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Wie sich die Coronakrise auf den Autoverkehr in Düsseldorf auswirkt

Analyse von TomTom-Daten : Wie sich die Coronakrise auf den Autoverkehr auswirkt

Stau im Berufsverkehr ist plötzlich in Düsseldorf kaum noch Thema – das Verkehrsaufkommen sinkt von Tag zu Tag. Dies zeigt eine Auswertung der Daten des Anbieters TomTom.

Die Coronakrise wirkt sich immer stärker auf den Alltag aus – das zeigt auch der Blick auf die Straßen. In Düsseldorf sind fast keine Staus im Berufsverkehr mehr zu verzeichnen. Dies zeigen Daten des Anbieters TomTom. Die Reisezeit verlängert sich in den Spitzen am Morgen und Nachmittag demnach erheblich weniger als an normalen Tagen. Am Mittwoch lag das „Stau-Level“ in der Morgenspitze um 8 Uhr nur noch bei 14 Prozent. Das waren 36 Prozentpunkte unter dem Durchschnittswert aus dem vergangenen Jahr. Das von TomTom errechnete „Stau-Level“ gibt an, wie viel sich eine Fahrt im Vergleich zu einer freien Strecke verlängert.

Der letzte Tag, an dem es einen überdurchschnittlichen Stau im Berufsverkehr gab, war der Donnerstag vor einer Woche. Damals war bereits abzusehen, dass sich die Krise verschärfen würde. Möglicherweise wechselten in einem ersten Schritt viele Pendler vom ÖPNV aufs eigene Auto: Das Stau-Level lag am Morgen bei 69 Prozent und damit 20 Prozentpunkte über dem Jahresschnitt 2019. Am Abend rief Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu auf, Sozialkontakte wann immer möglich zu vermeiden – der Auftakt für die Kaskade von Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die in den nächsten Tagen folgte.

Auf Düsseldorfs Straßen zeigte sich der Effekt umgehend. Am Freitag herrscht auch im Durchschnitt weniger Verkehr, die Werte lagen aber bereits unter dem Mittel. In dieser Woche ist der Unterschied erheblich: Schon am Montag blieb ein Großteil der Pendler offenbar zu Hause, seitdem sinkt die Zahl der Staus von Tag zu Tag. Ein Zeichen dafür, dass das Verkehrsaufkommen immer weiter zurückgeht.

Tomtom gehört zu den führenden Anbietern von Verkehrsdaten. Sie stammen nicht nur von den Nutzern von Navigationsgeräten, sondern unter anderem auch von Smartphones. Ein Kooperationspartner ist der Maps-Dienst von Apple. Die Datensätze bilden nach Unternehmensangaben ungefähr zehn bis 20 Prozent aller Autofahrer ab. Die Grundlage sind anonymisierte Bewegungsausschnitte, die keine Rückschlüsse auf die Route zulassen. Auch die Stadt Düsseldorf greift auf solche Daten zurück, etwa bei der Bewertung von Verkehrsversuchen wie den Umweltspuren.

Die Auswertung der letzten Tage lässt zwei wichtige Rückschlüsse zu. Der eine ist, dass die Ausdünnung des Fahrplans der Rheinbahn nicht zu mehr Autoverkehr geführt hat. Nach den wiederholten Aufrufen der Behörden bleiben nun schlicht mehr Menschen zu Hause. Der Abwärtstrend beim Verkehrsaufkommen setzte sich auch am Mittwoch fort, dem ersten Tag, an dem Busse und Bahnen auf den Samstagsfahrplan umgestellt wurden. Von der Rheinbahn hieß es am Mittwoch auf Nachfrage, man spüre eine sinkende Zahl von Fahrgästen, nachdem Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) dazu aufgerufen hatte, dass nur noch Menschen in für die Infrastruktur wichtigen Berufen den Nahverkehr nutzen. Fahrgastzählungen führe die Rheinbahn derzeit aber nicht durch.

Die zweite Erkenntnis: Die Öffnung der Umweltspuren für den Allgemeinverkehr war wohl höchstens als Signal nötig. Geisel hatte sie am Dienstag öffnen lassen, nachdem Bürger beklagt hatten, ein Anreiz zum Umstieg auf den ÖPNV sei derzeit nicht wünschenswert. Außerdem habe es Staus vor dem Start der dritten Umweltspur in Wersten gegeben.

Die TomTom-Zahlen lassen aber vermuten, dass ein freies Durchkommen in die Stadt derzeit eine der geringeren Sorgen für die Menschen sein dürfte, die immer noch zur Arbeit kommen müssen oder wollen. Angesichts des geringen Verkehrsaufkommens dürfte die Öffnung der Umweltspuren nur einen geringen Effekt haben.

Ein Nebeneffekt der Coronakrise wird wohl sein, dass sich die Luftqualität verbessert. Die Belastung hängt stark mit dem tagesaktuellen Verkehrsaufkommen zusammen. Dies wurde zuletzt insbesondere in der Debatte um mögliche Diesel-Fahrverbote durch eine zu hohe Stickoxid-Belastung diskutiert. Die Belastung etwa in der Corneliusstraße steigt mit der Zahl der Durchfahrten am jeweiligen Tag.

Eigentlich hätte der Ordnungs- und Verkehrsausschuss in den nächsten Wochen darüber diskutieren sollen, ob sich die Umweltspuren als Mittel zur Luftreinhaltung bewährt haben. Angesichts der Coronakrise wird sich auch diese Debatte um Monate verzögern.