Webvideopreis 2018 in Düsseldorf: So läuft die digitale Preisverleihung

Mit Public Viewing in Düsseldorf: Der Webvideopreis 2018 wird komplett digital verliehen

In diesem Jahr nimmt der Webvideopreis die Webvideos aus dem Web – und zeigt sie auf digitalen Werbeflächen in ganz Deutschland. Youtube- und Instagram-Stars sollen so bei der breiten Masse bekannt werden.

Im Internet gibt es nichts, was es nicht gibt. Dementsprechend vielfältig ist die Welt der Webvideos. Wo manche nur Schmink-Tutorials und Katzen-Content vermuten – nämlich bei Youtube, Instagram und anderen sozialen Netzwerken – gibt es mittlerweile alles zwischen Kunst und Kitsch.

Und so findet man unter den dreißig nominierten Filmchen des diesjährigen Webvideopreises ein Erklärvideo zu Fluorid in Zahnpasta; einen elf Minuten langen Episoden-Tanzfilm; den Trailer zu einer ehrenamtlich produzierten schwulen Webserie; eine Parodie auf sogenannte „Unpack-Videos“, nur dass in diesem Fall nicht eine Einkaufstüte, sondern ein Umschlag mit Briefwahlunterlagen auspackt und bestaunt wird; und das „unbefriedigenste Video, das je gemacht wurde“, in dem symmetrische Torten asymmetrisch zerschnitten und Klebeband unsauber abgerissen wird, so dass es beim Zuschauen richtig schön weh tut. Unter anderem.

Verliehen wird der Webvideopreis seit 2011 unter den Augen einer zunehmend interessierten Öffentlichkeit. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte die Begeisterung (oder, wie manche sagen würden, die Hysterie) im vergangenen Jahr, als hunderte vorwiegend junge Fans vor der Gala im ISS-Dome tausende Selfies von ihren Stars schossen wie bei einer Oscar-Verleihung. Ähnliche Szenen wird es in diesem Jahr nicht geben – und trotzdem soll nach dem Willen der Macher die Bühne noch größer sein als bisher. „Wo findet der Webvideopreis dieses Jahr statt?“, fragen sie provokant auf der Website des Events, und geben gleich die Antwort: „In (fast) ganz Deutschland.“

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Das funktioniert so: Seit dem 16. November sind die aus etwa 1000 Bewerbungen ausgewählten Videos ausschnittweise auf etwa 4000 Werbe-Bildschirmen zu sehen, wie sie in ganz Deutschland in Bahnhöfen, Flughäfen oder Einkaufszentren hängen. Möglich ist dieses Vorgehen, weil der Außenwerbungs-Vermarkter Ströer 2016 bei der veranstaltenden European Web Video Academy einstieg. Die Preisverleihung hat eine Uhrzeit, aber keinen Ort: Ab Freitag um 14 Uhr laufen die 30-Sekunden-Clips mit den Gewinnern sieben Tage lang. Anmoderiert werden die Clips von zwei Düsseldorfer Web-Größen – den Zwillingen Dennis und Benni Wolter, bekannt von ihrem Youtube-Kanal „World Wide Wohnzimmer“, selbst schon zwei Mal für den Preis nominiert.

Die Web-Videos wandern also aus dem Web in die weite Welt – und werden auch einem Publikum vorgespielt, das sich sonst vermutlich nicht in die Kanäle der Macher verirrt hätten. „Viele der Nominierten haben zwar Millionen von Abonennten auf Youtube oder Instagram“, sagt Markus Hündgen, einer der beiden Geschäftsführer der European Web Video Academy. „Aber dass ihre Videos auf Flächen laufen, auf denen auch meine Mutter sie sehen kann – das kannten sie bisher nicht.“ Wer die Videos in ganzer Schönheit bewundern will, kann das ebenfalls tun: am Freitag und Samstag im Hafenkunstkino (siehe Kasten).

Fünf der dreißig Videos werden ab Freitag ausgezeichnet. Die Gewinner wählt – wie bei den Oscars – die Academy, wobei auch Publikumsstimmen zu 50 Prozent einfließen. Die Academy besteht aus Nominierten und Gewinnern der Vorjahre. Für sich selbst stimmen ist verboten. Außerdem wählt das Publikum mit der „Person of the Year“ eine Art Volkshelden und die Europäische Union darf einen Sonderpreis für gesellschaftliche Verantwortung verleihen – an den Nominierten, der seine Aufmerksamkeit am wirkungsvollsten für das Gute einsetzt. Geld- oder Sachpreise gibt es nicht, dafür die härteste Währung des Internets: Aufmerksamkeit.

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