Wie sich Zahnarztpraxen in Düsseldorf auf Angstpatienten einstellen

Gesundheit : Wie sich Zahnarztpraxen auf Angstpatienten einstellen

Angst vor dem Zahnarzt ist ein häufiges Problem. Um Betroffenen zu helfen, setzen viele Ärzte auf Entspannungstechniken, eine Wohlfühlatmosphäre – und vor allem Vertrauen.

Als 17-Jähriger saß Nektarios Papagrigoriou für eine Wurzelbehandlung auf dem Behandlungsstuhl seines Zahnarztes. Eine Tortur für den Jugendlichen. „Als ich meinem Arzt sagte, dass ich Schmerzen habe, meinte er, ich solle mich nicht so anstellen.“ Doch das wollte der junge Mann nicht hinnehmen und kündigte an, beim nächsten Schmerz zu gehen. Der Arzt bohrte unbeeindruckt weiter, doch Papagrigoriou hielt sein Wort und verließ mit dem Lätzchen um den Hals die Praxis. Bis er das nächste Mal einen Zahnarzt aufsuchte, sollte viel Zeit vergehen.

Heute sitzt er auf der anderen Seite. Als Zahnarzt betreibt er mit drei Kollegen die Praxis „360 Grad Zahn“ in Oberbilk. Dort hat er sich – nicht zuletzt wegen seiner eigenen schlechten Erfahrungen – auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisiert.

Damit ist er nicht der einzige Zahnarzt in Düsseldorf. In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Praxen auf Patienten mit Zahnarzt-Angst eingestellt. Das zeigt sich etwa an der Einrichtung. Waren Wartezimmer früher kalte und unpersönliche Verwahrräume, sind sie heute wie in der Praxis von Christian von Schilcher zu Aufenthaltsräumen mit Wohnzimmeratmosphäre geworden. Denn bei ihm erfüllt die Wartezeit auch einen psychologischen Effekt. „Wenn die Patienten ein paar Minuten im Wartezimmer sitzen, kommen sie vor der Behandlung ein wenig zur Ruhe“, erzählt er. Nach knapp zehn Minuten würden sie dann vom Arzt persönlich in Empfang genommen.

Auch der Aufbau der Behandlungsräume hat sich im Vergleich zu früher verändert. Die Behandlungsstühle sind bequemer geworden, an der Decke sind bei vielen Ärzten Fernseher zur Ablenkung angebracht, auf Wunsch läuft im Hintergrund Musik. Zudem haben viele dieser Räume noch einen abgetrennten Bereich, damit der Patient nicht sofort auf dem Behandlungsstuhl Platz nehmen muss. Bei „360 Grad Zahn“ gibt es sogar eine Lounge ohne Zahnarztatmosphäre, wo das Erstgespräch in Fällen von besonders akuter Angst stattfindet.

Der Schlüssel zu einer erfolgreiche Behandlung von Angstpatienten ist jedoch das Vertrauensverhältnis zum Arzt. Daher verzichten die genannten Ärzte bei dem ersten Treffen mit dem Patienten auf eine Behandlung und nehmen sich erst einmal Zeit für ein Vorgespräch, bei dem insbesondere die jeweiligen Gründe für die Angst geklärt werden. „Es ist wichtig, dem Patienten auf Augenhöhe zu begegnen und seine Ängste ernst zu nehmen“, sagt Nektarios Papagrigoriou von „360 Grad Zahn“. Dazu gehöre, dem Betroffenen keine Vorwürfe zu machen. Denn nicht selten kommt zu der Angst, je nach Zustand der Zähne, auch ein Schamgefühl hinzu. In der Garather Praxis „Apollonia“ nehmen die behandelnden Ärzte regelmäßig an Fortbildungen zum Thema Psychosomatik teil, um für den richtigen Umgang mit Angstpatienten sensibilisiert zu sein.

Größte Sorge der Betroffenen sind Schmerzen während der Sitzung. Doch mit heutigen Behandlungsmethoden können diese auf ein Minimum reduziert werden. Nektarios Papagrigoriou verzichtet beispielsweise auf Kältetests oder den Einsatz piksender Instrumente. Inwieweit dem Patienten Details zur Behandlung erzählt werden, ist typabhängig. „Manche Patienten wünschen eine ausführliche Erklärung, andere wiederum nicht“, so Sandra Ulrich von der Praxis „Apollonia“. Unabhängig davon gehe es aber darum, den Patienten Mut zu machen. „Ich sage ihnen, dass wir den Weg zusammen gehen“, erzählt Nektarios Papagrigoriou.

Auf Wunsch des Patienten oder bei Schmerzen wird die Behandlung in spezialisierten Praxen jederzeit unterbrochen. Christian von Schilcher versucht zudem, seine Patienten mit Atemübungen zu entspannen. Sollte das auch nicht helfen, gibt es Alternativen: So verabreicht er seinen Patienten auf Wunsch ein Beruhigungsmittel. Ansonsten stehen auch Betäubungen durch Dämmerschlaf und Vollnarkose zur Wahl, was von einigen Patienten – insbesondere bei großem Behandlungsbedarf und längeren Sitzungen – genutzt wird. Diese Leistungen müssen Patienten jedoch selbst bezahlen. Die Kosten variieren je nach Praxis, aber betragen schnell mehrere Hundert Euro.

Im besten Fall sind das jedoch einmalige Kosten. Denn ist einmal ein Vertrauensverhältnis zum Arzt aufgebaut und der Bann der Angst gebrochen, kommen viele Patienten zur regelmäßigen Kontrolle wieder, wodurch sich aufwendige Behandlungen für die Zukunft weitestgehend vermeiden lassen.