Düsseldorf: Wie Helfer auf Prostituierte zugehen

Düsseldorf: Wie Helfer auf Prostituierte zugehen

Bis zu 70 bulgarische Frauen zwischen 18 und 40 Jahren bieten sich auf der Charlottenstraße in Düsseldorf Freiern an. Die Frauen sind oft Analphabetinnen, nicht krankenversichert und haben in ihrem Leben noch nie ein Kondom gesehen. Der katholische Verein SKFM unterstützt die Betroffenen.

Vor ungefähr drei Jahren tauchten sie plötzlich auf, "und mit der Zeit kamen immer mehr", erinnert sich Ina Schubert. Die Leiterin der Kontakt- und Notschlafstelle Knackpunkt des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM) an der Grupellostraße spricht von bulgarischen Roma-Frauen, die rund um die Charlottenstraße der Prostitution nachgehen. Bis zu 70 sind es, die sich Freiern anbieten, zwischendurch dann auch wieder in ihre Heimat fahren, aber meist zurückkehren. Zuvor besuchten den Knackpunkt fast nur drogenabhängige deutsche Prostituierte. "Die beiden Gruppen sind natürlich komplett unterschiedlich. Und es hat lange gedauert, bis sie halbwegs miteinander klarkamen", erklärt die Sozialpädagogin.

Das Angebot an Betreuung für diese neue Klientel musste komplett revidiert werden. "Es fängt an mit der Sprachbarriere. Die Frauen sind zudem oft Analphabetinnen, nicht krankenversichert und haben in ihrem Leben noch nie ein Kondom gesehen", sagt Schubert. "Ihre Form der Empfängnisverhütung ist die Abtreibung." Es beginnt aber bereits damit, dass diese bulgarischen Frauen ein komplett anderes Wertesystem haben. "Sie kennen keine Regeln, halten sich nicht an Termine, etwa beim Gesundheitsamt, und sind auf der Straße sehr laut. Das geht so natürlich nicht, und das konnten wir ihnen mit der Zeit auch verständlich machen", betont Schubert. Dass sie überhaupt einen Zugang zu den Prostituierten fand, hat die Sozialpädagogin der Bulgarin Zhana Kazakova zu verdanken, die seit zwei Jahren nebenamtlich im Knackpunkt arbeitet.

Federführend haben die beiden Frauen das Programm "Stapka po Stapka" (Schritt für Schritt) erarbeitet, mit dem den Betroffenen gezielter geholfen werden soll und das eine längere Öffnungszeit der Kontaktstelle auf der Grupellostraße sowie mehr Betreuung auf der Straße beinhaltet. "Das ist in unseren Augen auch ein Beitrag zur Integration. Wir haben bei der Stadt Geld dafür beantragt, aber nur ein Drittel der gewünschten Summe erhalten. Damit ist unser Spielraum natürlich begrenzt", erzählt Schubert.

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Die bulgarischen Roma-Frauen, in der Regel zwischen 18 und 40 Jahre alt, wirken sehr gepflegt, obwohl sie sich bisweilen mit bis zu 20 Personen eine Wohnung teilen oder in billigen Hotels absteigen. "Sie haben auch nicht den klassischen Zuhälter, meist sind es Familienangehörige, die mit nach Deutschland kommen", berichtet Schubert. Zuletzt wanderten viele der Betroffenen in Sex-Clubs ab. "Die werden von den Betreibern mit offenen Armen empfangen, da sie nicht auf ein Kondom bestehen", weiß die Sozialpädagogin.

"Stapka po Stapka" ist gerade angelaufen, erste Erfolge sind aber bereits erkennbar. Einzelne Frauen haben eine Arbeitsgenehmigung erhalten und einen Job als Reinigungskraft oder im Restaurant gefunden. "Doch es bleibt schwierig. Viele haben nicht einmal einen Ausweis", so Schubert.

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(RP)