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Gärtnern mitten in der Stadt: Wie Großstädter zu Mini-Bauern werden

Gärtnern mitten in der Stadt : Wie Großstädter zu Mini-Bauern werden

Sein eigenes Gemüse anzubauen liegt im Trend - und das mitten in der Stadt. Die Nachfrage nach den Stadtgärten ist größer als das Angebot.

Weil sich seine Verlobte immer über das welke Gemüse im Supermarkt beschwert hatte, machte ihr Axel Jonuschies (31) zu Weihnachten 2010 ein ganz besonderes Geschenk: Ina Teichmann (34) bekam ihre eigene Garten-Parzelle in Düsseldorf-Niederkassel. Inzwischen kann sich das Paar ein Leben ohne eigenes Gemüse nicht mehr vorstellen. "Wir wissen, woher unser Essen kommt, und wir lieben den Geschmack", sagt Jonuschies. Ina Teichmann schwärmt sogar vom Unkrautjäten: "Es gibt keinen besseren Gehirnausknipser."

Gärtnern in der Stadt ist immer mehr im Kommen. Dabei reichen die Möglichkeiten von der eigenen Parzelle bis zum gemieteten Acker. Wer einen Spaziergang durch die Landeshauptstadt unternimmt, kommt an mehreren Stellen an Hochbeeten, in denen seltene Gemüsesorten und bunte Wildblumen wachsen, vorbei.

An vier Standorten hat die Stiftung Schloss und Park Benrath im Rahmen der diesjährigen Quadriennale Stadtteilgärten angelegt. Dahinter steckt das Prinzip des "urban gardening" - städtisches Gärtnern. Angesichts von Lebensmittelskandalen, Klimawandel und Ressourcenverknappung sollen die Mitmach-Gärten eine Alternative bieten.

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Und die Stadtteilgärten sind beliebt: Immer mehr Brachflächen werden umfunktioniert. "Elisabeths Garten" etwa befindet sich im Innenhof des Westflügels von Schloss Benrath. In 60 Hochbeeten gedeihen über 40 Gemüsesorten. Drei weitere Mitmachgärten gibt es vor dem KIT (Kunst im Tunnel) an der Rheinpromenade, an der Haifastraße ("Düsselgrün") in Oberbilk sowie im Zentralschulgarten in Flehe. Den Verfechtern des "urban gardening" geht es um den bewussten Umgang mit Lebensmitteln, Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit.

Auch Axel Jonuschies und Ina Teichmann kennen die Vorteile der Gärten in der Stadt. Bewaffnet mit Werkzeug fährt das Paar aus Grafenberg regelmäßig nach der Arbeit am Acker vorbei, um zu gießen oder noch frisches Gemüse für den nächsten Tag zu ernten. "Wir kaufen kein Gemüse aus dem Supermarkt hinzu. Die Parzelle wirft mehr als genug ab", sagt Teichmann.

Eine Studie von 2013 im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums hat ergeben, dass immer mehr junge Menschen beim Einkauf von Lebensmitteln gezielt auf Bio-Produkte achten. Bei den unter 30-Jährigen ist der Anteil im Vergleich zu 2012 um neun Prozent gestiegen. Besonders bei Obst und Gemüse greifen die Verbraucher häufig zu ökologischen Produkten.

Doch Bio-Produkte haben ihren Preis. Hinzu kommt, dass die Preise für Lebensmittel insgesamt seit Jahren steigen. Nach Informationen des Statistischen Bundesamts zahlen die Menschen seit 2011 im Schnitt 7,6 Prozent mehr für Essen. Besonders tief in die Tasche greifen mussten die Verbraucher für Obst (plus 13 Prozent) und Gemüse (plus elf Prozent).

Wem die Stadtteilgärten nicht ausreichen, der geht einen Schritt weiter, "mietet" sich seine eigene Feldparzelle und wird zum Mini-Bauern. Bekannte Anbieter sind "Meine Ernte" und "Eigenes Feld". 2009 gründeten Wanda Ganders und Natalie Kirchbaumer "meine ernte". 2010 starteten sie mit sechs Standorten und 250 Kunden. 2013 waren es bereits mehr als 2000 Gemüsegärten an 24 Standorten. Die Gärten werden in Kooperation mit landwirtschaftlichen Betrieben angeboten. Hobbygärtner mieten ein Stück Acker, das bereits mit über 20 Gemüsesorten bepflanzt ist. Dazu gibt es Wasser, Gartengeräte und eine umfangreiche Beratung. Ein kleiner Gemüsegarten (45 Quadratmeter) für ein bis zwei Personen kostet 179 Euro pro Saison, für einen Familien-Garten (85 Quadratmeter) fallen 329 Euro an.

(RP)