„An der Firma hängt mein Herzblut“ Düsseldorfer Schuhhändler muss nach 37 Jahren Insolvenz anmelden

Düsseldorf · Michael Koch gibt als Betreiber zweier Schuhläden in der Düsseldorfer Altstadt und in Pempelfort auf. „Ich habe bei der Bestellung der Frühjahrsware gesehen, dass es nicht mehr so weitergehen kann – deshalb musste ich reagieren“, sagt der 54-Jährige.

Michael Koch in seinem Schuhlager an der Adersstraße: Der Düsseldorfer hat sein Unternehmen namens Schuhparadies im Jahr 1987 gegründet. „An der Firma hängt mein Herzblut“, sagt der 54-Jährige.

Michael Koch in seinem Schuhlager an der Adersstraße: Der Düsseldorfer hat sein Unternehmen namens Schuhparadies im Jahr 1987 gegründet. „An der Firma hängt mein Herzblut“, sagt der 54-Jährige.

Foto: Maximilian Nowroth

Corona, Ukrainekrieg und Energiekrise zwingen einen Düsseldorfer Traditionshändler zur Aufgabe seines Geschäfts: Die Schuhparadies Michael Koch GmbH, zu der zwei Geschäfte in der Stadt gehören, ist insolvent. Das hat Michael Koch am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt. „Ich habe bei der Bestellung der Frühjahrsware gesehen, dass es nicht mehr so weitergehen kann – deshalb musste ich reagieren“, sagt der 54-Jährige.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wird der Düsseldorfer Rechtsanwalt Jan-Philipp Hoos (Kanzlei White & Case) bestellt. Bis Ende April bekommen die sechs Mitarbeiter von Michael Koch ihr Einkommen als Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit. So lange läuft der Betrieb in seinen beiden Schuhläden noch weiter, danach werden sich die Standorte verändern.

Zur GmbH von Koch gehört der „Rieker Store“ an der Nordstraße in Pempelfort und eine Filiale des Damenschuh-Herstellers Tamaris an der Flinger Straße in der Altstadt, direkt gegenüber der Carsch-Haus-Baustelle. Bei Rieker ist bis Ende April Räumungsverkauf, dann schließt das Geschäft. Der Betrieb von Tamaris dagegen wird durch die Muttergesellschaft Wortmann weitergeführt.

Michael Koch muss sich jetzt um die Abwicklung seines Betriebs kümmern. Den Mitarbeitern ist gekündigt, das Lager an der Adersstraße wird aufgelöst, der Insolvenzverwalter beendet die laufenden Mietverträge für die Schuhgeschäfte. Der Hauptgrund für das Aus: Seit einigen Jahren geht sein „Schuhparadies“ durch eine Kostenhölle.

Koch hat 1987 mit dem Schuhhandel angefangen, früher hatte er Standorte Am Wehrhahn und an der Derendorfer Straße. Das heutige Geschäft an der Nordstraße besteht seit 2002 und fokussiert sich auf den Verkauf von Schuhen des Schweizer Herstellers Rieker. Die Filiale an der Flinger Straße besteht seit 2012 und vertreibt ausschließlich Schuhe der Detmolder Marke Tamaris. „Aber seit Corona“, sagt Koch, „ist das Geschäft nicht mehr das Gleiche“.

Die Läden mussten im Lockdown lange schließen, als Unterstützung nahm der Unternehmer Corona-Hilfen auf und verlagerte den Handel ins Internet. Schuhe auf Plattformen wie Zalando verkaufen – „am Anfang war das noch eine gute Sache für uns“, sagt Koch. Doch die Gebühren haben sich von unter zehn auf rund 20 Prozent pro Bestellung erhöht. „Und die Versandkosten tragen wir, bei fast zwei Dritteln Retourenquote. Hammerhart.“ Aus dem Auffanggeschäft wurde ein Kostenfaktor.

Dann ging die Pandemie vorbei, die Läden öffneten wieder, das Publikum kehrte zurück in die Fußgängerzonen. „Aber sie kaufen nicht mehr so viel wie früher“, sagt Koch. Denn nach dem Corona-Schock kam erst der Ukrainekrieg, dann die Energiekrise. „Seit Jahren schwingt bei vielen Kunden die Angst mit.“ Und auch für den Händler gab es immer mehr Grund zur Sorge.

Während bis heute ein Fünftel des Umsatzes weggebrochen ist, wurde parallel dazu alles teurer: der Strom, das Personal, die Versicherung. Und die Miete? „Zu hoch, um das Geschäft wirtschaftlich zu betreiben.“ An der Nordstraße zahlt Koch für 100 Quadratmeter rund 4000 Euro Miete im Monat. An der Flinger Straße sind es 20.000 Euro – für eine ähnliche Fläche. Zwar habe der Vermieter, die Aachener Grund, während der Lockdowns ein paar Mal auf Mietzahlungen verzichtet und nach der Pandemie die Miete um ein Sechstel gesenkt. „Aber bei unserem aktuellen Umsatz reicht das nicht“, sagt Michael Koch.

Weil sich die Standorte einzeln betrachtet nicht lohnen, ist für den Unternehmer jetzt Ladenschluss. „Mir geht es erst mal darum, meine Mitarbeiter gut zu versorgen“, sagt der Düsseldorfer. Im besten Fall werden die vier Beschäftigten im weiter bestehenden Tamaris-Geschäft übernommen. Um seine eigene Zukunft macht sich Koch keine Sorgen. „Ich habe viel Erfahrung und in der Branche einen guten Namen, da wird sich schon was finden.“ Ob er sich noch mal einen eigenen Laden vorstellen kann? „Klar – wenn die Bedingungen stimmen.“

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