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Zu wenig Personal in der Zulassungsstelle: Warten auf Nummer 414

Zu wenig Personal in der Zulassungsstelle : Warten auf Nummer 414

Im Straßenverkehrsamt in Düsseldorf kam es letzte Woche zu Problemen: Nach elf Stunden mussten die Mitarbeiter Wartende, die bereits eine Nummer gezogen hatten, nach Hause schicken. Die Mitarbeiter fühlten sich ausgebrannt. Offensichtlich gibt es dort zu wenig Personal. Ein Besuch.

Im Straßenverkehrsamt in Düsseldorf kam es letzte Woche zu Problemen: Nach elf Stunden mussten die Mitarbeiter Wartende, die bereits eine Nummer gezogen hatten, nach Hause schicken. Die Mitarbeiter fühlten sich ausgebrannt. Offensichtlich gibt es dort zu wenig Personal. Ein Besuch.

8:00 Uhr — Patrick von der Ehe ist pünktlich. Zehn Minuten extra hat er eingeplant, um am Dienstagmorgen aus Derendorf zum Straßenverkehrsamt in Flingern zu fahren. "Ich habe online einen Termin vereinbart", sagt der 44-Jährige. Auf lange Wartezeiten hat er sich nicht eingestellt. Er will sein altes Auto abmelden, weil es verschrottet wird.

8:05 Uhr — Im Wartebereich des Straßenverkehrsamts am Höher Weg ist es voll. Nur ein paar wenige Sitze sind noch nicht besetzt. Ein Blick auf die Schreibtische hinter der Wartewand zeigt ein anderes Bild: Dort sind einige Stühle leer.

8:10 Uhr — Eigentlich wäre jetzt von der Ehes Termin. Stattdessen sitzt er zusammen mit rund 40 anderen Wartenden auf Bänken und schaut auf die große Anzeigetafel mit den Nummern. In regelmäßigen Minutenabständen ertönt ein Signalton und eine neue Nummer wird angezeigt. Von der Ehes ist bislang nicht darunter.

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8:20 Uhr — Der 44-Jährige wird ungeduldig und fragt bei einem Mitarbeiter nach, wieso er trotz Termin noch nicht an der Reihe ist. "Es gibt Verzögerungen war die Antwort", erzählt er und setzt sich wieder auf seinen Platz. Seine Sitznachbarin, Sabine Szerdahelyi, bringt da wesentlich mehr Geduld mit. "Ich bin seit 7.25 Uhr hier", sagt sie. Sie will ihr Auto ummelden. "Als ich kam, war hier schon eine Schlange von circa 20 Leuten an der Information, um sich eine Nummer zu ziehen. Aber das ist eigentlich normal hier", berichtet sie. Sie hat Nummer 414.

8:25 Uhr - "Also wenn ich so lange warten muss, dann können sie auch darauf verzichten, Termine zu vergeben", schimpft von der Ehe. "Als ich das letzte Mal hier war, waren weniger Mitarbeiter da und es ging zügiger vorwärts. Das ist jedenfalls mein Eindruck." Von der Ehe steht erneut auf, um nachzufragen, weshalb er nicht drankommt. Verkniffen lächelnd kommt er zurück. "Der Teamleiter wird sich darum kümmern wurde mir gesagt." Auf der Anzeigentafel leuchten Nummern im Hunderter- und 800er-Bereich.

8:30 Uhr — Silvia Vorbeck wartet seit einer Stunde im Straßenverkehrsamt. Nummer 415. Lange genug, um nicht nur stillzusitzen. Sie geht in die Cafeteria, um sich etwas zu Essen zu besorgen. Die Anzeige leuchtet wieder auf. "Das bin ich", sagt Von der Ehe mit einem Blick auf seinen Zettel mit der Nummer und springt auf.

8:33 Uhr — Von der Ehe packt seine Unterlagen in die Tasche. "20 Minuten nach dem vereinbarten Termin bin ich fertig. Das ist noch akzeptabel", findet er und macht sich auf den Weg zur Arbeit. Sabine Szerdahelyi streicht mit den Fingern über den Zettel mit der Nummer 414. "Man muss sich darauf einstellen, dass man warten muss, wenn man zum Amt geht", sagt sie. Szerdahelyi arbeitet an der Tankstelle. Sie meint: "Wenn ich meine Kunden da so lange warten lassen würde, würden die mir aufs Dach steigen. In der freien Wirtschaft würde das so nicht funktionieren."

8:40 Uhr — Die Nummern im 800er- und 100er-Bereich blinken in länger dauernden Abständen auf. "Ich verstehe das System nicht. Ich weiß nicht, wieso die 400er-Nummern gar nicht auftauchen", sagt Szerdahelyi. Viele Wartende starren immer wieder auf die Anzeigentafeln. Es scheint, als ob sich die Nummern immer langsamer ändern. "Nur nicht darüber nachdenken", sagt Szerdahelyi.

8:50 Uhr — "Nummer 869!", ruft eine Mitarbeiterin und blickt hinter der Wand hervor auf die Wartenden. "Ich habe 149", antwortet ein Mann, der direkt neben der Wand sitzt. "Ich habe aber die 869 aufgerufen", entgegnet die Mitarbeiterin und verschwindet wieder. Der Mann rutscht auf dem Sitz herum. "Ich warte seit halb neun, ich habe einen Termin", ruft er der Mitarbeiterin laut hinterher.

8:52 Uhr — "413" steht in roten Lettern auf der Tafel. Ein Mann eilt lächelnd an den Wartenden vorbei. "Beeilen Sie sich bloß", ruft Szerdahelyi ihm zu und seufzt. Er hat die Nummer vor ihrer. "Die haben hier extra keine Uhr aufgehängt", sagt sie und lächelt angestrengt. "Bisher hatte ich Glück und musste hier nicht so lange warten, aber im Sommer saß ich auch schon mal einen halben Vormittag hier." Silvia Vorbeck hat ihr Brötchen aufgegessen. Sie streckt die Beine aus und starrt wieder auf die Anzeige.

8:55 Uhr — "814, das bin ich. Endlich", sagt Szerdahelyi und verschwindet hinter der Wand mit den Schreibtischen. Kurz danach ist auch Silvia Vorbeck dran, um ein Motorrad anzumelden. Sie ist nach drei Minuten schon wieder draußen. "Es gab irgendwelche Probleme mit der Versicherungsnummer", sagt die 30-Jährige. "Früher ging es viel schneller hier, da habe ich höchstens eine halbe Stunde gewartet. Das ist schon heftig jetzt."

8:57 Uhr — Szerdahelyi kommt mit den Nummernschildern unterm Arm wieder raus. "Ich habe mal gefragt: Die Mitarbeiter blicken wohl auch nicht mehr durch, wie genau das mit dem Aufruf der Nummern erfolgt", sagt sie und hält ihre Autoschilder unter eine Maschine, welche die Plaketten ungültig macht. Es surrt laut. "So, das müsste reichen", meint die 33-Jährige. "Ich muss das neue Kennzeichen abholen und dann nochmal rein. Aber dieses Mal ohne Warten."

(ila/top/ila/anch)