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Wie Düsseldorf Wohnungslose dauerhaft von der Straße holen will

Obdachlosigkeit in der Landeshauptstadt : Wie ein Verein bis zu 400 Düsseldorfer von der Straße holen will

„Housing First“ heißt der neue Verein, der Obdachlose in Düsseldorf in bezahlbare Bestandswohnungen vermitteln will. Warum sich das auch für Eigentümer lohnen kann.

Mit dem neu gegründeten Verein „Housing first“ wollen Hilfsorganisationen, engagierte Bürger und die Stadt Menschen, die in Düsseldorf auf der Straße oder in kommunalen Unterkünften leben, aus der Wohnungslosigkeit holen. Damit wird das bereits vom Verein Fifty Fifty vorangetriebene Konzept auf eine neue Grundlage gestellt. 

„Ziel ist, neben anderen auch jene 250 bis 400 Menschen, die überwiegend draußen schlafen, von der Straße zu holen“, sagt Miriam Koch, Leiterin des Amtes für Migration. Mit zwei neu geschaffenen Stellen unterstützt die Stadt die Arbeit des neuen Vereins. Immer wieder hatte es Kritik an inoffiziellen Zeltlagern, unter anderem am Ehrenhof oder unter den Rheinbrücken gegeben.

Grundidee von „Housing First“ ist, für Menschen ohne Obdach eine Wohnung im regulären Bestand zu finden und Bedenken von potenziellen Vermietern aus dem Weg zu räumen. „Wer erst mal ein Apartment in einem gewöhnlichen Mietshaus hat, stabilisiert sich und hat sogar Chancen, in den ersten Arbeitsmarkt zurückzukehren“, sagt Anne van Rießen, die zum Vereinsvorstand gehört und an der Hochschule Düsseldorf arbeitet.

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Bislang hat Fifty Fifty allein in Düsseldorf für 60 überwiegend alleinstehende Menschen ein neues Heim gefunden. 20 weitere sollen – in einem ersten Schritt – bis zum Herbst 2022 hinzukommen. „Alleine wären wir mit dieser Weiterentwicklung überfordert“, sagt Fifty Fifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf.

Helfen bei der Beschaffung geeigneter Apartments will Patrick Weiß. Gemeinsam mit Notar Armin Hauschild und Thalia-Chef Michael Busch hat er die „Runter von der Straße GbR“ gegründet. Weiß hat zuletzt in Benrath drei Wohnungen an Obdachlose vermittelt. Die Rückmeldungen aus den Hausgemeinschaften zu den neuen Nachbarn seien durchweg gut. „Meine Partner und ich wollen Eigentümer beraten und ihnen erklären, wie sie ganz praktisch und ohne Folgeprobleme ein Mietverhältnis mit Wohnungslosen eingehen können“, sagt Weiß.

Dass beim Projekt „Housing First“ dicke Bretter gebohrt werden, wissen alle Beteiligten. Etwa 1400 Männer und Frauen leben in Düsseldorf in kommunalen Unterkünften. „Ein Drittel könnte die aus einem Mietvertrag resultierenden Pflichten jederzeit erfüllen, woran es aber fehlt, sind öffentlich geförderte Wohnungen“, sagt Koch.

Auch Ostendorf hofft auf eine breite Wirkung des Projekts in die Stadtgesellschaft hinein. „Jemand, dem 100 Wohnungen in Bilk, Flingern oder Stadtmitte gehören, leistet einen enormen Beitrag, wenn er nur zwei oder drei davon an Wohnungslose vermietet.“

Info Auskunft zu „Housing First“ bei Mona Monsieur unter 0211-97632348 sowie m.monsieur@housingfirstduesseldorf.de

(jj)