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Wenn Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel Business fliegt, dürfen es alle

Debatte nach Flug mit Privatjet : Fliegt Düsseldorfs OB Geisel Business-Klasse, dürfen es alle

Welche Regeln geben sich Stadt und Unternehmen beim Reisen? Interessant ist, was Geisel zum Flug in der First Class sagt.

Oberbürgermeister Thomas Geisel fliegt mit drei Begleitern im Privatjet von London nach Düsseldorf. Kosten: knapp 7000 Euro. Diese Nachricht hatte zum Wochenanfang für Diskussionen gesorgt. Geisel hatte im Januar in Großbritannien den Vertrag für die Invictus Games unterschrieben und versucht, am Abend rechtzeitig für den Festakt zu 50 Jahren Schauspielhaus wieder in Düsseldorf zu sein. Ein einmaliger Vorgang in Geisels Amtszeit, der die Frage aufwirft, wie die Linie der Stadtspitze bei Reisen aussieht.

Der Oberbürgermeister  steuert in Begleitung  mehrerer Mitarbeiter immer wieder Fernziele an. Im Herbst ging es etwa nach Tokio. Die Düsseldorfer Delegation reiste komplett in der Business-Klasse. „Wenn ich Business fliege, tun das alle“, sagt Geisel, „da gibt es keine Zweiklassengesellschaft“. So habe er auch bei seinen früheren Arbeitgebern Treuhand und Eon/Ruhrgas gehandelt. Ist er auf Ferneisen nicht dabei, können Mitarbeiter anfragen, ob sie in der teureren Klasse fliegen dürfen. Der OB zeichnet dies ab, wenn beispielsweise gleich nach der Ankunft ein Tag mit vielen Terminen ansteht.

Die Reisekosten richten sich grundsätzlich nach dem Landesreisekostengesetz in Verbindung mit der „Auslandsreisekostenerstattungsverordnung“, heißt es aus dem Rathaus. Das bedeutet, dass gemäß dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit des öffentlichen Dienstes zu handeln ist und in der Regel die niedrigste buchbare Klasse genutzt werden soll. Für die nächst höhere Klasse muss es triftige Gründe geben.

Für Flüge in Deutschland und Europa bucht die Stadtverwaltung die Economy-Klasse. Nach Frankfurt wird nicht geflogen, sondern ein Zugticket gelöst. Bei Berlin-Dienstreisen kommt es auf den Einzelfall an. Die First Class im Flieger ist für Geisel  tabu. „First Class ist nach meiner Überzeugung nur etwas für Selbstzahler.“

Bei den Stadttöchtern Messe und Flughafen sieht die Regelung genauso aus.  Innereuropäisch wird  „Economy“ gebucht, sofern die Bahn keine sinnvolle Alternative ist. Für interkontinentale Flugreisen darf „Business“ gebucht werden.

Der Henkel-Konzern hat eine Reiserichtlinie, die für alle Mitarbeiter weltweit verpflichtend ist. Gemäß dieser müssen alle Flüge mit einer tatsächlichen kumulierten Flugzeit von weniger als sechs Stunden (ohne Berücksichtigung einer Zwischenlandung) in der Economy-Class gebucht werden. Für längere Flüge ist die Business-Class möglich.

Beim Termin in London am 16. Januar war auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer dabei. Sie flog mit elf Begleitern in einem Jet der Flugbereitschaft der Bundeswehr, die Global 5000 war komplett besetzt. Zur Höhe der Kosten machte das Verteidigungsministerium keine Angaben.