Wespen in Düsseldorf: So wirkt sich die Wespen-Plage 2018 auf Unternehmen aus

Insektenplage in Düsseldorf: „Die Scheiben, die Auslagen, überall saßen Wespen“

Es gibt zu viele Wespen in diesem Sommer. Viel zu viele. Weil die Tierchen Süßes lieben, haben vor allem Bäckereien, Eisdielen und Obststände mit der Plage zu kämpfen - wir haben uns dazu in Düsseldorf umgehört.

Wer in diesen Tagen bei Sonnenschein seine Mittagspause oder den Kaffee im Freien genießen will, der überlegt sich das gleich zweimal. Kaum hat man es sich draußen gemütlich gemacht, schwirren Wespen herum. Zwar gilt der August ohnehin als „Wespenmonat“, in diesem Jahr gibt es aber wegen der anhaltenden Hitze besonders viele von ihnen. Vor allem auf Süßes haben es die Tiere abgesehen. Das bekommen besonders Bäckereien zu spüren.

„Dieses Jahr ist es viel schlimmer als sonst. Ich bin auch schon gestochen worden“, klagt Petra Hinkel von der Bäckerei Hinkel am Rathaus in Düsseldorf. „Vergangene Woche hatten wir zwei ganz besonders schlimme Tage - die Scheiben, die Auslagen, überall saßen die Wespen.“ Die Angestellten hätten alle möglichen Tricks versucht, sogar Kaffeepulver verbrannt. „Es hat ziemlich gestunken, gebracht hat alles nichts.“

Die Verkäuferin am Limonadenstand vor dem Kaufhof an der Kö ist zwar noch nicht gestochen worden, hat aber ein anderes Problem mit den Wespen: „Wenn eine in die großen Limonadenbehälter fliegt, müssen wir alles wegschütten“, sagt sie. Einen besonderen Trick zur Abwehr habe sie nicht. „Ich wedel einfach mit meinem Tuch.“

Ingrid Walodis hat am Obststand auf dem Carlsplatz Muscat-Weintrauben als Wespenköder ausgelegt - mit Erfolg. Foto: RP/Christoph Schroeter

Richtig ans Geld geht die Plage der Eisdiele „Vecchio“ an der Marktstraße. Bedienung Hanane Boutrha sagt, eigentlich müssten um die Mittagszeit bei diesem Wetter draußen alle Tische besetzt sein. Doch dort sieht man noch viele freie Plätze. „Die Wespen sind schlecht für unser Geschäft“, klagt sie. Mindestens viermal so viele seien es in diesem Jahr, wirft ihr Kollege ein. „Wir haben alles mögliche versucht, Nelken angezündet, Kaffee angezündet, Teebaumöl hingestellt - alles nutzlos“, klagt Boutrha. Die Eisdielen-Wespen scheinen übrigens wählerisch zu sein: „Sie stehen besonders auf Bitter Lemon und unseren Amarena-Becher.“

Wählerisch sind die gelb-schwarzen Flieger auch an dem Obststand auf dem Carlsplatz, an dem Ingrid Walodis arbeitet: „Wir haben ein Riesenproblem mit den Weintrauben. Die Wespen stehen besonders auf die Muscat-Weintrauben, das sind die teuersten“, sagt Walodis. Sie hat ein paar Reben der Sorte als Köder ausgelegt. Und tatsächlich sind die Trauben übersät mit Wespen, die sich in die Früchte hineinfressen. „Natürlich verkaufen wir die jetzt nicht mehr.“ Es sei in diesem Sommer „viel, viel schlimmer“ als in den Vorjahren.

Wespen abwehren: Passanten erklären, wie sie Wespen vertreiben

Gummibären und andere Süßigkeiten, darauf müssten die Tiere doch abfliegen. Heike Lambertz kann jedoch nicht klagen. Sie verkauft die Leckereien bei Bärenland in der Berger Straße. „Natürlich kommen die hier mal rein, aber keine Massen.“ Das liege vielleicht daran, dass der Laden nur zwei kleine Oberlichter hat. „Die paar, die sich hierher verirren, jage ich dann mit der Hand raus“, sagt Lambertz.

Ganz entspannt sieht Wurstverkäufer „Schinken-Toni“ die Plage: „Natürlich gibt es viele Wespen, aber das ist ja auch gut für die Natur.“ Dass so wenige der Tiere an seinem Stand auf dem Carlsplatz herumschwirren, liege wohl auch an seinem Nachbarn: „Der verkauft Weintrauben.“ Bei ihm würden die Wespen gekochten Schinken und weiche Mettwürstchen bevorzugen, sagt das Carlsplatz-Original.

Klimaanlagen helfen in Bäckerei

„Wir haben dieses Jahr in unseren Filialen definitiv mehr mit Wespen zu kämpfen als in den vergangenen Jahren“, sagt ein Sprecher der Bäckereikette „Terbuyken“. Zwar versuche man den Tieren so gut es geht entgegenzuwirken, aber für die Mitarbeiter sei die Situation sehr unangenehm.

Die Bäckereikette hat alle Filialen mit elektrischen Wespenfallen ausgestattet. Aber auch die Fallen werden durch die zahlreichen Tiere in Mitleidenschaft gezogen. „In Bezug auf die Geräte hatten wir dieses Jahr einen deutlich erhöhten Wartungs- und Austauschbedarf“, sagt der Sprecher.

Zusätzlich würden in den Bäckereien Zuckerlösungen aufgestellt, damit sich die Wespen im Idealfall nicht im Thekenbereich aufhalten. Falls dann doch einmal ein Tier sticht, habe man für die Mitarbeiter Wund- und Brandgels bereit gelegt.

Den Grund für die vielen Wespen im Sommer 2018 sehen Experten in den Witterungsbedingungen: Durch die anhaltende Hitze im Sommer sind die Populationen enorm gewachsen. Die sogenannte Schafskälte im Juni, die früher oft die Wespen-Population verringerte, blieb 2018 aus. Auch gab es keine Überflutungen. Diese Bedingungen führten laut Naturschutzbund Deutschland (Nabu) dazu, dass die Nester groß wurden und besonders viele Wespen durchkamen.

Was Sie selber gegen die Wespenplage tun können, lesen Sie hier.

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