1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Schiffsverbindung eingestellt: Weiße Flotte - Streit spitzt sich zu

Schiffsverbindung eingestellt : Weiße Flotte - Streit spitzt sich zu

Die Stadtverwaltung reagiert zunehmend verärgert auf die Vorwürfe von Weiße-Flotte-Chef Michael Küffner, der sich als Opfer übertriebener Bürokratie sieht und deshalb die traditionsreiche Schiffsverbindung zwischen Altstadt und Kaiserswerth eingestellt hat.

"Seine Äußerungen sind völlig überzogen", sagt Stadtsprecherin Natalia Fedossenko. Es dränge sich der Eindruck auf, Küffner habe ohnehin vorgehabt, die unwirtschaftliche Linie aufzugeben. "Jetzt will er uns den Schwarzen Peter zuschieben."

Küffner hatte die Verbindung in der vergangenen Woche überraschend gestrichen, weil er sich schikaniert fühlt durch zahlreiche Amtsverfahren. So fordert ihn die Stadt unter anderem auf, Fahnenmasten und Werbeschilder rund um den Weiße-Flotte-Einstieg am Unteren Rheinwerft zu entfernen, die dort zum Teil seit Jahrzehnten stehen. Am Samstagabend fuhr zum vorerst letzten Mal ein Schiff auf der Linie.

Viele Besucher am gut gefüllten Rheinufer in der Altstadt reagierten gestern enttäuscht, weil die Schiffe nach Kaiserswerth nicht fuhren — die Weiße Flotte nutzte die Gelegenheit, weiter in eigener Sache zu trommeln. Ticket-Verkäufer Jürgen Grundmann zeigte Presseartikel zu dem Streit herum und erklärte über ein Mikrofon, "Büroklammer-Artisten" seien schuld, dass die Schiffe nicht mehr auslaufen könnten.

Bei der Stadt will man sich solche Vorwürfe nicht weiter gefallen lassen. Man habe wegen vieler Beschwerden tätig werden müssen, sagt Sprecherin Fedossenko. Vor allem die Heimatvereine Düsseldorfer Jonges und Alde Düsseldorfer hätten sich über die Aufbauten an dem Rheinwerft beklagt — die Vereine sind schon länger unzufrieden mit der Entwicklung des stadtgeschichtlich bedeutsamen Altstadt-Ufers zu einer Party- und Touristenmeile. Dazu habe es Beschwerden von Anwohnern gegeben. Die Weiße Flotte habe einen Anhörungsbogen erhalten und könne sich auf diesem Weg äußern. "Wir lassen uns nicht durch öffentliche Ankündigungen unter Druck setzen", sagt Fedossenko.

Schon zu Beginn der Saison hatte die Weiße Flotte auf dem Fahrplan mitgeteilt, dass 2012 vielleicht das letzte Jahr der Verbindung sein werde — eine Mehrwertsteuererhöhung belaste die Linie zusätzlich. Den Auslöser für die Streichung sieht Küffner aber im Streit mit der Stadt.

(RP/jco)