Mord im Florapark: Wer erstach Hans, den "Professor"?

Mord im Florapark : Wer erstach Hans, den "Professor"?

In seinem früheren Leben war er Lehrer. An einer Grundschule, glauben die Kumpels, mit denen Hans-Joachim Will jeden Tag im Florapark saß. Genau wissen sie es nicht. Bloß, dass der "Professor", wie sie ihn nannten, weil er so klug und beredt war, "ein netter Kerl war. Der hatte keine Feinde".

Er muss einen gehabt haben. Mit 26 heftigen Stichen hat jemand Will am späten Samstagabend so schwer verletzt, dass er in einem Gebüsch im Florapark verblutet ist. Ein Verbrechen, dessen Brutalität auch Mordermittler Dietmar Wixfort überrascht. Blutspuren hat die Spurensicherung rund 40 Meter von der Leiche entfernt auf einer Parkbank gefunden. Ob Will flüchten wollte oder sein Mörder ihn an den Teich geschleift hat, ist unklar. Ein Hund hatte den Toten am Sonntagmittag entdeckt. Das Tier schlug am Gebüsch an, genau, wie es das in der Nacht zuvor getan hatte. Seine Besitzerin, die dem Bellen in der Nacht keine Bedeutung zugemessen hatte, schaute nun nach und entdeckte den blutüberströmten Leichnam mit nacktem Oberkörper. Der Tote konnte erst gestern identifiziert werden, nicht zuletzt, weil auch sein Gesicht schwer verletzt worden war. Sein Hemd wurde in der Nähe gefunden - es war unbeschädigt.

Ein unbescholtener Mann

Die Florapark-Szene: So nennt die Polizei jene Gruppe von Menschen aus dem Viertel, die sich dort zum Trinken treffen, das Wenige, das sie zu verlieren haben, in Plastiktüten mit sich tragen, die einander nur beim Vornamen kennen und dennoch mehr oder weniger ihre gesamte Zeit miteinander verbringen. Aus dieser Szene kam ein vager Hinweis auf den schwarzhaarigen Hans, der Sonntag nicht wie jeden Morgen im Park gewesen war. In seiner Wohnung am Fürstenwall fand die Polizei Fingerspuren des Toten - so wurde er identifiziert. "Bei uns hatte er keine Akte. Er war ein unbescholtener Mann", so Wixfort. Der Mordermittler hält für möglich, dass Will am Samstagabend im Park, womöglich angetrunken, in einen Streit verwickelt worden ist, der eskalierte. Es könnte aber auch ganz anders gewesen sein. "Wir stehen erst am Anfang."

Im Park trauern die Kumpels um einen der ihren. Der beliebte "Professor", sagen sie, sei abends nie lange geblieben, spätestens um 20Uhr nach Hause gegangen. Für Hinweise, die helfen das Geschehen von diesem Samstagabend aufzuklären, hat die Staatsanwaltschaft gestern eine Belohnung von 1500Euro ausgelobt.

Hinweise unter Telefon 0211-8700

(RP)
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