Wie das Start-Up Ampido das Parkproblem lösen will

Dauerärgernis in Düsseldorf : Löst neue Technik das Parkproblem?

Die Stadt will das Parken in Wohnvierteln besser organisieren und dabei auch neue Konzepte ausprobieren. Das Kölner Start-Up Ampido war schon im Rathaus zu Gast – und will auch die Supermarktparkplätze zugänglich machen.

Die Stadtspitze will das Durcheinander beim Parken in vielen Wohnvierteln angehen – bis jetzt wird vor allem über Gebühren und Kontrollen gesprochen. Verkehrsdezernentin Cornelia Zuschke kündigt aber auch an, nach zusätzlichen Parkplätzen für die Anwohner zu suchen.

Düsseldorf will dabei neue Wege gehen, heißt es. So könnten etwa Parkplätze von Supermärkten oder städtischen Einrichtungen außerhalb der Betriebszeiten zur Verfügung gestellt werden.

Das wird allerdings nur gehen, falls sich praktische Bedenken ausräumen lassen. Ein Name, der dabei immer wieder fällt, ist Ampido. Das Kölner Start-Up, nach eigenen Angaben die führende Parkplatz-App, hat sich bereits im Rathaus vorgestellt – und ist ein Beispiel dafür, wie die Unternehmen denken, die mit digitalen Mitteln das Thema anpacken wollen.

Zuschke zeigt sich offen für Partner aus der Privatwirtschaft. An Ideen mangelt es nicht: Es gibt zahllose weitere Park-Apps mit verschiedenen Konzepten, der Markt gilt als zukunftsträchtig.

Yasotharan Pakasathanan (35), Mit-Gründer und Geschäftsführer von Ampido, sagt, sein Unternehmen werde niemals selbst einen Parkplatz bauen. Sein Geschäft ist die Vermittlung – die sich für beide Seiten lohnen soll. Parkplatz-Anbieter können Geld verdienen.

Die ursprüngliche Idee von Ampido war, ein Gegenstück zu AirBnB zu schaffen: Privatleute vermieten ihre Stellplätze, zum Beispiel, während sie bei der Arbeit sind. Inzwischen hat Ampido auch größere Flächen im Angebot, in Düsseldorf etwa den Parkplatz des Ex-Telekom-Gebäudes an der Moltkestraße. Bis dort gebaut wird, verschafft der Parkplatz dem Eigentümer Einnahmen.

Für die Autofahrer will Ampido vor allem Verlässlichkeit bieten: Wer über die App bucht, erspart sich die Suche. Dafür werden Kosten fällig, die sich nach dem Standort richten: Eine Stunde an der Moltkestraße kostet einen Euro, der Tag schlägt mit zehn Euro zu Buche. Der Monat kostet 80 Euro.

Ampido bietet auch günstigere Anwohner-Dauertickets für die Nacht und Pendler-Tickets für den Tag – eine bessere Auslastung von Parkplätzen gehört zu den großen Chancen von digitalen Modellen. Einen Automaten vor Ort oder Papiertickets gibt es nicht.

Durch die persönliche Buchung seien die Kunden zuverlässig, sagt Pakasathanan. „99,9 Prozent fahren weg, wenn die Parkzeit abgelaufen ist.“ Ampido lässt aber auch kontrollieren. Wer falsch parkt, wird abgemahnt und irgendwann abgeschleppt. Das sei aber nicht das Geschäftsmodell. „Wir verdienen nicht an den Falschparkern.“

Ampido vermarktet nach eigenen Angaben mehr als 11.000 Parkplätze unter anderem auch in München, Berlin, Hamburg, Amsterdam und Paris. Der Gründer sieht viel Potenzial für Parkraum in Großstädten, dazu gehören auch Büro-Immobilien am Abend und am Wochenende oder Tiefgaragen von Wohn-Immobilien in der Nacht.

Und natürlich auch die Parkplätze von Supermärkten und anderen Händlern. Das geht praktisch durch  eine Schranke, die sich mit der App öffnen lässt, sagt der Gründer.  Das garantiere den Nutzern ihren Parkplatz – und den Händlern die Kontrolle. Aus seiner Sicht winkt für die Händler auch ein Image-Gewinn. „Die leeren Flächen wirken auf die Anwohner wie ein Burger, wenn man Hunger hat.“ Allerdings ist offenbar Überzeugungsarbeit nötig: Die Gespräche zwischen Stadt und Händlern sollen sich bislang schwierig gestalten, die Skepsis ist groß.

Der Ampido-Gründer – der über Umsatz und Gewinn schweigt – denkt schon weiter: Mit der App lässt sich auch vieles anderes vermakeln, von E-Ladesäulen bis zu Park-and-Ride-Plätzen am Stadtrand. Auch eine Förderung von Fahrgemeinschaften wäre durch günstigere Parkplätze möglich – so könnte die App helfen, den Verkehr zu reduzieren.

Nur Autofahrer vertreiben hilft nicht weiter, meint unser Redakteur Arne Lieb. Lesen Sie hier seinen Kommentar.

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