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Düsseldorf: Wie die Händler nun mit Plastiktüten umgehen

Düsseldorf : Wie die Händler nun mit Plastiktüten umgehen

Die EU will den Verbrauch von Plastiktüten eindämmen. Auf Düsseldorfer Märkten und in (Bio-)Supermärkten werden sie noch genutzt. Andere Geschäfte suchen bereits nach Alternativen. Wir zeigen ein Pro und Contra.

Gudrun Brabender, die auf dem Markt am Friedensplätzchen in Unterbilk arbeitet, stellt fest, dass aktuell vermehrt Papiertüten gefragt sind. Sie führt diesen Trend auf das mögliche EU-Verbot dünner Plastiktüten zurück. An Brabenders Gemüsestand werden sowohl Plastiktüten verwendet als auch spitze Papiertüten. In denen werden allerdings ausschließlich Pilze verpackt, weil diese in Plastik matschig würden.

Bei der Tüten-Frage gehe es vor allem um die Kosten, Plastiktüten seien günstiger. Das sagt auch Franz Bienen, Inhaber des Scharsenhofs in Goch, der auf dem Bauernmarkt am Friedensplätzchen Kürbisse, Spargel und Eier verkauft: "Leider verwenden wir Plastiktüten. Es geht dabei besonders um die Tragfähigkeit des Plastiks." Bienen macht sich allerdings viele Gedanken um die Umwelt. So ermuntert er die Kunden, eigene Taschen und Eierkartons mitzubringen, um Verpackung zu sparen. "Das begrüßen wir sehr, denn jeder Baum, der für neue Eierkartons gefällt wird, ist einer zu viel", sagt er.

Am Südfrüchte- und Pilzestand Schidan auf dem Carlsplatz wehen Papier und Plastiktüten friedlich nebeneinander im Wind. Inhaberin Angelika Schidan berichtet, dass ihr keine gravierenden finanziellen Unterschiede durch einen vermehrten Gebrauch von Papiertüten entstünden. Plastiktüten würden ausschließlich auf Kundenwunsch verwendet.

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Michel Schier, der schräg gegenüber ebenfalls einen großen Obst- und Gemüsestand betreibt, schildert, dass besonders feuchtes Gemüse nicht in Papiertüten transportiert werden kann. "Wenn es nicht nötig ist, verwenden wir Papiertüten", betont er. Außerdem berichtet er: "Früher wurden deutlich mehr Tüten und Taschen zum Einkauf mitgebracht." Die Eindrücke von den Düsseldorfer Wochenmärkten untermauert Wolfgang Rösler, Geschäftsführer des Tütenherstellers Röpack. Technisch sei es bereits möglich, komplett auf kleine Plastiktüten im Obst- und Gemüsehandel zu verzichten.

Spitztüten aus Papier kosten allerdings 15 Euro pro 1000 Stück, die in Ostasien produzierte Plastiktüte ist mit 6 Euro für dieselbe Menge deutlich günstiger. Rösler: "Dass in den vergangenen 15 Jahren deutlich mehr Plastiktüten verkauft wurden, hängt mit der Bequemlichkeit des Verbrauchers und dem ökonomischen Denken der Produzenten zusammen."

Geschäfte nutzen auch Alternativen

Die Entscheidung, ob Plastiktüte oder nicht, ist auch eine Frage des Geldes. "Momentan überlege ich, welche Alternative ich für die Plastiktüten anschaffen könnte. Anfangs konnte ich mir zum Beispiel kostenlose Stofftaschen einfach nicht leisten", sagt Sabina Sturr, Inhaberin des Bauernladens "Hof und Feld" auf der Nordstraße. Viele ihrer Kunden kommen mit eigenem Beutel zum Einkaufen oder bringen ihre Eierkartons mit, um sie wieder aufzufüllen. Sturr sei bereit, Geld für Plastik- und Papiertüten zu verlangen, wenn eine entsprechende Richtlinie der EU kommt. So wie die 23-jährige Christina Berkowsky achten viele auf die Wiederverwendung von Plastiktüten. "Wenn ich einkaufen gehe und gezwungen bin, eine Plastiktüte zu nehmen, weil ich keine Alternative habe, dann achte ich darauf, dass ich sie zu Hause noch mal beispielsweise als Mülltüte verwende. Wenn es bald nur noch Papiertüten geben sollte, frage ich mich, was ich machen soll, wenn es regnet. Da sind Plastiktüten auf jeden Fall reißfester."

In den Filialen der Kette Super-Bio-Markt gibt es keine herkömmlichen Plastiktaschen. An der Kasse erhalten die Kunden auf Anfrage kostenlose Tragetaschen aus recyceltem Papier, für einen Euro können sie sogenannte Greenie-Tasche kaufen. "Die Greenies werden aus wiederverwendetem Kunststoff in Deutschland hergestellt", erklärt Tim Koch, Pressesprecher der Super-Bio-Markt-Kette.

Für das Abwiegen von Obst und Gemüse gibt es Plastiktüten, die recycelbar, aber nicht biologisch abbaubar sind. Sukzessive sollen diese durch kompostierbare Beutel aus Maisstärke ersetzt werden, die allerdings 40 Prozent teurer sind. Papiertüten zum Abwiegen von Obst und Gemüse gibt es nicht. "Die Problematik von Papier ist, dass beim Kassieren in jede einzelne Tüte geguckt werden müsste, um festzustellen, was sich darin befindet. Und durch das größere Gewicht gäbe es Schwierigkeiten beim Wiegen." Die Kühltaschen aus Plastik von der Tiefkühlfirma Ökoland seien CO2-neutral. Die Leiterin der Filiale an der Benderstraße, Julia Knode, berichtet, dass auch dort ein Großteil der Kunden ihre Taschen mitbringt und das Obst und Gemüse lose abwiegt. Sie ist der Meinung, dass der Tütenverbrauch verringert würde, wenn sie etwas kosteten. Eine Kundin bestätigt: "Wenn Plastiktüten für Obst und Gemüse etwas kosten würden, würde ich sie nicht mehr nehmen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sagen Düsseldorfer Kunden zum Gebrauch von Plastiktüten

(ila)