1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Wie die Düsseldorfer mit Spenden Unternehmen retten

Corona-Hilfe aus dem Kiez : Wie Kleinspenden Unternehmen retten

Gutscheinportale und Crowdfunding helfen der lokalen Wirtschaft durch die Krise. Überwältigt vom Ergebnis sind zum Beispiel die Chefin im Café Hüftgold oder der Geschäftsführer der Kletterhalle Monkeyspot.

Während Finanzminister Olaf Scholz mit milliardenschweren Hilfspaketen „die Bazooka“ gegen die wirtschaftlichen Schäden der Corona-Pandemie abfeuert, wirken die von lokalen Initiativen eingesammelten Kleinspenden auf den ersten Blick wie ein Schuss aus der Wasserpistole. Tatsächlich kommen bei manchen Läden im Stadtteil auch nur wenige hundert Euro an. Zum Teil jedoch können sich die zusammengetragenen Summen mit den staatlichen Finanzspritzen messen lassen.

Wer etwa auf dem Internetportal Startnext nach Crowdfunding-Projekten in Düsseldorf sucht, findet dort Haruhiko Saeki und seine japanischen Nudelsuppen-Küchen namens Takumi. 21.500 Euro hat er bereits zusammen. Das Café Hüftgold in Flingern liegt zurzeit bei knapp 10.000 Euro. Eine Summe, von der Besitzerin Patricia Leonhardt überwältigt ist, zumal rund die Hälfte frei gespendet und nicht an Gutscheine gebunden ist. „Das ist eine Mega-Hilfe, ohne sie könnte ich zurzeit nicht schlafen.“ Zudem werde ihr jetzt erst durch die Reaktionen vieler Kunden bewusst, was ihnen das Café bedeute.

Über die Verwendung des Geldes muss Leonhardt nicht lange nachdenken. Bei inklusive Aushilfen 50 Mitarbeitern und monatlichen Fixkosten von 10.000 Euro sei die staatliche Hilfe von 25.000 Euro schnell verbraucht. Zumal der Aufwand auch finanziell aufgrund der Hygiene-Auflagen steige. Und ihre Umsätze seien trotz eines oft vollen Hauses aufgrund „der kleinen Preise“ bei hohem Personalaufwand nicht hoch genug, um Rücklagen bilden zu können. Dankbar ist Leonhardt jetzt nicht nur den rund 600 Unterstützern aus dem Umfeld des Cafés, die auch einfach mal 150 Euro auf ihr Konto überwiesen hätten, sondern auch ihrer Tochter. Die hatte nämlich das Crowdfunding-Projekt vorgeschlagen und in die Hand genommen.

Ähnlich beeindruckt von der Wirkung der vielen kleinen Hilfspäckchen ist Bastian Ohligs, Chef der Boulderhallen Monkeyspot in Düsseldorf und in Duisburg. Er beschreibt, wie geschockt er und sein Team waren, als sie plötzlich schließen mussten. Besonders schwierige Voraussetzungen: Ein kleines Unternehmen mit zehn festen Mitarbeitern, aber riesigen Flächen mit hohen Mieten und Nebenkosten. Hier stehen die 25.000 Euro Staatshilfe laut Ohligs sogar 50.000 Euro Fixkosten im Monat gegenüber. Dann aber erlebte er eine „gigantische Solidarität“, wie er sagt. Viele Kunden hätten ihren monatlichen Mitgliedsbeitrag von rund 50 Euro einfach weiter bezahlt. „Wir haben sogar verletzte Kunden, deren Mitgliedschaft eigentlich ruhte, die jetzt aber wieder zahlen.“

Und auch bei Monkeyspot kann sich die per Crowdfunding eingespielte Summe sehen lassen. 14.000 Euro sind schon erreicht. Erwerben können Unterstützer etwa einen persönlich angelegten Kletterparcours (100 Euro) oder auch ein Barbecue mit zehn Freunden (500 Euro). Ohligs: „Der Preis ist natürlich etwas höher als der Gegenwert. Aber uns war es schon wichtig, dass wir nicht nur einfach Spenden einsammeln, sondern ein persönliches Angebot machen.“

Den wirtschaftlichen Effekt der Kleinspenden sieht Ohligs als sehr hoch an. Zumal die Kosten nach der Wiedereröffnung die Einnahmen überstiegen. „Ohne die lokale Hilfe wäre die Gefahr sehr viel größer, dass wir es nicht schaffen.“

Einer, der genau solche Verluste für das Leben in der Stadt verhindern wollte, ist der Düsseldorfer Daniel Engelhardt. Mit seinem ehrenamtlichen Team hatte er (wir berichteten) die Plattform „Locals for Locals“ auf die Beine gestellt, „um ganz einfach zu helfen“, wie er sagt. Hier konnten Gutscheine zum Beispiel für den Frisör, die Kneipe oder den Laden nebenan gekauft werden. Und mit der Bilanz ist Daniel Engelhardt sehr zufrieden. 220 Unternehmen sind auf der Seite vertreten, mehr sogar als die Düsseldorfer Stadtsparkasse mit „Unterstützt eure Lieblingsorte“ bietet. Und: 20.000 Euro sind laut Engelhardt bislang an die Unternehmen geflossen. „Wir haben mit nichts gerechnet. Und jetzt ist ein Betrag herausgekommen, auf den wir stolz sein können.“