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Warum viele Düsseldorfer bei der Sommer-Hitze beim Baden in Gefahr geraten

Baden in Flüssen und Seen : „Die Leute überschätzen oft ihre Fähigkeiten“

Beim unbeaufsichtigten Baden im Flüssen und Seen kommt es immer wieder zu tragischen Unglücken. Dafür sind nicht nur die Gefahren der Gewässer verantwortlich: Viele Badegäste können nicht gut schwimmen.

Das Wochenende verspricht wieder Sonne und Hitze. Das gute Wetter lockt dann wieder viele Menschen an die Düsseldorfer Gewässer. Aber so erfrischend das Plantschen in Rhein und Unterbacher See auch ist, so gefährlich kann es sein. Selbst geübte Schwimmer können oft nicht gegen das Wasser ankämpfen – und längst nicht jeder Badegast kann wirklich schwimmen.

„Die Leute überschätzen oft ihre eigenen Fähigkeiten und unterschätzen die Gefahren im Wasser“, sagt Roland Scheidemann vom Düsseldorfer DLRG. So sie beispielsweise im Rhein das Baden nicht grundsätzlich verboten, besonders Kinder seien jedoch immer in Gefahr, vom Sog eines großen Schiffes erfasst und in den Fluss hinaus gezogen zu werden. Auch bei Brücken, Landzungen und einmündenden Nebenflüssen gebe es oft nicht sichtbare Strömungen, die selbst gute Schwimmer in Gefahr bringen können. „Unsere Taucher können dann oft nur noch Leichen bergen“, sagt Scheidemann.

Selbsttest: So gefährlich ist das Schwimmen im Rhein

Doch auch das Baden in Seen sei nicht zu unterschätzen. Vor allem künstlich angelegte Gewässer wie der Unterbacher See bergen unsichtbare Gefahren außerhalb der offiziellen Badestrände. Das Ufer fällt oft fast senkrecht ab, so dass ein falscher Schritt oft ins tiefe Wasser führt – vor allem für Nichtschwimmer eine Gefahr. Außerdem kann die Temperatur in tieferen Schichten oft schlagartig um bis zu 15 Grad ändern. Ein Sprung ins Wasser kann somit einen Kälteschock verursachen. Eine weitere Tatsache sorgt für zusätzliche Gefahr am Wasser: „Viele Menschen können einfach nicht schwimmen“, sagt Roland Scheidemann.

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Eine Studie des DLRG aus dem Jahr 2017 fand heraus, dass über die Hälfte der Menschen in Deutschland keine sicheren Schwimmer sind. die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen. Auch bei Kindern ist die Zahl alarmierend: Laut DLRG können 60 Prozent der Grundschüler nicht schwimmen. Besonders betroffen sind dabei Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen, Geflüchtete und alte Menschen. Dabei ist schwimmen ein Kulturgut, dass Leben retten kann, heißt es beim DLRG. Daher müsse es schon in den Schulen beigebracht werden. „Der Schwimm-Unterricht wird allerdings oft stiefmütterlich behandelt“, sagt Scheidemann.

Immer weniger Menschen gehen in den letzten Jahren ins Schwimmbad, und deswegen müssen immer mehr Bäder schließen. Für die Schulen habe dies gravierende Folgen für den Schwimmunterricht.

Die Düsseldorfer Bäder seien in der Zeit, in der sie für die Schuen reserviert sind, zu über 90 Prozent ausgebucht, sagt Romina Walterowicz von der Düsseldorfer Bädergesellschaft. Teilweise würden die Schulen auch um Schwimmzeiten und -orte konkurrieren. Es gebe zwar genug Kapazitäten, im Notfall könne man auf die offiziellen Schwimmzeiten ausweichen. Problematischer ist hingegen für einige Schulen, ein Bad in ihrer Nähe zu finden, in dem sich der Schwimmunterricht lohnt. Denn wenn von einer Doppelstunde mit 90 Minuten fast eine Stunde für An- und Abfahrt, das Duschen und das Umziehen drauf geht, lohnt es sich oft nicht.

Trotz dieser Probleme ist es sehr wichtig, dass Kinder schon früh das Schwimmen lernen, um Unfällen im Wasser vorzubeugen. „Hier sind aber nicht nur die Schulen in der Pflicht. Es ist auch die Aufgabe der Eltern, ihre Kinder Schwimmen lernen zu lassen“, sagt Scheidemann vom DLRG. Allerdings ist der Besuch einer Schwimmschule oft teuer. So kann ein Seepferdchen-Kurs für ein Kind bis zu 200 Euro kosten. Und dieses Frühschwimmerabzeichen ist noch kein Garant dafür, dass der Träger im Wasser sicher ist. Erst ab dem Abzeichen in Bronze oder Silber könne man von einem guten Schwimmer reden, heißt es vom DLRG. Auch das sei ein Grund, dass viele Nichtschwimmer, die im Wasser in Gefahr geraten, aus schwierigen finanziellen Verhältnissen stammen. Dennoch, so sagt Roland Scheidemann, könne Sicherheit beim Baden nur gewährleistet sein, wenn die Schwimmer ihre eigenen Fähigkeiten und die Gefahren der Gewässer realistisch einschätzen.