Warum Düsseldorf eine neue Notunterkunft für Flüchtlinge eröffnet hat

80 Betten am Hauptbahnhof : Warum Düsseldorf eine neue Notunterkunft für Flüchtlinge eröffnet hat

Das Gebäude an der Graf-Adolf-Straße soll verhindern, dass Menschen auf der Straße schlafen müssen. Die Stadt duldet zugleich Lager an drei prominenten Plätzen nicht mehr. Fiftyfifty kritisiert das.

Mit einer neuen Unterkunft in der Nähe des Hauptbahnhofs will die Stadt Düsseldorf die Lage der Obdachlosen verbessern. Der Konflikt mit der Hilfsorganisation Fiftyfifty geht trotzdem in die nächste Runde. Die wichtigsten Antworten:

Was verspricht sich die Stadt von der neuen Unterkunft? Das dreistöckige Gebäude an der Graf-Adolf-Straße 73 ist aus Sicht der Verantwortlichen in doppelter Beziehung ein Fortschritt: Die bisherige Flüchtlingsunterkunft könne langfristig für Obdachlose genutzt werden und ersetze daher Provisorien in der Winternothilfe. Zeitweise waren sogar Zelte aufgestellt worden, damit Obdachlose nicht im Freien schlafen müssen. Außerdem befindet sich die Einrichtung mit 80 Betten in direkter Nähe zum Hauptbahnhof. Damit reagiert die Verwaltung auch auf Kritik von Obdachlosen-Hilfsorganisationen, die beklagt hatten, dass eine Fahrt in Außenbezirke die Menschen abschreckt. Die Stadt hält dagegen, dass auch die Einrichtungen an der Aldekerkstraße in Heerdt und am Vogelsanger Weg in Mörsenbroich gut angenommen worden seien. Beide werden nun durch die neue Unterkunft ersetzt. Sozialdezernent Burkhard Hintzsche spricht von einer Lösung, „um die menschenunwürdigen Lebensumstände von schwer erreichbaren Personengruppen maßgeblich zu mildern“. Die Betreuung übernimmt die katholische Hilfsorganisation Franzfreunde.

Wer sind die Zielgruppen? Neben Schlafplätzen für Männer gibt es einen separaten Bereich für Frauen und die Möglichkeit, Paare gemeinsam unterzubringen. Auch mobilitätseingeschränkte Personen können das Angebot nutzen. Darüber hinaus sind Hunde erlaubt. Maximal vier Betten stehen in einem Zimmer. Die neue Notunterkunft ersetzt auch die Einrichtung an der Prinz-Georg-Straße, die sich an Ausländer aus (vor allem östlichen) EU-Staaten gerichtet hatte. Die haben die Schwierigkeit, dass sie kein Anrecht auf Sozialhilfe haben – und daher an Notschlafstellen abgewiesen werden müssen. Weiterhin wird es einige weitere Notunterkünfte in Düsseldorf geben, darunter eine speziell für Frauen, eine für Mädchen und eine für Drogensüchtige. Rund 400 Menschen leben laut offiziellen Schätzungen auf der Straße.

Warum ist Fiftyfifty nicht zufrieden? Mit der Eröffnung der Notunterkunft unternimmt die Stadt einen neuen Anlauf, Wohnungslose von einigen prominenten Plätzen zu vertreiben. Das Ordnungsamt will dauerhafte Lager vor dem NRW-Forum, dem Ratinger Tor und dem Kom(m)ödchen nicht mehr zulassen. Dies hat Ordnungsdezernent Christian Zaum am Freitag in einem Brief mitgeteilt. Grundsätzlich dulde die Stadt das Übernachten im öffentlichen Raum, soweit damit keine Störungen verbunden seien. „Allerdings gibt es besondere Orte im innerstädtischen Bereich, wo das dauerhafte Übernachten als Störung empfunden wird.“

Fiftyfifty kritisiert den Schritt und verweist darauf, dass ein Teil der Obdachlosen keine Notunterkünfte besuchen wollen oder können, etwa aus Angst vor Übergriffen. Fiftyfifty behauptet zudem, dass die Hilfsorganisationen erst am Montag über die Räumungsfrist bis Dienstag informiert worden seien. Dieser Darstellung widerspricht die Stadt und verweist auf das Schreiben von Freitag, das auch Fiftyfifty zugemailt worden sei. Die Verantwortlichen weisen auch die Kritik an einem – so Fiftyfifty – „herzlosen“ Vorgehen zurück. Düsseldorf sei in Sachen Notübernachtung noch nie so gut aufgestellt gewesen.

Eine Besonderheit sind Aufzüge, die auch Körperbehinderten die Übernachtung ermöglichen. Foto: Endermann, Andreas (end)

In der Stadtverwaltung zweifelt man wegen der andauernden scharfen Kritik inzwischen sogar an den Motiven der bekannten Organisation. „Wir als Stadt wollen, dass die Menschen in Unterkünften übernachten“, sagte ein Stadtsprecher unserer Redaktion. „Fiftyfifty will, dass die Menschen auf der Straße übernachten.“ Fiftyfifty hatte die Stadt in jüngster Zeit immer wieder attackiert, für besondere Aufmerksamkeit sorgte die Empörung darüber, dass die Stadt Steine unter der Rheinkniebrücke auslegen ließ.