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Kolumne Mein Düsseldorf: Was tun mit Maria und Josef?

Kolumne Mein Düsseldorf : Was tun mit Maria und Josef?

Bei den Bedenken gegen Flüchtlingsheime drängt sich der Verdacht auf, dass es nur um die scheinbar bedrohte Perfektion des persönlichen Umfelds geht. Die scheinheiligen Argumente passen nicht zu einer Stadt, die sich als international rühmt.

Flüchtlingsdramen hat es in den letzten 2000 Jahren immer wieder gegeben, und zurzeit erleben wir die Folgen der Kriege in Syrien und Irak. Menschen sind auf der Flucht, für jede Form von Hilfe dankbar. Einige tausend werden bald in Düsseldorf ein Dach über dem Kopf erbitten. Das werden sie auch bekommen, sogar noch ein bisschen mehr - zu essen, Kleidung, Deutschkurse, Spielzeug für die Kinder.

Aber nicht alle Düsseldorfer wollen helfen. Bedenken machen sich breit - das Fremde hat schwache Gemüter schon immer verzagen lassen. Leider entstand der Verdacht, dass es bei einigen nicht nur um die Angst vor vermeintlich steigender Kriminalität, sondern um die scheinbar bedrohte Perfektion des persönlichen Umfelds geht.

Also um das schicke Bild vom picobello gekärcherten Gehweg, dem Cayenne in der Einfahrt und dem eingezäunten Spielplatz um die Ecke, auf dem die gestylten Kleinen unter den wachsamen Augen der Helikopter-Mütter oder gut bezahlter Nannys auf vom Tüv geprüften Holz-Wippen schaukeln. Also, ganz simpel, um Haus- und Grundstückspreise - die könnten ja sinken, wenn in Sichtweite Menschen in Containern hausen.

  • (Symbolbild)
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Natürlich beteuert man, nur das Wohl dieser Flüchtlinge im Sinn zu haben - aber ein übler Rückschluss drängt sich nun mal auf, wenn das Murren gegen Flüchtlings-Camps auffallend oft aus jenen Ecken kommt, in denen die Grundstückspreise jenseits der 1000-Euro-Grenze pro Quadratmeter liegen.

Wer dort lebt, hat gewiss nicht nur ein gewisses Niveau auf dem Konto, sondern auch im Kopf (jedenfalls bildungsmäßig!) und kommuniziert geschickt. Statt offener Ablehnung werden Hilfsargumente konstruiert. Gerne genommen: Die Unterbringung sei nicht zumutbar, der nächste Laden zu weit weg, die Anbindung an Bus und Bahn zu schlecht. Zudem stehe nebenan ein Altenheim. Für wen Letzteres ein Nachteil sein soll, ist nicht auf Anhieb erkennbar - für die Bewohner oder die Flüchtlinge? Der deutsche Senior gar als Sicherheitsrisiko? Wer weiß - Gefahr vom Rentner statt von der Terrormiliz könnte ja so sein, wie vom Regen in die Traufe zu kommen. Alles kaum zu glauben: Wenn es um ehrlich gemeinte Hilfe ginge, könnte man die leisten - zum Beispiel mit einer stadtweiten Initiative, in der gemeinsam Wohltätigkeit geplant wird. Am Rande: ein Job für unsere stadtbekannten Charity-Ladies?

Erfreulich die Stimmen mancher bereits älterer Frauen und Männer. Sie erinnern sich, siehe oben, wie sie selbst 1945/46 als Kinder aus Ost-Preußen oder Schlesien im Westen ankamen, traumatisiert und nichts bei sich außer ein paar Habseligkeiten auf einem Kinderwagen. Hunderttausende mussten, übrigens ebenfalls nicht immer hocherfreut, hier (in einem zerstörten Land!) aufgenommen werden.

Heute kommen einige wenige aus fernen Staaten, und sie kommen in eine intakte Stadt mit solidem Wohlstand, gern rühmt man sich ihrer Internationalität und Offenheit. Für einige scheint dies aber nur für solche Ankömmlinge zu gelten, deren glühende Kreditkarten hier die Laune der Kaufleute und Immobilienmakler erwärmen.

Neulich wurde Düsseldorf in der Liste der zehn Städte mit der weltweit höchsten Lebensqualität auf Platz sechs gewählt - darauf sollten alle stolz sein. Und auf das Ende des Rankings schauen: Dort steht Bagdad - die Hauptstadt Iraks, jenes Landes also, aus dem viele Menschen bei uns stranden, weil sie daheim gewiss keine Sorge um den Wert des Grundstücks, sondern um ihr Leben und das ihrer Familien haben. Den Kindern, Frauen und Männern auf der Flucht eine Unterbringung zu verweigern, an der angeblich "die Infrastruktur" nicht ausreicht, ist scheinheilig. Das wäre so, als hätte man Maria und Josef damals den Stall nicht geöffnet - weil der Esel darin angeblich nicht artgerecht hätte stehen können.

(RP)