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Wie die Düsseldorfer Stadtgesellschaft mit der Kinderfreundlichkeit umgehen soll

Düsseldorfer Elternkolumne : Und wer denkt an uns?

Alle reden von Kinderfreundlichkeit. Aber wie geht die Stadtgesellschaft eigentlich mit Eltern um, fragt sich unsere Kolumnistin.

Düsseldorf soll angeblich nur mäßig kinderfreundlich sein. Ich finde ja, den Kindern geht es hier ganz gut, es gibt Spielplätze, tolle Parks und das Bobolinoland. Ich warte nur schon länger auf einen Test von Düsseldorfs Elternfreundlichkeit. Da hätte ich nämlich ein paar Verbesserungsvorschläge. Und zwar nicht nur für Düsseldorf, sondern ganz allgemein. Es wird anscheinend angenommen, ein Besuch im Bobolinoland wäre gar nicht schlimm, Eltern liebten es, auf Spielplätzen zu frieren und abends säßen sie gern allein zu Hause rum. Dabei haben Eltern viel mehr zu bieten!

Wir Eltern sehen die Welt mit anderen Augen. Stellen Sie Sich zum Beispiel einen Museumsbesuch aus unserer Perspektive vor: Schließen Sie dazu bitte ein Auge. (Das andere Auge werfen Eltern auf ihr Kind, es reicht aber, wenn sie jetzt einfach eines geschlossen halten.) Sie könnten nun etwa das K21 besuchen und dort die laufende Ausstellung von Tomás Saraceno „in orbit“ besichtigen, zu der unter anderem Skulpturen aus Spinnweben gehören. Achtung, an dieser Stelle müssen Sie überraschend und vor allem schnell agieren: Folgen Sie nun bitte dem Vorbild meines kleinen Sohns, der sich spontan auf den Fußboden unter die Skulptur gelegt hat, um sie anzusehen. An dieser Stelle sind Umsicht (trotz Einäugigkeit, oder vor allem deswegen) und strategische Fähigkeiten gefragt. Nutzen Sie auf jeden Fall die entstehende Verwirrung des Aufsichtspersonals, um diese interessante Position voll auszuschöpfen. Ich prophezeie Ihnen: Das Kunstwerk macht danach nur noch aus dieser Perspektive richtig Sinn!

Ansonsten hatten es meinem Sohn die Treppen im K21 angetan. Und damit wäre ich auch schon beim sportlichen Aspekt der Elternfreundlichkeit: Ich schlage Ihnen vor, die Treppen mehrmals rauf und runter zu steigen. Ich verspreche Ihnen: Ihr Verhältnis zur Architektur des Raumes wird sich nach dieser Erfahrung verändert haben. Natürlich positiv. (Kleiner Tipp: Verpassen Sie es nicht, die Museumsmitarbeiter in Ihre neue Betrachtungsweise einzubeziehen. Sie sind ja normalerweise sehr zurückhaltend, man bemerkt sie kaum, aber wenn Sie mit Kind ins Museum kommen, bereichern sie die Ausstellung mit einer bewunderswerten Choreografie, die sie um die Eltern und ihre Kinder herum aufführen. Zwecks Sicherheit. Schon klar. Aber wirklich schön anzusehen.)

Sie sehen: Die Elternperspektive ist definitiv eine Bereicherung. Ich frage mich, ob es wirklich fair ist, wenn wir uns weiterhin mit unseren Kindern auf viel zu laute, überfüllte Indoorspielplätze, in Parks oder Freizeitbäder zurückziehen. Ich denke, wir Eltern gehören mitten rein, in die Gesellschaft. Alles andere bringt uns um viel Spaß.