Welt-Aids-Tag 2018 in Düsseldorf

Aids-Hilfe-Düsseldorf : Aids ist in Deutschland gut behandelbar

„Wer sich infiziert hat und das schnell erfährt, kann ein weitgehend normales Leben führen“, sagt Peter von der Forst, Geschäftsführer der Aidshilfe Düsseldorf.

Die jahrelangen intensiven Bemühungen um Prävention und Schutz haben sich ausgezahlt. Aids ist in Deutschland heute gut behandelbar. Vorausgesetzt, die Krankheit wird frühzeitig entdeckt.

„Wer jetzt infiziert wird, das schnell erfährt und zügig eine Therapie bekommt, kann ein weitgehend normales Leben führen und mit etwas Glück so alt werden wie jeder gesunde Mensch“, erläutert Peter von der Forst, Geschäftsführer der Aidshilfe Düsseldorf. Moderne Kombinationsmedikamente machen es möglich, das Virus so zu unterdrücken, dass es kaum oder gar nicht mehr im Körper messbar ist. „Durch diese effiziente Behandlung ist der Betroffene in aller Regel sexuell und auch sonst nicht mehr infektiös“, versichert Peter von der Forst.

Dennoch handelt es sich bei Aids um einen trügerischen Frieden. Experten sprechen von einer Präventionsfalle. Seitdem die Krankheit nicht mehr tödlich verläuft, rückt das Thema zunehmend in den Hintergrund. „Die gesellschaftliche Akzeptanz hat sich verbessert, Aids wird durch konsequente Aufklärung nicht mehr als derart starke Bedrohung betrachtet“, sagt Peter von der Forst. Er warnt aber davor, das Problem als gelöst zu betrachten und die Anstrengungen zur Aids-Bekämpfung herunterzufahren. „Das wird wahrscheinlich daneben gehen“, befürchtet er. Das Erschreckende bei den rund 3000 HIV-Neuinfektionen pro Jahr in Deutschland: Mehr als ein Drittel der Betroffenen weist bereits ein Aids-Vollbild auf, weil die Tests viel zu spät gemacht wurden. „Das bedeutet, dass 1000 Menschen bereits erkrankt und mit massiven gesundheitlichen Einschränkungen konfrontiert sind. Es schließt aber auch ein, dass sie nichts davon wissen und Gefahr laufen, andere anzustecken.“ Solche Fälle („late presenter“) kommen in Düsseldorf immer wieder vor. Die Not ist groß, wenn jemand mit unklaren Symptomen jahrelang von Arzt zu Arzt läuft, aber keine richtige Diagnose erhält. Viele Betroffene verdrängen ihre Beschwerden, aus Angst vor der Wahrheit. Besonders auf dem Land ist der Umgang mit der Infektion bis heute ein Tabu. Und selbst wenn so manche Vorurteile abgemildert sind, sitzen die Bilder von Sterben und Tod noch in den Köpfen. Und leider hapere es auch bei Ärzten manchmal noch immer an der Weitsicht, an Aids zu denken und mit ihren Patienten ein Gespräch darüber zu führen, weiß Peter von der Forst.

Dabei ist der Zugang zu einem HIV-Selbsttest („Exacto“ und weitere Produkte) ganz einfach. Seit Oktober 2018 bietet ihn die Aidshilfe für 20 Euro an. Auf Wunsch kann er mit einem Berater vorgenommen werden. Auch in Apotheken und im Online-Handel ist der Test jetzt erhältlich. Gewiss eine Hilfe für Menschen, die sich nicht in Beratungsstellen trauen oder sich, auch das gibt es, nicht auf die Diskretion ihres Arztes verlassen wollen.

An Rede- und Diskussionsbedarf habe Aids trotz der guten Behandelbarkeit deshalb nicht abgenommen, macht Peter von der Forst deutlich. Noch immer kommt es vor, dass Ärzte eine Behandlung verweigern. Noch immer wird hinter dem Rücken der Betroffenen getuschelt. In einigen Fällen ist der Arbeitsplatz in Gefahr. Zurückweisung und Ausgrenzung wiegen für viele Infizierte schwerer als die Krankheit selbst und ihre gesundheitlichen Folgen. „Wir alle können ohne Angst miteinander leben, aber wir sollten offen über das Thema und seine gesellschaftliche Relevanz sprechen“, appelliert Peter von der Forst. Die Aidshilfe leistet tagtäglich Aufklärung, geht in Krankenhäuser, in die Drogen- und Prostituiertenszene. Wer infiziert sei, müsse wissen, dass er lebenslang auf Medikamente angewiesen und eine sorgfältige Einnahme unerlässlich ist. Und sich überlegen, wie er im Freundes- und Bekanntenkreis damit umgeht. Die Düsseldorfer Aktivitäten rund um den Weltaidstag am 1. Dezember können dabei nützlich sein.

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