Schiedsmänner als Streitschlichter: Wenn Nachbars Garten wuchert

Schiedsmänner als Streitschlichter : Wenn Nachbars Garten wuchert

Viele Menschen kennen das Problem: Wenn die Pflanzen des Nachbarn über den Zaun wachsen, gibt es Zoff. Doch was soll man tun, wenn es Streit wegen hoher Bäume, Unkraut oder einem vermüllten Garten gibt? Der Gang zum Richter lohnt sich nicht, weil das Verfahren in fast allen Fällen eingestellt wird, meint Jürgen Hupperts. Der frühere Verwaltungsbeamte empfiehlt, sich an einen Schiedsmann zu wenden.

Unter dem Motto "schlichten statt richten" haben Streithähne jeden ersten Donnerstag im Monat die Möglichkeit, ihre Probleme außergerichtlich zu lösen. Auch heute liefen die Drähte beim "Recht Special" von Call NRW und Justizministerium Düsseldorf wieder heiß. "Da haben bestimmt 200 Leute mit verschiedenen Problemen angerufen", so Hupperts, der gemeinsam mit vier weiteren Schiedsmännern und -frauen am Telefon saß.

"Der Eine beschwert sich über zu hohe Bäume, der andere über Unkraut. Auch Grillen ist immer ein beliebtes Streitthema", sagt Hupperts, der bereits seit mehr als 30 Jahren als Schiedsmann fungiert: "Es gibt immer unterschiedliche Beeinträchtigungen. Beim Grillen liegt es an der Nase jedes Einzelnen. Und solange man sich mit seinem Nachbarn einig ist, ist das kein Problem."

Jedoch sind sich längst nicht alle Nachbarn immer einig. Dennoch rät Hupperts davon ab, mit solchen Fällen zum Gericht zu laufen. Erstens "wird die ganze Angelegenheit dann teuer", wie er erklärt, zweitens bleiben die Kläger meist ohne Erfolg. "Die Erfolgsquote von Schiedsmännern und -frauen liegt über 50 Prozent. Davon können unsere Richter nur träumen", sagt er.

Aber was macht einen Schiedsmann eigentlich aus? Klar, "ein bisschen juristische Vorahnung ist schon wichtig, um den Streit besser schlichten zu können", sagt Hupperts. Aber nötig ist diese nicht. Wer Schiedsmann werden will, muss lediglich 30 Jahre alt sein und "ein bisschen Lebenserfahrung mitbringen", so Hupperts.

Viel wichtiger ist nach Ansicht des Monheimers "der gewisse Charme. Schiedsmänner sind nicht nur da, um einen Streit zu schlichten. Sie sollen die beiden Parteien auch wieder zueinander bringen. Dabei kommt es stark auf den gesellschaftlichen Aspekt an", so Hupperts.

Geld bekommt Hupperts für sein Amt nicht. "Das ist alles ehrenamtlich", sagt er und weiß um den Vorteil von Call NRW: "Call NRW ist ein guter Versuch, das Schiedsamt zu entlasten."

Dabei ist das Projekt in Nordrhein-Westfalen bislang einzigartig in Deutschland. Überhaupt werden solche Streitfälle nur in zwölf der 16 Bundesländer vorgerichtlich gelöst. Bayern, Bremen, Hamburg und Baden-Württemberg verzichten auf Schiedsmänner.

Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen.

Hier geht es zur Infostrecke: Tipps fürs richtige Grillen