rolle. Hier zeigt Garaths Westen ein etwas schlechteres Ergebnis als der Stadtdurchschnitt. Entsprechend wurde der Schlüssel der Schulsozialarbeit festgesetzt.

Eine Aufstockung sei dennoch dringend nötig, sagt Anke Schmidt, Rektorin der Willi-Fährmann-Schule. Für beide Standorte steht momentan eine halbe Stelle zur Verfügung, 40 Wochenstunden, die vom Träger der Sozialarbeit, dem SOS-Kinderdorf, um weitere zehn Stunden aufgestockt wird. „Das reicht jedoch bei weitem nicht“, so Schmidt. Nicht nur, dass in den aktuell 30 Wochenstunden im Moment 48 verschiedene Fälle betreut werden, auch die räumliche Trennung der beiden Einsatzorte macht die Sozialarbeit umständlich. Schmidt hatte vor einiger Zeit einen Brief an die Stadt geschrieben und Politiker auf verschiedenen Ebenen angesprochen.

Sie hat damit immerhin erreicht, dass der Bedarf der Schule neu geprüft und von Kategorie drei in die höchste Kategorie fünf hochgestuft wurde, in der Praxis hat sich dadurch jedoch nichts geändert. „Wir können nur hier stehen und schreien“, so Schmidt. Die Rektorin kritisiert, dass es bei der Verteilung der Mittel nicht berücksichtigt worden sei, dass die Willi-Fährmannn-Schule die Arbeit auf zwei Standorte verteilen müsse.

Die Schulsozialarbeiterin ist aktuell an zwei Tagen in der Hellerhofer Dependance im Einsatz, an drei Tagen in Garath an der Ricarda-Huch-Straße. Anke Schmidt betont, wie wichtig die Sozialarbeit sei. „Seit wir zumindest diese halbe Stelle haben, hat sich das Klima in der Schule deutlich verbessert.“ Der Rektorin ist bewusst, dass eine Aufstockung ins Geld geht. „Aber diese Investition kommt direkt den Kindern zu Gute“, so Schmidt.

Ob die Stadt dem Aufruf von Bezirkspolitik und Schule nachkommt und die Sozialarbeit an der Willi-Fährmann-Schule aufstockt, steht noch nicht fest. Auf Anfrage unserer Redaktion hieß es von der Stadt, dass nicht nur der quantitative Ausbau der Sozialarbeit für deren Erfolg wichtig sei, sondern auch die qualitative Entwicklung. In diesem Punkt stünden die zuständigen Stellen der Politik in regelmäßigem Austausch mit Vertretern von Schulen, Jugendhilfe und sozialen Trägern.