Düsseldorf: Was Familien in Düsseldorf bewegt

Düsseldorf: Was Familien in Düsseldorf bewegt

Wer bekommt einen Ganztagsplatz? Bleibt im durchgetakteten Alltag genug Zeit für gemeinsame Erlebnisse? Was muss an den Schulen besser werden? Ab sofort gibt ein Familienbeirat der RP-Redaktion wichtige Anregungen.

Was gefällt Kindern, Jugendlichen und Eltern an ihrer Heimatstadt? Und wo drückt der Schuh? Welche Themen wollen sie in der Zeitung oder auf RP Online lesen? Beim Gründungstreffen des neuen Familienbeirats wurden erste Schwerpunkte deutlich. Die wichtigsten Daten und Fakten im Überblick:

Zeitmangel/Freizeit Sein Hobby, den Kampf-Sport Jiu Jitsu, hat er schon lange aufgegeben. "Es ging nicht mehr, G8 sei Dank", sagt Jacob Jürgens. Der Gymnasiast, der Entbindungshelfer ("also männliche Hebamme") werden möchte, geht auf das Humboldt-Gymnasium. Giustina Ruehs, die das Leibniz-Montessori-Gymnasium besucht, sieht das genauso. "Man traut sich schon gar nicht mehr, ein Hobby anzufangen, weil man einfach zu viel um die Ohren hat", sagt sie. Wie Jürgens engagiert sie sich in der Bezirksschülervertretung (BSV). Was Kinder und Jugendliche im Alltag und in der Schule erleben, beschäftigt auch die Eltern. "Schule, Training, Hobbys - im Alltag bleibt uns oft nur noch das gemeinsame Abendessen", sagt Margarita Glemb, deren Jungs (7 und 10 Jahre) die Gemeinschaftsgrundschule Sonnenstraße in Oberbilk besuchen. Ihre Hoffnung richtet sich auf die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. "Aber bei den Info-Abenden für künftige Fünftklässler konnten uns die Schulleiter dazu nichts sagen, weil es noch keine Ansagen vom Land gibt", sagt die engagierte Mutter.

Jacob Jürgens (2. v. l.) sagt: "Mein Hobby habe ich aufgegeben." Foto: Bretz Andreas

Betreuung Das Thema brennt den Eltern unter den Nägeln. "Lebenshaltungskosten versus Familienleben - das kennzeichnet den Alltag in Düsseldorf", sagt Michail Knauel vom Jugendamtselternbeirat (JAEB), der die Interessen der Düsseldorfer Kita-Eltern vertritt. Der Vater von zwei Töchtern (dreieinhalb Jahre und drei Monate alt) aus Benrath hat die Erfahrung gemacht, "dass ein Gehalt in dieser Stadt nicht reicht". Um so mehr seien die Eltern auf einen Ganztagsplatz angewiesen. Beim Übergang zur Schule und in bestimmten Stadtbezirken sei das ein Problem. Kita-Eltern könnten unter dem Strich aber dennoch zufrieden sein. "In Düsseldorf stöhnen wir auf hohem Niveau, denn hier ist die Betreuung ab dem dritten Lebensjahr kostenfrei, während beispielsweise im nahe gelegenen Heiligenhaus der gleiche Platz die Eltern mehrere hundert Euro kostet."

Vielfalt Floriana Ilazi, deren Eltern aus Mazedonien stammen, beschäftigen Fragen, die im Alltag von Menschen mit Migrationshintergrund eine besondere Rolle spielen. "Wie ist das, wenn ein Mädchen aus einer anderen Kultur mit einem deutschen Jungen zusammen ist?", fragt die 17-Jährige, die in die 12. Klasse des Rather Friedrich-Rückert-Gymnasiums geht und sich im Jugendrat engagiert. Spannend fände sie auch einen Bericht darüber, dass Mädchen sich immer früher perfekt schminken. Eine positive Einstellung zu dem, was anders ist, hält Jacob Jürgens für ein Kennzeichen Düsseldorfs. "Es gibt einen toleranten Umgang mit Schwulen, Lesben und Minderheiten", sagt er.

EDS-Vorsitzende Antje Schuh (M.) beklagt hohe Unterrichtsausfälle. Foto: Bretz Andreas

Schulen Zwei Themen bereiten Antje Schuh, Vorsitzende der Elternschaft Düsseldorfer Schulen, weiterhin Kopfzerbrechen. Zum einen der schleppende Fortgang bestimmter Bauvorhaben ("auch wenn da gerade sehr viel geschieht"). So sei vor etwa zwölf Jahren entschieden worden, dass das Goethe-Gymnasium in Düsseltal einen Anbau erhalten soll. Losgegangen sei es aber erst vor kurzem, sagt sie. Auch Unterrichtsausfall sorge an einigen Standorten für enorme Unzufriedenheit. Das bestätigt Evamarie Mackenbrock aus Himmelgeist, deren Tochter vor den Herbstferien nur an drei Tagen pro Woche regulären Unterricht erhielt.

(RP)