Wehrhahn-Anschlag in Düsseldorf: Angeklagter soll Zeugin verfolgt haben

Prozess um Düsseldorfer Wehrhahn-Anschlag: Angeklagter soll Zeugin verfolgt haben, neuer Belastungszeuge schweigt

Erhebliche Verwirrung beim Prozess um den Wehrhahn-Anschlag: Ein neuer Belastungszeuge will plötzlich doch nichts sagen. Zudem behauptete die Ex-Frau des Angeklagten, dessen Anwalt habe sie quer durch die Stadt verfolgt.

Die Ex-Frau des Angeklagten hatte den 52-Jährigen als Zeugin erheblich belastet – und war angeblich aus Angst auch nicht bereit gewesen, ihren neuen Wohnort zu verraten. Doch nach dem Prozesstag soll ihr einer der drei Pflichtverteidiger des Angeklagten in seinem Auto und mit dem Ex-Soldaten auf dem Beifahrersitz minutenlang gefolgt sein.

Das bestritt der Anwalt, für ihn sei die Begegnung der beiden Autos bei der Abfahrt vom Gericht in Oberbilk nur Zufall gewesen, die Zeugin wohl ein Opfer von „Verfolgungswahn“. Ob das diesen Advokaten aber sein Mandat im Wehrhahn-Prozess kostet, wie ein Opfer-Anwalt wegen angeblich „schwerer Pflichtverletzung“ forderte, ist offen.

Neuer Zeuge schweigt vor Gericht

Sicher ist dagegen, dass ein als neu angekündigter Kronzeuge (46) nicht ein einziges Wort gesagt hat. Der Mann, der wegen einer Geiselnahme in Krefeld in U-Haft sitzt, hatte zuvor ungeheuerliche Enthüllungen angekündigt.

  • Prozess um Wehrhahn-Anschlag in Düsseldorf : Angeklagter lebt seit Freilassung angeblich im Wald
  • Wehrhahn-Prozess in Düsseldorf : Neuer Zeuge berichtet von Geständnis in U-Haft

In der U-Haft habe der Ex-Soldat ihm gestanden, dass er vor fast 18 Jahren eine selbstgebastelte Rohrbombe am S-Bahnhof Wehrhahn gezündet, zehn Mitglieder einer überwiegend jüdischen Sprachschülergruppe teils schwer verletzt habe. Vor Gericht bestreitet der 52-Jährige jede Schuld am Anschlag.

Doch zudem soll der Angeklagte laut dem Kronzeugen angekündigt haben, den Staatsanwalt in diesem Indizienprozess umzubringen. Nach RP-Informationen hatte der Ex-Mithäftling um Vertraulichkeit oder Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm gebeten – dann würde er Beweise für seine Enthüllungen liefern.

Als er nun aber die Vorladung als Zeuge erhielt und im Rollstuhl vorgeführt wurde, war aus ihm kein Wort herauszubringen. Dafür verhängte das Gericht bis zu sechs Monate Erzwingungshaft gegen ihn.

Ob und was der Zeuge aus der Haft weiß, bleibt daher unklar. Nach Notizen, die er über seine Gespräche mit dem angeklagten Ex-Soldaten angefertigt hatte und die später gefunden wurden, soll der Ex-Mithäftling sogar einen Suizidversuch hinter Gittern unternommen haben. Wie der Prozess jetzt weiter geht, zeigt sich am kommenden Dienstag.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Prozess zum Wehrhahn-Anschlag startet in Düsseldorf