Widerstand gegen Tetelberg-Bebauung in Düsseldorf

Bauen in Düsseldorf : Widerstand gegen Tetelberg-Bebauung

Jury kürt den Entwurf der Dichter Architekturgesellschaft aus Berlin zum Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs.

Enttäuschung, Ärger, ja kaum zu unterdrückende Wut machte sich breit. Die meisten der mehr als 100 Besucher des Abschlusskolloquiums des städtebaulichen Wettbewerbs „Südlich Auf‘m Tetelberg“ waren mit den fünf vorgestellten städtebaulichen und landschaftsplanerischen Entwürfen eher unzufrieden. „Im Grünordnungsplan der Stadt Düsseldorf heißt es: Grünflächen, Gärten und Parkanlagen, Natur und Landschaft sind in ihrer ökologischen, (stadt)klimatischen, kulturhistorischen, gestalterischen und nutzungsbezogenen Funktion zu erhalten, zu sichern und zu entwickeln. Freiflächen- und Stadtentwicklung sind untrennbar miteinander verknüpft. Freiraum-Ressourcen sind Voraussetzungen für das qualitativ hochwertige Wachsen der Stadt, das gleichzeitig erhöhte Anforderungen an die verbleibenden Freiraumpotenziale stellt“, zitiert Daniel Conrad. „Aber in den vorgestellten Entwürfen wird keine Rücksicht auf Bestehendes, auf über Jahrzehnte gewachsene Natur- und kulturelle Strukturen genommen.“

Damit meint Konrad die bestehende Kleingartenanlage im zu überplanenden Gebiet, den Ponyhof „Fafas Ponyranch“, die Natur- und Kulturoase „Datscha“ und das Kulturlabor des Bildhauers Klaus Wagenbach. In vier der fünf Architektenentwürfe ist davon nach Fertigstellung der 400 bis 500 Wohneinheiten nichts mehr übrig. „Wenn es nur noch ums Wohnen geht, wenn alles zugebaut wird, fragt man sich doch, warum man noch hier leben sollte“, so Conrad. Er ist Sprecher der Bürgerinitiative Tetelberg, die sich nach dem Auftaktkolloquium für das Bauvorhaben gebildet hatte. „Gewachsene Strukturen, 50, 60 Jahre alte Bäume lassen sich nicht ersetzen. Dessen sollten sich alle bewusst sein“, ergänzt Wagenbach.

Alle Architektenentwürfe lassen nahezu den kompletten Autoverkehr in der Peripherie des neuen Wohnquartiers in Tiefgaragen verschwinden, so dass Fußgänger und Radfahrer die kaum vorhandenen Straßen im Inneren beherrschen. Alle Architektenentwürfe erschließen das Quartier vom Tetelberg und der Volmerswerther Straße aus. Das führte zu Kritik. „Wieso werden die Völklinger Straße und der Südring vollständig außen vor gelassen?“, fragte Heidi Hofmann.

Der Siegerentwurf des Berliner Büros. Foto: Dichter Architekturgesellschaft/Büros Dichter Architekturgesellschaft

Es machte sich das Gefühl breit, dass viele der Architekturbüros die nach dem Auftaktkolloquium formulierte Aufgabenstellung nicht gut genug gelesen haben. Im Auftaktkolloquium hatten die Bilker bereits vehement auf den Erhalt des Bestandes gedrungen.

Und doch gibt es inzwischen einen Preisträger des städtebaulichen Wettbewerbs. Die Jury unter dem Vorsitz von Johannes Ringel stimmte mit großer Mehrheit für den Entwurf des Büros Dichter Architekturgesellschaft aus Berlin. „Der Entwurf besticht durch eine mäandrierende Bebauung, die angemessen auf die jeweilige Umgebung und die unterschiedlichen Nachbarschaften des neuen Quartiers reagiert. Eine besondere Stärke des Konzepts ist auch der im Süden geschaffene großzügige Quartierspark, der vorhandenes Grün erhält und Platz für kreative Nutzungen offen hält“, so die Begründung. „Der weitere Planungsprozess auf Grundlage der Entwürfe wird noch einmal die Überlegungen der Bürgerschaft reflektieren“, versichert Ruth Orzessek-Kruppa, Leiterin des Stadtplanungsamtes.

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