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Wie Unternehmer in Düsseldorf sich neu erfinden

Digitalisierung : Wie Unternehmer sich neu erfinden

Die Commerzbank lud zu einem Event für erfolgreiche Start-ups und erfahrene Unternehmen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sehr man sich verändern muss, um erfolgreich im Markt zu bleiben.

Die Herausforderungen etablierter Firmen im digitalen Zeitalter standen im Fokus des Events „Start-ups meet Corporates“, zu dem die Commerzbank jetzt Vertreter beider Seiten einlud. In der Event-Location „Forty-Four“ in Golzheim kamen erfolgreiche Gründer und eingesessene Firmen zusammen, um über Selbstdisruption zu sprechen und die Frage: Muss der Mittelstand sich selbst zerschlagen, bevor es andere tun? Commerzbank-Bereichsvorstand Gustav Holtkemper erklärte, es reiche nicht mehr aus, das nächste Produkt technisch noch leistungsfähiger zu machen – vielmehr müsse das eigene Geschäftsmodell „auf den Kopf gestellt werden“, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Geschäftsführerin von Ibach, Sabine Falke-Ibach, erklärte an ihrem eigenen Beispiel, wie man auf Basis der eigenen Firmenkompetenz und Tradition etwas Neues schaffen kann. „Viele Geschäftsmodelle werden zu spät überdacht – das darf nicht passieren, heute dreht sich alles viel schneller“, sagt sie. Die Rud. Ibach Sohn GmbH & Co. KG wurde 1794 gegründet und war bis Ende 2007 die älteste produzierende Pianofabrik der Welt. In dem Jahr wurde die Entscheidung getroffen, die Klavierproduktion angesichts einer schwierigen Entwicklung auf dem Weltmarkt einzustellen. Das Unternehmen aber besteht weiter – mit dem renommierten Namen und dem Know-how. Und Sabine Falke-Ibach gründete 2017 parallel ein neues, das ganz neue Wege einschlägt, aber basierend auf der eigenen Kernkompetenz: Musik. Sie arbeitet an einer Virtual-Reality-App zum Klavierspielen. „Man braucht kein Klavier, sondern nur noch einen Datenhandschuh statt das haptische Feedback.“

Über eine andere Art der eigenen Neuerfindung sprach Mediziner André Nemat. Dem Thorax-Chirurgen wurde eines Tages klar, wie groß der Einfluss des Arztes auf den einzelnen Patienten auf dem OP-Tisch ist – und wie gering im Vergleich dazu der Einfluss auf die großen Entwicklungen im Gesundheitssystem, auf die Veränderungen durch die Digitalisierung. „Mir wurde klar, dass ich aus dem OP raus muss und damit meine Kernkompetenz zum Teil aufgeben muss, wenn ich das aktiv beeinflussen und mitgestalten möchte.“ So gründete er das Institut für Digitale Transformation im Gesundheitswesen an der Uni Witten/Herdecke: „Der Bedarf in dem Bereich ist so groß, dass wir viele Unternehmen jetzt mit unserer Expertise beraten.“ Spezialisiert ist das Institut auch auf das Thema „Digital Ethics“, unter anderem mit der Frage, wie in einem digitaler werdenden Gesundheitssystem mit Daten umgegangen wird.