Wehrhahn-Prozess in Düsseldorf: Staatsanwalt Ralf Herrenbrück stellt neue Anträge

Anschlag in Düsseldorf: Staatsanwaltschaft stellt neue Beweisanträge im Wehrhahn-Prozess

Ein Urteil im Prozess um den Düsseldorfer Wehrhahn-Anschlag ist in weite Ferne gerückt. Die Staatsanwaltschaft hat am Dienstag neue Beweisanträge gestellt, die in dem Prozess die Wende bringen sollen.

Das Landgericht hatte nach rund viermonatiger Beweisaufnahme gegen einen 52-jährigen Ex-Soldaten bereits signalisiert, dass es kurzfristig zum Urteil kommen könnte. Doch Dienstag präsentierte der Staatsanwalt einen Packen neuer Beweisanträge. Darin forderte er auch, nach einem seit Jahren spurlos  untergetauchten Ex-Söldner zu fahnden, der „zur Überführung des Angeklagten beitragen“ könnte. Die Strafkammer will zunächst eine Denkpause einlegen, hat aber bereits weitere Prozesstermine bis Anfang August benannt.

Der in seinem Viertel als extrem fremdenfeindlich bekannte Angeklagte hatte stets bestritten, mit der Explosion einer Rohrbombe zu tun zu haben, durch die im Juli 2000 zehn Mitglieder einer zwölfköpfigen Gruppe von überwiegend jüdischen Sprachschülern teils schwer verletzt wurden. Das Landgericht hatte nach mehrmonatigem Prozess sogar die Freilassung des Angeklagten aus der U-Haft veranlasst. Die Kammer ließ verlauten, sie gehe aktuell nicht mehr von einem dringenden Tatverdacht gegen den 52-Jährigen aus.

Dem dadurch indirekt angekündigten Freispruch für den Angeklagten trat Staatsanwalt Ralf Herrenbrück energisch entgegen. Mit insgesamt 18 neuen Anträgen hat er die Vernehmung neuer und die erneute Vernehmung bereits gehörter Zeugen zu verschiedenen Aspekten gefordert.

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Die Kammer hatte etwa als entlastend gewertet, dass es zwischen dem Angeklagten und den Opfern  zuvor nie zu einem beweisbaren Konflikt gekommen. Der Staatsanwalt  hat nun fünf Zeugen dafür benannt, dass es zwischen dem Ex-Soldaten und der Sprachschule gegenüber seinem Militarialaden an der Ackerstraße zu verschärften Auseinandersetzungen gekommen sei. Dem will das Gericht jetzt wohl nachgehen.

Weniger Chancen hat der Staatsanwalt wohl mit seiner weiteren Forderung nach der intensivierten Fahndung nach dem Ex-Söldner als Kronzeugen oder danach, einen hartnäckig schweigenden Ex-Mithäftling  des Angeklagten doch noch zur Aussage zu bewegen. Dieser frühere Mitgefangene des Angeklagten hatte nämlich erklärt, ihm habe der Ex-Soldat den Wehrhahn-Anschlag gestanden und ihm auch Mordpläne gegen den hiesigen Staatsanwalt offenbart. Ob die Kammer diesen Anträgen aber nachgehen will, die der Staatsanwalt für „bedeutsam“, „entscheidungserheblich“ oder sogar „entscheidend“ hält – das bleibt bis zum nächsten Prozesstag in einer Woche offen.

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