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Wie gefährlich ist Ansaar International e.V. aus Düsseldorf?

Vertragsauflösung von Änis Ben-Hatira : Wie gefährlich ist Ansaar International?

Wegen seiner Kontakte zu Ansaar International verlor Fußballprofi Änis Ben-Hatira seinen Job bei Darmstadt 98. Die umstrittene Organisation sitzt in Düsseldorf, laut NRW-Verfassungsschutz ist sie "fest mit der deutschen Salafisten-Szene verwoben". Doch der Vorsitzende weist das weit von sich.

Was wissen wir sicher über Ansaar International?
Der Verein wurde 2012 als Ansaar Düsseldorf e.V. gegründet und hat ihren Sitz in der Landeshauptstadt. Gründer und Vorsitzender ist Abdul Rahman Kayser. Der Name "Ansaar" geht auf das arabische Wort für "Helfer" zurück.

Was sagt Ansaar International über sich selbst?
Auf seiner Website bezeichnet sich Ansaar als "Hilfsbund", der notleidende Menschen im In- und Ausland unterstützen will. Nach eigenen Angaben ist der Verein in fast 30 Ländern aktiv, darunter Syrien, Afghanistan und Palästina. In Syrien liegt dabei ein Schwerpunkt: Hier betreibe der Verein ein Krankenhaus in Aleppo und das "größte Waisenhaus Syriens" auf 8000 Quadratmetern, außerdem verteile man Lebensmittel an Binnenflüchtlinge.

"Wir bauen Moscheen, Koran-Schulen und Schulen, Krankenhäuser, Bunker, Waisenhäuser, Witwen-Heime und Brunnen", heißt es auf der Website weiter. "Im Inland sind wir hauptsächlich in der Dawa aktiv — helfen aber auch Menschen, die in eine akute Notlage geraten sind." "Dawa" bedeutet "Ruf" oder "Einladung" und leitet sich für Muslime als Pflicht aus dem Koran ab. Der Begriff steht sowohl für die Vertiefung des eigenen Glaubens als auch für die Verbreitung des Islams unter Nichtgläubigen.

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Was sagt der Verfassungsschutz über Ansaar International?
Das erste Mal wurde der Verein 2013 im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen erwähnt. Bereits damals wird er als "fest mit der deutschen Salafisten-Szene verwoben" bezeichnet. Der Haupt-Kritikpunkt der Verfassungsschützer: Bei Spendensammlungen würden "international bekannte und angesehene salafistische Prediger als besondere Attraktionen eingebunden", heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht, der im Juli 2016 vorgestellt wurde (PDF).

Im Internet finde sich keinerlei Distanzierung von extremistisch-salafistischen Inhalten. Ansaar International habe sich zwar öffentlich vom Islamischen Staat (IS) distanziert, sich aber stattdessen der Gruppierung Jabhat al-Nusra zugewandt. Diese Gruppierung habe sich vom IS abgespalten und sei heute al-Quaida-nah.

Was bedeutet "salafistisch" eigentlich?
Islamwissenschaftler meinen mit Salafismus eine religiöse und politische Orientierung an den Menschen, die zur Zeit des Propheten Mohammed oder kurze Zeit danach gelebt haben, also im 7. und 8. Jahrhundert nach Christus. Gemeinhin wird diese Periode des Frühislam idealisiert. Salafisten streben an, genau wie die Muslime in dieser Frühzeit zu leben.

In seiner harmlosen Form bedeutet das einfach nur eine gesteigerte Frömmigkeit. Radikale Salafisten wollen aber die heutige Gesellschaftsordnung abschaffen, um zur damaligen zurückzukehren. Diese extremistische Strömung des Salafismus meint der Verfassungsschutz.

Was sagt Ansaar International zu den Vorwürfen?
Der Vereinsvorsitzende Abdul Rahman Kayser weist sie weit von sich. Ende November veranstaltete der Verein eine Pressekonferenz in Düsseldorf, um einer "Verleumdungskampagne" zu begegnen, die nach Ansicht des Vereins von mehreren Medien betrieben wird. Dort äußerte Kayser auch Unverständnis über die Kritik an Änis Ben-Hatira. Der Verein sei nur eine Hilfsorganisation, nichts weiter.

(hpaw)